Oh, dieser Garten! Ich werde ihn vermissen! Ich liebe meine Gladiolen, die ich mit Eifer jedes Jahr stecke und wieder ausbuddele. Und dieses Jahr gibt es erstmals eigenen Bio-Zucchini - ungespritzt und ohne Chemie. Wie schon bei meiner Großmutter immer, werden es riesige Keulen und nicht diese Winz-Zucchini wie man sie aus der Gemüseabteilung im Supermarkt gewohnt ist. Seit einer Woche gibt es deswegen auch jeden Tag Zucchini: Mit Reis, in Tomatensauce, mit Tofu, Linsen oder Curry-Sahnesauce, und schon zweimal, weil so lecker, als Suppe.
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Sonntag, 21. Juli 2013
Erste Ernte
Oh, dieser Garten! Ich werde ihn vermissen! Ich liebe meine Gladiolen, die ich mit Eifer jedes Jahr stecke und wieder ausbuddele. Und dieses Jahr gibt es erstmals eigenen Bio-Zucchini - ungespritzt und ohne Chemie. Wie schon bei meiner Großmutter immer, werden es riesige Keulen und nicht diese Winz-Zucchini wie man sie aus der Gemüseabteilung im Supermarkt gewohnt ist. Seit einer Woche gibt es deswegen auch jeden Tag Zucchini: Mit Reis, in Tomatensauce, mit Tofu, Linsen oder Curry-Sahnesauce, und schon zweimal, weil so lecker, als Suppe.
Sonntag, 14. Juli 2013
Geisteswissenschaftler, die Tomaten pflanzen
Dieser Text ist schon vor ein paar Monaten entstanden und jetzt hole ich ihn mal aus der Schublade. Ich versuche mal wieder etwas Neues in meinen Blog zu bringen und tagge es mit dem Anglizismus "Essays". Plural, weil in den Schubladen meines Geistes noch ein paar auf ihre Veröffentlichung warten.
Das man als Geisteswissenschaftler
keine Zukunft hat, als Taxifahrer oder Hartz-4-Empfänger endet, sind
altbekannte Klischees. Deswegen macht sich Angst breit, auch unter
der sogenannten Elite. Und so kommt es zu skurrilen Szenen...
Treffen sich zwei Historiker. Er hat
vor kurzer Zeit seine Doktorarbeit beendet und verteidigt, sie gerade
ihre Masterarbeit abgegeben. Die Verteidigung steht noch aus und sie
hat etwas Angst davor, da sie nicht einschätzen kann, was ihre
Arbeit wert ist. Aber prinzipiell steht beiden eine glänzende
Zukunft offen, da sie sicher nicht zu den Schlechtesten ihres Fachs
zählen und innovative Forschungsfragen untersucht haben in ihren
Abschlussarbeiten. Was wollen sie also machen aus ihrem Leben? Sie
unterhalten sich bei einigen Bieren.
Sie erzählt von dem Haus, welches sie
geerbt hat, dem Dschungel, der sich daran anschließt und mal ein
Nutzgarten war. Sie hat den Traum, diesen dieses Jahr herzurichten
und Tomaten zu pflanzen. Kürbisse anzubauen, Erdbeeren zu pflücken
und daraus Marmelade zu kochen, ein großes offenes Haus für Freunde
zu haben, in dem jeder zu jeder Zeit willkommen ist. Natürlich hätte
sie auch gern einen guten Job sagt sie. Aber sie möchte eine
gutbezahlte Stelle oder wenigstens eine erfüllende Beschäftigung.
Und wenn sie diese im Moment nicht findet, will sie sich auf jeden
Fall erst einmal um Haus und Garten kümmern. Aussteigen im Kleinen,
wenn auch vorerst nur für kurze Zeit.
Er erzählt ebenfalls von einem
geerbten Grundstück, in seinem Heimatland. Von einem geplanten
Gewächshaus. Von einer Reise, die er machen will, von einem Haus auf
einer griechischen Insel, wenn er sich irgendwann zur Ruhe setzt.
Die beiden trennt ein Doktortitel, ein
paar Jahre Altersunterschied und über tausend Kilometer Entfernung
der Geburtsorte. Auch wenn sie sich ähnlich scheinen im ersten
Moment, sie sind es nicht. Was sie eint, ist ihre akademische
Ausbildung und ihre Gedankenspielereien mit einem Job an der Uni, wo
man vielleicht nicht so viel Geld bekommt, aber der dafür ihren
Erwartungen entspricht. Aber wenn es alles nicht so klappt, dann doch
lieber Aussteigen aus dem Hamsterrad. Dann doch lieber Balkantour
oder Tomaten pflanzen. Die beiden sind nicht die Einzigen. Auch wenn
wohl die Mehrheit der Absolventen von einem möglichst gutbezahlten
Job träumt und einem geregelten Arbeitsleben nachgehen will, sind da
überall welche, die eigentlich lieber einen Ökobauernhof hochziehen
würden. Oder eine Rucksackreise machen und so schnell nicht
zurückkommen, vielleicht nie. Dabei sind sie auf den ersten Blick
ganz normale Studenten, keine die immer „etwas Soziales“ machen
wollten, dann den Großteil ihrer Studienzeit in der linken
Hochschulgruppe verbracht haben und zwischendurch schon einmal eine
längere Zeit von der Bildfläche verschwunden sind, weil sie sich
ausprobieren, neu orientieren oder regenerieren mussten.
Jetzt könnte man anfangen und die
Weltflucht der jungen Akademiker mit dem Zustand der Sozialsysteme,
der Zukunftsängste unserer Zeit und natürlich der sich stetig
verschlechternden Arbeitsbedingungen im Mittelbau der Universitäten
begründen. Stichworte: Befristete Arbeitsverträge,
Bologna-Bachelor-Bulumielernen, Dauerpraktika, halbe, viertel und
stundenweise Stellen, Ausbeutung überall. Aber trifft es das
wirklich?
Die Lifestylemagazine, die Gartenarbeit
als hip, Biobauern als Helden, Veganer als Weltretter und Auszeiten
als Grundlage eines nachhaltigen Lebens anpreisen, boomen. Noch ein
veganer Blog, noch ein DIY-Tutorial, noch ein Mädchen, dass nach
Rumänien gehen will, um sich den Bergbauern anzuschließen und mit
ihnen Schnaps und Käse zu teilen. Diese jungen Akademiker, die
eigentlich so reflektiert und aufgeschlossen sind, sind
diskursgeschädigt. Es ist kein schlechter Diskurs, der
Nachhaltigkeit als den einzig richtigen Weg anpreist, denn es ist
wohl der einzig mögliche, wenn die Menschen noch eine Weile auf
diesem Planeten leben wollen. Aber ein altes Sprichwort sagt:
Schuster, bleib bei deinen Leisten. Wenn das Geschichtsstudium den
beiden halbwegs zugesagt hat, sollten sie vielleicht etwas tun, wofür
sie ihre akademische Ausbildung benötigen können. Vielleicht retten
sie damit dann nicht die Welt, aber sie können ja nebenbei weiter im
Biomarkt einkaufen, Fahrrad fahren und Tomaten pflanzen.
Samstag, 6. Juli 2013
Vom Umherwieseln...
(Ja, der Titel ist bewusst vom Auslandsblog eines Freundes gemopst.)
Da sitz ich also wieder. Die Meute ist abgereist, nach einem epischen Frühstück, hat mich mit einem vollen Bauch, ein paar Essensresten und einem wohligen Gefühl zurückgelaseen. Und es fühlt sich so gut an, so richtig, hier zu sein, im Garten zu sitzen und Bowle zu trinken (Punch-P. hat uns wieder mit etwas besonders Leckerem versorgt), frisch gebackenes Brot zum Feta-Dip zu mümpeln und leckeren veganen Nudelsalat in Riesenportionen auf den Teller zu laden. Später ums Feuer zu sitzen und zu quatschen, irgendwann die lieben Menschen wieder auf alle verfügbaren Schlafgelegenheiten zu verteilen und am Morgen in einem vollen Haus aufzuwachen.
Es haben sich fantastisch schöne Rituale etabliert mit diesen Besuchen. Doch diesmal hat das Gefühl, dass das alles bald erstmal vorbei sein wird, meine Laune etwas getrübt. Ich freue mich auf Rumänien, überhaupt keine Frage, aber gerade habe ich hier so gut meinen Platz gefunden, dass ich ihn nur ungern verlasse. Andererseits - und das macht meine Gefühlslage etwas ambivalent - ist es eine Flucht nach vorn. Wie auch am Anfang überfordert mich das Haus und meine Lebenssituation immernoch in mancherlei Hinsicht und ich bin froh, das erstmal verlassen zu können,
Meine Erlebnisse beim Arzt oder der Besuch eines Mitglieds des Sportvereins zeigen, dass ich auch hier nicht so richtig hingehöre, auch wenn ich es sicher könnte, wenn ich mir ein bisschen mehr Mühe geben würde - meine Brötchen beim Bäckerauto, welches hier zweimal die Woche hält, holen würde und die Lokalzeitung abonnieren, oder eben für den Sportverein spenden.
Der Typ vom Sportverein kam gestern, ein Mann mittleren Alters in Poloshirt und Shorts, mit einem Aktenordner unterm Arm. Ein geschwätziger Typ, nicht unsympathisch, ein bisschen "flirty", so dass man sich vorstellen kann, wie er die Menschen so umgarnt, dass sie spenden. Nachdem er weg war, hatte ich das Gefühl, der Nachbarschaftsverein könnte ihn geschickt haben, um herauszufinden, wer da jetzt eigentlich in dem Haus wohnt, und was hier vorgeht.
Vielleicht ist es also doch nicht mein Platz hier, obwohl ich es unsäglich genieße, die Gastgeberin mit großem Garten zu sein. Aber egal, wie die Entscheidung ausfällt: Zunächst ist sie vertagt um mindestens ein Jahr.
Da sitz ich also wieder. Die Meute ist abgereist, nach einem epischen Frühstück, hat mich mit einem vollen Bauch, ein paar Essensresten und einem wohligen Gefühl zurückgelaseen. Und es fühlt sich so gut an, so richtig, hier zu sein, im Garten zu sitzen und Bowle zu trinken (Punch-P. hat uns wieder mit etwas besonders Leckerem versorgt), frisch gebackenes Brot zum Feta-Dip zu mümpeln und leckeren veganen Nudelsalat in Riesenportionen auf den Teller zu laden. Später ums Feuer zu sitzen und zu quatschen, irgendwann die lieben Menschen wieder auf alle verfügbaren Schlafgelegenheiten zu verteilen und am Morgen in einem vollen Haus aufzuwachen.
Es haben sich fantastisch schöne Rituale etabliert mit diesen Besuchen. Doch diesmal hat das Gefühl, dass das alles bald erstmal vorbei sein wird, meine Laune etwas getrübt. Ich freue mich auf Rumänien, überhaupt keine Frage, aber gerade habe ich hier so gut meinen Platz gefunden, dass ich ihn nur ungern verlasse. Andererseits - und das macht meine Gefühlslage etwas ambivalent - ist es eine Flucht nach vorn. Wie auch am Anfang überfordert mich das Haus und meine Lebenssituation immernoch in mancherlei Hinsicht und ich bin froh, das erstmal verlassen zu können,
Meine Erlebnisse beim Arzt oder der Besuch eines Mitglieds des Sportvereins zeigen, dass ich auch hier nicht so richtig hingehöre, auch wenn ich es sicher könnte, wenn ich mir ein bisschen mehr Mühe geben würde - meine Brötchen beim Bäckerauto, welches hier zweimal die Woche hält, holen würde und die Lokalzeitung abonnieren, oder eben für den Sportverein spenden.
Der Typ vom Sportverein kam gestern, ein Mann mittleren Alters in Poloshirt und Shorts, mit einem Aktenordner unterm Arm. Ein geschwätziger Typ, nicht unsympathisch, ein bisschen "flirty", so dass man sich vorstellen kann, wie er die Menschen so umgarnt, dass sie spenden. Nachdem er weg war, hatte ich das Gefühl, der Nachbarschaftsverein könnte ihn geschickt haben, um herauszufinden, wer da jetzt eigentlich in dem Haus wohnt, und was hier vorgeht.
Es klingelt, ich eile zur Tür.Irgendwie hat mir die Absurdität dieses Gesprächs vor Augen geführt, dass ich es wohl nie so richtig schaffen werde, mich hier zu integrieren, immer zwischen Ankunft und Aufbruch schwebend. Das Dorfleben und die ländlichen Geflogenheiten sind mir suspekt, vielleicht hat mich das Stadtleben - und dabei lebte ich ja nie in einer Metropole - verdorben, vielleicht habe ich tatsächlich eine Wessi-Mentalität angenommen, vielleicht rede ich tatsächlich seltsam, nämlich nicht hochdeutsch, sondern irgendwie gestelzt und verwende seltsame Begriffe. Bei einem kurzen Gespräch mit den Nachbarn bekomme ich mit, dass wir in komplett unterschiedlichen Welten leben. Für sie bedeutet ein offenes Hoftor eine immense Gefahr, meine größte Sorge ist, wie ich an gute Biolebensmittel komme. Ich liebe es, Marmelade zu machen und Brot zu backen und warum eigentlich nicht eine Ziege in den Garten stellen? Aber dieses romantische Bild vom Landleben deckt sich nicht mit dem realen Leben hier, wo die Leute eben einmal die Woche zum Großeinkauf mit dem Auto zum Supermarkt fahren und ihre Wägen voll mit industriell produzierten Billig-Lebensmitteln laden.
Guten Tag, er wolle nicht stören, nein, sich nur zum Kaffee einladen. Das wäre ein Scherz gewesen.
Ob ich im Gemeindeblatt gelesen hätte, dass sie für den Sportverein sammeln. Nein? Hier sei nochmal der Artikel. Aber den Herrn Fuchs (Name geändert) kenne ich doch vielleicht? Ich bin noch nicht lange hier. Achso.
Man sammle für die Nachwuchsförderung. Er wisse ja nicht, wie das sei mit Kindern im Haus. Nein. Fast hätte er gesagt, was nicht ist, kann ja noch werden, hehe. Tapferes Lächeln. Das Sammeln funktioniere so, man bekomme Prämienpunkte für abgeschlossene Zeitschriftenabonnements und dann gäbe es einen Satz Trikots für die Kindermannschaft. Es tut mir leid, ich bin nicht mehr lange hier. Er gibt sich zufrieden und geht wieder.
Vielleicht ist es also doch nicht mein Platz hier, obwohl ich es unsäglich genieße, die Gastgeberin mit großem Garten zu sein. Aber egal, wie die Entscheidung ausfällt: Zunächst ist sie vertagt um mindestens ein Jahr.
Mittwoch, 3. Juli 2013
Der Landarzt, Folge 2
Am Montag druckten wir bereits den ersten Teil dieser beliebten Serie ab, hier nun exklusiv die Fortsetzung:
Halb acht schloss ich mein Fahrrad vor der Praxis ab und begab mich zum altbekannten Empfangsschalter. Die Frau aus meinem Heimatdorf war heute mit der Verwaltung der Patienten beschäftigt, wodurch ich gleich mit Vornamen angesprochen und mit dem Hinweis "Geh rein!", ins Wartezimmer verwiesen wurde. Vor mir diesmal drei Menschen, alle eher jüngeren Alters. Ich hatte mir vorsorglich Lesestoff mitgebracht, damit ich mich nicht noch mit irgendeinem Opi ums Provinzwurschtblatt streiten muss, dass den Anspruch erhebt, übers Tagesgeschehen zu informieren.
Ein Patient nach dem anderen ging rein und war ebensoschnell wieder draußen, also war ich kurz nach acht schon dran. Der freundliche Arzt erinnerte sich vage, um was es ging und zeigte mir meine Werte. Ich hatte aber noch ein anderes Anliegen. Ich hatte meinen Impfpass mitgebracht. Ich reichte das Büchlein, schön in knallrotes Leder geschlagen und mit dem Zirkel-und-Hammer-Emblem des Staates, in dem ich geboren wurde, versehen, zum Arzt, der sich erstmal in all den Immunisierungen, Wiegeergebnissen meines ersten Lebensjahres und Kinderkrankheiten zurechtfinden musste. Schließlich diskutierten wir über eine Auffrischung meiens Hepatitis-B-Schutzes. Aus einem unbestimmten Grund, wollte ich irgendwie nicht, aber er überredete mich schließlich mit der Annahme, dass in Rumänien, wo ich das nächste Jahr arbeiten würde, die hygienischen Bedingungen in den Krankenhäusern fraglich sein könnten. Ich zweifelte immernoch, stimmte aber schließlich dem Antikörpertest zu. Bevor ich ging, meinte der Arzt noch: "Rumänien, da gibt es doch auch Vampire?" Er erwartete, dass ich lachte, aber ich bekam nur ein gequältes Lächeln zu stande. Er setzte einen drauf: "Die beißen doch auch, dass ist ja auch gefährlich für die Übertragung [von Hepatitis]! Die putzen sich bestimmt nicht jedesmal die Zähne!"
Er musste sehr über seinen eigenen Witz schmunzeln, ich lächelte tapfer und trat sehr schnell, meinen sozialistischen Impfpass und die Versichertenkarte zusammenraffend, den Rückweg an. Dabei vergaß ich aber den Parcours des Schwesternzimmers, in dem man sich nicht nur aufgrund der Anordnung des Schreibtisches, die ein unauffälliges Durchschlängeln quasi unmöglich macht, etwas länger aufhalten muss, sondern auch, weil man das hier eben so macht. Da muss man noch etwas Tratsch mit den Schwestern austauschen, die wahrscheinlich fast sterben vor Neugier, zu erfahren, warum ich da bin und warum ich überhaupt zurzeit hier zu leben scheine. Ich hoffe, der Arzt befriedigte diese Neugier teilweise, ich machte mich nämlich, schnellstmöglich davon und duckte den Kopf, als ich noch mal am Fensterchen am Empfangsschalter vorbei musste.
Bei einer Triologie wird jede der Folgen immer ein stückweit schlechter (Herr der Ringe bildet hier eine Ausnahme), deswegen hoffen wir mal, dass meine Antikörper zahlreich sind und sich bereitwillig messen lassen, so dass mir ein dritter Besuch in der Dorfarztpraxis vorerst erspart bleibt.
Halb acht schloss ich mein Fahrrad vor der Praxis ab und begab mich zum altbekannten Empfangsschalter. Die Frau aus meinem Heimatdorf war heute mit der Verwaltung der Patienten beschäftigt, wodurch ich gleich mit Vornamen angesprochen und mit dem Hinweis "Geh rein!", ins Wartezimmer verwiesen wurde. Vor mir diesmal drei Menschen, alle eher jüngeren Alters. Ich hatte mir vorsorglich Lesestoff mitgebracht, damit ich mich nicht noch mit irgendeinem Opi ums Provinzwurschtblatt streiten muss, dass den Anspruch erhebt, übers Tagesgeschehen zu informieren.
Ein Patient nach dem anderen ging rein und war ebensoschnell wieder draußen, also war ich kurz nach acht schon dran. Der freundliche Arzt erinnerte sich vage, um was es ging und zeigte mir meine Werte. Ich hatte aber noch ein anderes Anliegen. Ich hatte meinen Impfpass mitgebracht. Ich reichte das Büchlein, schön in knallrotes Leder geschlagen und mit dem Zirkel-und-Hammer-Emblem des Staates, in dem ich geboren wurde, versehen, zum Arzt, der sich erstmal in all den Immunisierungen, Wiegeergebnissen meines ersten Lebensjahres und Kinderkrankheiten zurechtfinden musste. Schließlich diskutierten wir über eine Auffrischung meiens Hepatitis-B-Schutzes. Aus einem unbestimmten Grund, wollte ich irgendwie nicht, aber er überredete mich schließlich mit der Annahme, dass in Rumänien, wo ich das nächste Jahr arbeiten würde, die hygienischen Bedingungen in den Krankenhäusern fraglich sein könnten. Ich zweifelte immernoch, stimmte aber schließlich dem Antikörpertest zu. Bevor ich ging, meinte der Arzt noch: "Rumänien, da gibt es doch auch Vampire?" Er erwartete, dass ich lachte, aber ich bekam nur ein gequältes Lächeln zu stande. Er setzte einen drauf: "Die beißen doch auch, dass ist ja auch gefährlich für die Übertragung [von Hepatitis]! Die putzen sich bestimmt nicht jedesmal die Zähne!"
Er musste sehr über seinen eigenen Witz schmunzeln, ich lächelte tapfer und trat sehr schnell, meinen sozialistischen Impfpass und die Versichertenkarte zusammenraffend, den Rückweg an. Dabei vergaß ich aber den Parcours des Schwesternzimmers, in dem man sich nicht nur aufgrund der Anordnung des Schreibtisches, die ein unauffälliges Durchschlängeln quasi unmöglich macht, etwas länger aufhalten muss, sondern auch, weil man das hier eben so macht. Da muss man noch etwas Tratsch mit den Schwestern austauschen, die wahrscheinlich fast sterben vor Neugier, zu erfahren, warum ich da bin und warum ich überhaupt zurzeit hier zu leben scheine. Ich hoffe, der Arzt befriedigte diese Neugier teilweise, ich machte mich nämlich, schnellstmöglich davon und duckte den Kopf, als ich noch mal am Fensterchen am Empfangsschalter vorbei musste.
Bei einer Triologie wird jede der Folgen immer ein stückweit schlechter (Herr der Ringe bildet hier eine Ausnahme), deswegen hoffen wir mal, dass meine Antikörper zahlreich sind und sich bereitwillig messen lassen, so dass mir ein dritter Besuch in der Dorfarztpraxis vorerst erspart bleibt.
Montag, 1. Juli 2013
Der Landarzt
Heute morgen hatte ich das Vergnügen, zum ersten Mal beim Arzt hier auf dem Dorf vorbeizuschauen. Mein Anliegen: meine Eisenwerte checken lassen. Munter und mit einem breiten Lächeln reichte ich zwanzig vor acht meine Versichertenkarte durch die winzige Öffnung im Glas am Empfang, die stark an osteuropäische Bahnhofsschalter erinnerte - nicht ganz zu Unrecht, wie sich herausstellte. Als ich meinen Wunsch äußerte, mir solle Blut abgenommen werden, wurde ich gleich zurechtgewiesen, dass ich da ja wohl zum Arzt ins Sprechzimmer müsse und ich solle mich doch setzen.
Gesagt getan. Im Wartezimmer, das noch genauso aussieht wie in meiner Kindheit, als eine andere, altersschwache und vermutlich halb-blinde Ärztin in der Praxis residierte, über die diverse Gruselgeschichten kursierten, in diesem Wartezimmer also saßen bereits vier Menschen. Der neue Arzt war schon viele Jahre in der Praxis, ich konnte mich aber nicht erinnern, ob ich jemals bei ihm war - ich glaube nicht. Ich nahm an, dass es recht zügig gehen würde - vier Patienten waren doch schnell abgehandelt? Ein Plakat informierte mich, dass sich die Haus- und Fachärzte um ihre Patienten kümmern und sich Zeit nehmen. Das hätte mir schon zu Denken geben sollen, aber ich habe es noch nicht einmal kapiert, als der kleine Zeiger die neun schon längst überschritten hatte. Nach zwei Stunden war mein Moment gekommen - ich sprintete in das Arztzimmer, vorbei am Parcours des Schwesternzimmers, der immer schon den gleichen kniffligen Aufbau mit dem Schreibtisch als Stopper zwischen Wartezimmertür und Behandlungszimmertür hatte, und nahm beim Arzt Platz. Sagt man eigentlich überall zu den Helferinnen der Ärzte Schwestern? Bei einem meiner Ärzte in Regensburg würde ich wohl das Wort Arzthelferin wählen, aber hier auf dem Dorf sind es eben Schwestern.
Was mir fehlt, natürlich. Aber bevor wir noch so richtig mit der Anamnese starten konnten, fragte der Arzt erstmal, wo ich herkomme. Ich erklärte, aus dem Nachbardorf. Daraufhin er in einer unübertrefflichen Direktheit: "Sie sprechen wie ein Wessi." Immerhin hat er mich trotz meines Sprachfehlers, der darin bestand, mich auf Hochdeutsch auszudrücken, weiterbehandelt. Schließlich wurde ich ins Nebenzimmer geschickt, das gleiche, in dem ich als Kind meine Impfungen bekam, und die Schwester mit dem Namen, der irgendwo zwischen Tupper-Dose und Ikea-Regal liegt, kam hinterher. Und duzte mich. Denn sie arbeitete schon immer in der Praxis und kannte mich ja. Und da ist es einfach mal egal, ob ich jetzt mindestens 11 Jahre älter bin als bei meinem letzten Besuch in der Praxis. Sie schaute sich meine Venen an, machte noch nicht mal einen Versuch dran herumzupieksen und rief den Arzt. Wieder wartete ich ein ganzes Weilchen, bis er endlich kam, meine Armbeugen ebenfalls betastete, und dann endlich am Handgelenk Blut abnahm.
Ich freue mich schon sehr darauf, am Mittwoch die Ergebnisse zu holen, bei Herrm Doktor Ossi und Schwester Ikea-Regal.
Gesagt getan. Im Wartezimmer, das noch genauso aussieht wie in meiner Kindheit, als eine andere, altersschwache und vermutlich halb-blinde Ärztin in der Praxis residierte, über die diverse Gruselgeschichten kursierten, in diesem Wartezimmer also saßen bereits vier Menschen. Der neue Arzt war schon viele Jahre in der Praxis, ich konnte mich aber nicht erinnern, ob ich jemals bei ihm war - ich glaube nicht. Ich nahm an, dass es recht zügig gehen würde - vier Patienten waren doch schnell abgehandelt? Ein Plakat informierte mich, dass sich die Haus- und Fachärzte um ihre Patienten kümmern und sich Zeit nehmen. Das hätte mir schon zu Denken geben sollen, aber ich habe es noch nicht einmal kapiert, als der kleine Zeiger die neun schon längst überschritten hatte. Nach zwei Stunden war mein Moment gekommen - ich sprintete in das Arztzimmer, vorbei am Parcours des Schwesternzimmers, der immer schon den gleichen kniffligen Aufbau mit dem Schreibtisch als Stopper zwischen Wartezimmertür und Behandlungszimmertür hatte, und nahm beim Arzt Platz. Sagt man eigentlich überall zu den Helferinnen der Ärzte Schwestern? Bei einem meiner Ärzte in Regensburg würde ich wohl das Wort Arzthelferin wählen, aber hier auf dem Dorf sind es eben Schwestern.
Was mir fehlt, natürlich. Aber bevor wir noch so richtig mit der Anamnese starten konnten, fragte der Arzt erstmal, wo ich herkomme. Ich erklärte, aus dem Nachbardorf. Daraufhin er in einer unübertrefflichen Direktheit: "Sie sprechen wie ein Wessi." Immerhin hat er mich trotz meines Sprachfehlers, der darin bestand, mich auf Hochdeutsch auszudrücken, weiterbehandelt. Schließlich wurde ich ins Nebenzimmer geschickt, das gleiche, in dem ich als Kind meine Impfungen bekam, und die Schwester mit dem Namen, der irgendwo zwischen Tupper-Dose und Ikea-Regal liegt, kam hinterher. Und duzte mich. Denn sie arbeitete schon immer in der Praxis und kannte mich ja. Und da ist es einfach mal egal, ob ich jetzt mindestens 11 Jahre älter bin als bei meinem letzten Besuch in der Praxis. Sie schaute sich meine Venen an, machte noch nicht mal einen Versuch dran herumzupieksen und rief den Arzt. Wieder wartete ich ein ganzes Weilchen, bis er endlich kam, meine Armbeugen ebenfalls betastete, und dann endlich am Handgelenk Blut abnahm.
Ich freue mich schon sehr darauf, am Mittwoch die Ergebnisse zu holen, bei Herrm Doktor Ossi und Schwester Ikea-Regal.
Montag, 24. Juni 2013
Das globale Müllproblem vor meiner Haustür
Ich bin ja ein ganz schöner Öko. Ich trenne fein säuberlich meinen Müll, werfe alle biologisch abbaubaren Abfälle auf den Kompost, bringe brav meine Elektrogeräte zum Wertstoffhof und versuche eigentlich, lieber wiederzuverwenden als wegzuwerfen. Seit gestern ist kein Platz mehr in meiner Garage, weil diese wirklich bis auf den letzten Kubikmeter mit Müll gefüllt ist. Schrott, Spermüll, Lumpen - sogar alte geteerte Dachpappe und 10 volle Packungen Spee findet sich in der aufgeschichteten Masse. Fünf ganz wunderbare Menschen haben einen Abstellraum, zwei Schränke und zwei Schuppen entrümpelt, während ich hin und her sprang und versuchte, sie daran zu hindern, komplett alles wegzuwerfen und mal hier und da mit anpackte.
Ich bin immer noch irgendwie - ich weiß, das klingt kitschig - ergriffen von soviel Hilfsbereitschaft und Aktionismus. Ich kann Euch nicht genug danken. Übrigens geht an jeden Helfer (bzw. Helferhaushalt) noch eins von denen:
Ich lese gerade soviel über Nachhaltigkeit, Müllvermeidung, Ökologie, dass es mich schmerzt, jetzt einen Container bestellen zu müssen und alles wegzuwerfen. Vielleicht finde ich noch Abnehmer für einzelne Dinge, wie den Gasherd, den Gasgrill oder die Uraltradios. Und dann habe ich ja auch hier getrennt, so dass die alten Elektrogerät wieder zerlegt werden können und Metall, Glas und Plastik recycled.
Aber dennoch ist es ein gutes Gefühl, wieder treten zu können und Platz zu haben, um den Grill, die Fahrradtaschen oder andere Dinge, die man nicht täglich braucht, lagern zu können. Außerdem ist es ein Anfang und ich gehe nun viel motivierter an die anderen Aufgaben. Und um meine Umweltbilanz etwas aufzubessern, stelle ich gleich mal eine neue Linksammlung zusammen, die sich um das Thema Recycling dreht.
Ich bin immer noch irgendwie - ich weiß, das klingt kitschig - ergriffen von soviel Hilfsbereitschaft und Aktionismus. Ich kann Euch nicht genug danken. Übrigens geht an jeden Helfer (bzw. Helferhaushalt) noch eins von denen:
Ich lese gerade soviel über Nachhaltigkeit, Müllvermeidung, Ökologie, dass es mich schmerzt, jetzt einen Container bestellen zu müssen und alles wegzuwerfen. Vielleicht finde ich noch Abnehmer für einzelne Dinge, wie den Gasherd, den Gasgrill oder die Uraltradios. Und dann habe ich ja auch hier getrennt, so dass die alten Elektrogerät wieder zerlegt werden können und Metall, Glas und Plastik recycled.
Aber dennoch ist es ein gutes Gefühl, wieder treten zu können und Platz zu haben, um den Grill, die Fahrradtaschen oder andere Dinge, die man nicht täglich braucht, lagern zu können. Außerdem ist es ein Anfang und ich gehe nun viel motivierter an die anderen Aufgaben. Und um meine Umweltbilanz etwas aufzubessern, stelle ich gleich mal eine neue Linksammlung zusammen, die sich um das Thema Recycling dreht.
Mittwoch, 12. Juni 2013
Mühsam wurschtelt sich das Eichhörnchen durch...
Ich hatte mich ja gefragt, wie ich zu ein wenig Bewegung kommen kann, hier, wo ich als Joggerin angeschaut werde, als sollte ich vielleicht mal checken lassen, ob bei mir im Kopf alles in Ordnung ist. Inzwischen hätte ich immer noch gern ein bisschen mehr Bewegung, aber so dramatisch sehe ich das Ganze nicht mehr.
Zunächst ist mein Trampolin endlich aufgebaut und wenn ich Lust habe, kann ich einfach ein paar Minuten hüpfen. Das bringt den Kreislauf ganz schön in Schwung. Dann hat es sich eingependelt, dass ich versuche, so wenig wie möglich das Auto zu nehmen und viel mit dem Rad unterwegs bin. Ich tracke die längeren Wege mit meinem GPS-Handy. Im April und Mai war ich so etwa 100km unterwegs (dabei messe ich aber nicht jeden kleinen Abschnitt, also war es real ein bisschen mehr), im Juni sind es nun schon 62km und der Monat ist noch nicht mal zur Hälfte rum. Ich würde gern auf mindestens 150km kommen und mich kontinuierlich steigern. Ich habe mir aus der Bibliothek zwei Bücher mit Radtouren in der Umgebung geholt und werde da wohl mal so das eine oder andere abfahren.
Zudem brauche ich kein Fitnessstudio und keine teure Sportausrüstung, wenn ich einen Rasenmäher und eine Heckenschere, zugegeben immerhin elektrisch, aber dafür sauschwer, rumstehen habe. Gestern habe ich erstmal eine Stunde Rasen gemäht, heute habe ich nach nur wenigen Minuten das Heckeschneiden aufgegeben, weil mir fast der Arm abfiel. Ich habe aber so drei oder vier Metern Hecke einen punkigen neuen Schnitt verpasst - nicht besonders schön und ebenmäßig, aber ausreichend.
Allein wohnen bedeutet auch, dass ich alles, was ich mir anschaffe, auch allein durch die Gegend wuchten muss. Das Trampolin glücklicherweise nicht, das waren zwei Pakete mit über zwanzig Kilo. Aber gestern habe ich erstmal meine alten Sprungfederroste durch Lattenroste ausgetauscht und kam schon leicht ins Keuchen, als ich zweimal einige sperrige Kilo treppauf und treppab schleppen musste. Nächste Woche müsste dann die Matratze kommen, das wird auch noch mal ein Spaß. Ich habe erstmal eine zum Probeliegen bestellt, die dann bei Nichtgefallen ins Gästebett wandert und bei Gefallen für die leere Betthälfte neben mir nachbestellt wird.
Es gibt also viel zu tun, so viel, dass mich manchmal ein wenig das Gefühl überkommt, dass ich das nie schaffen werde. Aber was kann ich tun - Schritt für Schritt wird es schon irgendwie werden. Und die ersten Erbeeren röten sich merklich zwischen all dem Unkraut drum herum - das entschädigt dann doch ein bisschen für die ganze Arbeit, die mit einem eigenen Garten verbunden ist.
Zunächst ist mein Trampolin endlich aufgebaut und wenn ich Lust habe, kann ich einfach ein paar Minuten hüpfen. Das bringt den Kreislauf ganz schön in Schwung. Dann hat es sich eingependelt, dass ich versuche, so wenig wie möglich das Auto zu nehmen und viel mit dem Rad unterwegs bin. Ich tracke die längeren Wege mit meinem GPS-Handy. Im April und Mai war ich so etwa 100km unterwegs (dabei messe ich aber nicht jeden kleinen Abschnitt, also war es real ein bisschen mehr), im Juni sind es nun schon 62km und der Monat ist noch nicht mal zur Hälfte rum. Ich würde gern auf mindestens 150km kommen und mich kontinuierlich steigern. Ich habe mir aus der Bibliothek zwei Bücher mit Radtouren in der Umgebung geholt und werde da wohl mal so das eine oder andere abfahren.
Zudem brauche ich kein Fitnessstudio und keine teure Sportausrüstung, wenn ich einen Rasenmäher und eine Heckenschere, zugegeben immerhin elektrisch, aber dafür sauschwer, rumstehen habe. Gestern habe ich erstmal eine Stunde Rasen gemäht, heute habe ich nach nur wenigen Minuten das Heckeschneiden aufgegeben, weil mir fast der Arm abfiel. Ich habe aber so drei oder vier Metern Hecke einen punkigen neuen Schnitt verpasst - nicht besonders schön und ebenmäßig, aber ausreichend.
Allein wohnen bedeutet auch, dass ich alles, was ich mir anschaffe, auch allein durch die Gegend wuchten muss. Das Trampolin glücklicherweise nicht, das waren zwei Pakete mit über zwanzig Kilo. Aber gestern habe ich erstmal meine alten Sprungfederroste durch Lattenroste ausgetauscht und kam schon leicht ins Keuchen, als ich zweimal einige sperrige Kilo treppauf und treppab schleppen musste. Nächste Woche müsste dann die Matratze kommen, das wird auch noch mal ein Spaß. Ich habe erstmal eine zum Probeliegen bestellt, die dann bei Nichtgefallen ins Gästebett wandert und bei Gefallen für die leere Betthälfte neben mir nachbestellt wird.
Es gibt also viel zu tun, so viel, dass mich manchmal ein wenig das Gefühl überkommt, dass ich das nie schaffen werde. Aber was kann ich tun - Schritt für Schritt wird es schon irgendwie werden. Und die ersten Erbeeren röten sich merklich zwischen all dem Unkraut drum herum - das entschädigt dann doch ein bisschen für die ganze Arbeit, die mit einem eigenen Garten verbunden ist.
Mittwoch, 29. Mai 2013
Ser's Bayern...
[Ser's: bayr., Kurzform von Servus, Floskel zur Begrüßung und Verabschiedung, genutzt vor allem in Süddeutschland]
Das war es dann jetzt erst einmal mit Regensburg. Es fühlt sich an, wie ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben. Ich kann jetzt Bayrisch zumindest passiv, ich weiß, was ein Helles ist und dass man Obatzten bestellt und nicht Obatzter, ich kenne die Autobahnschilder von Regensburg bis Hof auswendig - ich habe ganz schön was gelernt in den letzten drei Jahren.
Im Ernst: Ich habe was gelernt. Einen Universitätsabschluss drauf gesetzt, eine Beziehung beendet, die mir nicht gut tat, allein gelebt, gestrauchelt, gekämpft und es geschafft. Wunderbare Freundschaften geschlossen und großartige Menschen kennengelernt. Geschichte lieben gelernt und angefangen, wissenschaftlich zu arbeiten. Auch mal Mist gebaut, auch mal hinter meinen Möglichkeiten zurück geblieben, aber vor allem eines: Gelebt.
Ich bin immer gern gereist und war immer neugierig. Aber ich habe mich dennoch ganz schön verändert in den letzten drei Jahren und bin nun noch neugieriger, reiselustiger, offener und mutiger. Vor allem furchtloser, was die Zukunft angeht. Irgendwie wird sich alles finden. Und überall auf dem Weg trifft man Menschen, die es wert sind, die Zeit mit ihnen zu teilen. Aber die guten Freunde, das hat sich auch gezeigt, sind eine wichtige Konstante im Leben und machen es so richtig lebenswert.
Nun ist es Zeit zu gehen, Zeit für was Neues. Was das sein wird, wird sich zeigen, aber im Moment ist es gut und richtig, die Zelte abzubrechen. Die Regensburgerinnen, die mir so ans Herz gewachsen sind, werde ich weiter sehen, ob nun in meinem Garten, im Zoo in München oder im Biergarten in Regensburg.
Der Sommer bringt Reisen und ein paar Aufgaben. Vielleicht den vorerst letzten Serbisch-Sprachkurs in Belgrad und vielleicht eine Ahnung, wo es hingehen soll. Die Pläne sind vorerst vage, aber wenn nichts dazwischen kommt, werde ich wohl ein bisschen hier verweilen. Mut zum Leerlauf zeigen. Orientierung gewinnen.
In diesem Sinne: Pfüat di, Re'nsburg, grüß di, Sachsen. Mal schauen, wie stark sich der sächsische Dialekt erneut meiner Aussprache bemächtigt in nächster Zeit. Düschdsch, nehm ich an.
Das war es dann jetzt erst einmal mit Regensburg. Es fühlt sich an, wie ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben. Ich kann jetzt Bayrisch zumindest passiv, ich weiß, was ein Helles ist und dass man Obatzten bestellt und nicht Obatzter, ich kenne die Autobahnschilder von Regensburg bis Hof auswendig - ich habe ganz schön was gelernt in den letzten drei Jahren.
Im Ernst: Ich habe was gelernt. Einen Universitätsabschluss drauf gesetzt, eine Beziehung beendet, die mir nicht gut tat, allein gelebt, gestrauchelt, gekämpft und es geschafft. Wunderbare Freundschaften geschlossen und großartige Menschen kennengelernt. Geschichte lieben gelernt und angefangen, wissenschaftlich zu arbeiten. Auch mal Mist gebaut, auch mal hinter meinen Möglichkeiten zurück geblieben, aber vor allem eines: Gelebt.
Ich bin immer gern gereist und war immer neugierig. Aber ich habe mich dennoch ganz schön verändert in den letzten drei Jahren und bin nun noch neugieriger, reiselustiger, offener und mutiger. Vor allem furchtloser, was die Zukunft angeht. Irgendwie wird sich alles finden. Und überall auf dem Weg trifft man Menschen, die es wert sind, die Zeit mit ihnen zu teilen. Aber die guten Freunde, das hat sich auch gezeigt, sind eine wichtige Konstante im Leben und machen es so richtig lebenswert.
Nun ist es Zeit zu gehen, Zeit für was Neues. Was das sein wird, wird sich zeigen, aber im Moment ist es gut und richtig, die Zelte abzubrechen. Die Regensburgerinnen, die mir so ans Herz gewachsen sind, werde ich weiter sehen, ob nun in meinem Garten, im Zoo in München oder im Biergarten in Regensburg.
Der Sommer bringt Reisen und ein paar Aufgaben. Vielleicht den vorerst letzten Serbisch-Sprachkurs in Belgrad und vielleicht eine Ahnung, wo es hingehen soll. Die Pläne sind vorerst vage, aber wenn nichts dazwischen kommt, werde ich wohl ein bisschen hier verweilen. Mut zum Leerlauf zeigen. Orientierung gewinnen.
In diesem Sinne: Pfüat di, Re'nsburg, grüß di, Sachsen. Mal schauen, wie stark sich der sächsische Dialekt erneut meiner Aussprache bemächtigt in nächster Zeit. Düschdsch, nehm ich an.
Freitag, 10. Mai 2013
Die erste Party in unserem Garten
Den pöbelnden Massen, die mit ihren Drahteseln grölend auf den Landstraßen und in den Dörfern unterwegs waren und bereits am frühen vormittag einen Heidenlärm veranstalteten, wollten wir mit einer kleinen Grillparty unter Freunden etwas entgegensetzen. Wie immer, wenn wir uns treffen, sollte es viel zu viel zu essen geben und wir würden zum ersten Mal im Garten am Haus sitzen, wo ich jetzt wohne. Ich hatte bunte Wimpel und eine farbige Partybeleuchtung gefunden, Tische und Balkonstühle waren auch da. Alles, was wir noch brauchten, war gutes Wetter.
Ja das ist der Moment.
Genau hier und jetzt sofort.
Wir verschwenden keine Zeit, wir halten unser Wort.
Ja heute ist der Tag, der noch lange hängen bleibt.
In den Köpfen und den Herzen, im Spiegel dieser Zeit.
Genau hier und jetzt sofort.
Wir verschwenden keine Zeit, wir halten unser Wort.
Ja heute ist der Tag, der noch lange hängen bleibt.
In den Köpfen und den Herzen, im Spiegel dieser Zeit.
Freitag, 26. April 2013
So sollte das Leben sein
So habe ich mir das Ganze hier
vorgestellt:
Perfekt. Leider gehört nur auch dazu,
dass ich morgens erst einmal eine Stunde lang den Garten umgegraben
habe – und dabei vielleicht so 6 oder 8 Quadratmeter geschafft
habe. Dass der Rasen gemäht werden muss und das Unkraut vor der
Einfahrt entfernt, das Laub vom letzten Jahr vorm Schuppen endlich
mal zusammengekehrt werden sollte und der restliche Teil des
Dschungels von Unkraut befreit. Am Morgen, als mir nach einer Stunde
Spatenstichen der Schweiß von der Stirn tropfte, dachte ich kurz
daran, mir einzugestehen, dass ich es nicht allein schaffe. Ist es
Glück oder Pech, dass man solch anstrengende Momente schnell
wieder vergisst?
Mittwoch, 10. April 2013
Markttag in der Kleinstadt - Frag nicht nach Sonnenschein...
Um eines der Probleme (Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln) in Angriff zu nehmen, bin ich heute "in die Stadt" geradelt - in Anführungszeichen deshalb, weil das Kaff etwas über 10.000 Einwohner hat. Dort habe ich dann auf dem Wochenmarkt den Honigstand gesucht und gefunden, also immerhin schon mal was. Ich versuchte an der Dame vor mir vorbei einen Blick auf die Angebote auf dem Klapptisch zu erhaschen und als sich die Dame mit ihrem "Hackenporsche" (O-Ton besagter Dame), dann rumdrehte, erkannte ich eine entfernte Verwandte. Das Verhältnis ist etwas schwierig, aber wie gehen recht nett miteinander um und so sagte ich hallo und fragte sie, wie es ihr ging. "Nüja, es schleicht so." Aha. Sie gab mir in unserem vielleicht vierminütigen Gespräch zu verstehen, dass alles gerade beschissen sei, aber was will man machen? Ich bohrte nicht weiter nach, obwohl es mich interessierte und ich auch wirklich Anteil nahm, aber ihr standen schon die Tränen fast in den Augen und ich fand es unpassend, sie mitten auf dem Kleinstadt-Marktplatz zum Heulen zu bringen. Auf ihre Frage, wie es bei mir stünde, antwortete ich mit einem breiten Lächeln und so etwas wie "Naja, eigentlich alles soweit in Ordnung." Irgendwas hält einen davon ab, Leuten, denen es schlecht geht, zu sagen, dass es einem ausgzeichnet geht. Mitgefühl oder so. Trotz meines strahlenden Gesichts legte sie fest, dass es auch bei mir nur so schleicht im Moment, das ist wohl ein dehnbarer Begriff. Es schleicht tatsächlich gerade, geschwindigkeitsmäßig zumindest, und ich hatte vielleicht auch schon mal irgendwann in einer goldenen Zeit weniger Sorgen - aber eigentlich geht es mir blendend. Vielleicht bin ich dem Leben ein Stück weit auf die Schliche gekommen, so dass sich meine Probleme davongeschlichen haben, klammheimlich?
Sie kaufte noch ein paar ungarische Spezialitäten, zumindest ging sie zu dem Fleischerwagen, auf dem dies stand, ich holte mir vom Bauernhofstand ein paar Äpfel und schlich mich zurück zu meinem Fahrrad. Als ich es gerade abschloss hörte ich ein Gespräch zwischen einer Frau älteren Jahrgangs und einer im mittleren Alter.
| Bildquelle: http://www.wurzen.de/typo3temp/pics/593164b1bc.jpg |
Sie kaufte noch ein paar ungarische Spezialitäten, zumindest ging sie zu dem Fleischerwagen, auf dem dies stand, ich holte mir vom Bauernhofstand ein paar Äpfel und schlich mich zurück zu meinem Fahrrad. Als ich es gerade abschloss hörte ich ein Gespräch zwischen einer Frau älteren Jahrgangs und einer im mittleren Alter.
Die Jüngere: "Ach, hallo, sieht man Sie auch mal wieder!? Wie geht's?"Da habe ich dann kapiert, dass es wohl in dieser piefigen Kleinstadt zum guten Ton gehört, dass es einem schlecht geht. Man findet sicher was zu klagen. Und wenn man höflich ist und freundlich, bestätigt man sich gegenseitig, wie furchtbar alles ist.
Die Ältere antwortet irgendwas.
Die Jüngere: "Aha, also auch nicht so gut."
Montag, 8. April 2013
Landleben - Beginn eines Selbstversuchs
Back to the roots - seit ungefähr zehn Tagen bin ich nun hier in meinem Haus, auf dem Dorf irgendwo in der sächsischen Prärie. Ich habe mir romantisch-verklärte Vorstellungen gemacht, wie es werden könnte, aber schon der Anfang ist nicht ganz einfach. Was fehlt?
Ich hatte übersichtliche 1,5 Zimmer, die vielleicht auch nicht immer ordentlich waren, aber schnell aufzuräumen. Der Weg zum Supermarkt, der Weg zur Uni, alles einfach und vertraut. Und abends mit Freunden treffen bedeutete, sich aufs Rad schwingen und in zehn, vielleicht zwanzig Minuten da sein. So einfach ist es jetzt nicht mehr. Zwanzig Minuten bräuchte ich mit dem Rad zum Bahnhof. Zudem überfordern mich die große Zahl an Zimmer und die große Zahl an Kisten, mit Sachen, die ich sortieren müsste.
Ich muss erst herausfinden, wo es gute Lebensmittel gibt, wo ich Sojagurt bekomme oder Honig vom hiesigen Imker, ebenso Äpfel von der lokalen Obstwiese, ungespritzt und von einem alten Bauernehepaar verkauft. Ich hatte einen Natursupermarkt auf dem Uninachhauseweg, einen Drogeriemarkt mit ausgezeichnetem Biosortiment keine zehn Radminuten entfertn... Hier muss ich mich daran gewöhnen, planvoll einzukaufen, weil nichts in der unmittelbaren Nähe ist. Auch kein Bäcker vor der Haustür, wo es frische Brezen gibt. Ob es die hier überhaupt gibt?
Ich hätte nie nie nie gedacht, dass ich das jemals sage, aber ich vermisse sportliche Betätigung. Es war so schön, aus der Haustür zu treten, fünfzig Meter zu laufen und die beste Joggingstrecke, die ich mir vorstellen konnte, vor der Nase zu haben. Auch für Inlineskates geeignet, im Übrigen. Hier muss ich mir nun neue Beschäftigungen suchen. Irgendwie erscheint mir Fitnesscenter wenig verlockend - zumal ich hier auf dem Land bin, hier sollte das doch noch weniger notwendig sein als in der Stadt? Aber direkt vor der Haustür kann ich eben nicht losjoggen, ich würde mir zu komisch vorkommen in meiner unattraktiven Laufhose durch die Siedlung zu rennen. Heute habe ich erstmal eine vierzig Kilometer Radtour gemacht und es tat gut. Vielleicht schaue ich mir das Fitnesscenter mal an, da wäre ja immerhin dann auch eine Sauna dabei, oder ich mach einfach häufiger einen Rad- oder Skateausflug. Die Schwimmhalle in der Kleinstadt sollte ich auch mal auschecken. Irgendwie ist es mir nur zu paradox, mit dem Auto zum Sport zu fahren. Das möchte ich nicht. Das Auto will ich eh so weit wie möglich vermeiden, dann sollte ich durchs Radfahren auch fit bleiben.
Ordnung und Einfachheit
Der Biosupermarkt um die Ecke
Sport
Ich hätte nie nie nie gedacht, dass ich das jemals sage, aber ich vermisse sportliche Betätigung. Es war so schön, aus der Haustür zu treten, fünfzig Meter zu laufen und die beste Joggingstrecke, die ich mir vorstellen konnte, vor der Nase zu haben. Auch für Inlineskates geeignet, im Übrigen. Hier muss ich mir nun neue Beschäftigungen suchen. Irgendwie erscheint mir Fitnesscenter wenig verlockend - zumal ich hier auf dem Land bin, hier sollte das doch noch weniger notwendig sein als in der Stadt? Aber direkt vor der Haustür kann ich eben nicht losjoggen, ich würde mir zu komisch vorkommen in meiner unattraktiven Laufhose durch die Siedlung zu rennen. Heute habe ich erstmal eine vierzig Kilometer Radtour gemacht und es tat gut. Vielleicht schaue ich mir das Fitnesscenter mal an, da wäre ja immerhin dann auch eine Sauna dabei, oder ich mach einfach häufiger einen Rad- oder Skateausflug. Die Schwimmhalle in der Kleinstadt sollte ich auch mal auschecken. Irgendwie ist es mir nur zu paradox, mit dem Auto zum Sport zu fahren. Das möchte ich nicht. Das Auto will ich eh so weit wie möglich vermeiden, dann sollte ich durchs Radfahren auch fit bleiben.
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