Irgendwie doch sehr schön, nicht? Ich sollte mich mit den Tierchen dennoch nicht anfreunden, denn eigentlich sollte ich hier Spinnweben bekämpfen und nicht anfangen, schöne dicke Monsterspinnen zu züchten. Wobei die mir vielleicht wieder gegen die Marder behilflich sein könnten. So eine Kankra im Mini-Format auf den Dachboden und Ruhe is'...
Freitag, 17. August 2012
Samstag, 11. August 2012
Istanbul – Zwischen den Welten
Mit einem Nachtbus der türkischen
Busgesellschaft Metrolines brach ich von Varna nach Istanbul auf. Ich
saß neben einer jungen Tartarin, die in Istanbul studierte, aber aus
Bulgarien kam, und die mir noch sehr viel weiter helfen sollte. Der
Bus war hypermodern, in jedem Sitz war ein kleiner Fernseher
eingelassen, den man benutzen konnte, wenn man türkisch verstand. Es
gab Wasser und Tee, allerdings wurde ich ziemlich schnell von der
etwas giftigen Stewardess ignoriert, vielleicht, weil es sie nervte,
dass ich weder bulgarisch noch türkisch verstand. Vielleicht, weil
Touristen sie nervten. Ich schlief sehr wenig. In Bussen schlafe ich
generell schlecht und dann kam ja auch noch mitten in der Nacht, ich
denke so gegen zwei Uhr, kann mich aber nicht mehr recht erinnern,
die Grenze. Das hieß: raus aus dem Bus, warten, Ewigkeiten an der
Passkontrolle anstehen, wo es keine Toilette gab, wieder zum Bus,
warten, Gepäck holen, warten, mit dem Gepäck durch den Zoll,
warten, rein in den Bus. Die Grenzkontrolle war relativ schnell
erledigt – Stempel in den Pass und fertig. Die Zollkontrolle war
aufwändiger. Wie am Flughafen gab es ein kleines Gepäckband und so
ein Gerät, wo das Gepäck durchleuchtet wird. Ich legte auf das Band
– einen riesigen Trekkingrucksack, eine grüne Tasche, die mein
Handgepäck war, einen Schlafsack. Heraus kamen der rote
Trekkingrucksack und die grüne Tasche. Ich wartete. Zwei Personen
gingen vorbei, nahmen ihr Gepäck auf, aber der Schlafsack blieb
verschollen. Ich war müde, ich war genervt, ich dachte darüber
nach, den verdammten Schlafsack zurück zu lassen. Aber ich wollte ja
noch weiter couchsurfen und ich dachte doch, dass ich ihn vielleicht
noch brauchen würde und so ging ich zur Stewardess. Eine schlechte
Idee. Mit Handbewegungen bedeutete sie mir, endlich einzusteigen und
schimpfte ein bisschen auf mich ein, in einer Sprache, die ich nicht
verstand. Ich gab nicht auf. Ging zum Bus, zu meiner süßen
Sitznachbarin, die sehr gut Englisch konnte und erklärte ihr mein
Problem. Wir gingen zurück zum Zoll und erklärten es dem
Zollbeamten. Der guckte auf seinen Bildschirm – nichts zu sehen.
Die Stewardess hatte einen triumphierenden Blick und wollte bereits
wieder mit herumscheuchen anfangen, da kletterte der Zollbeamte aufs
Gepäckband und schaute in die Maschine. Als er diese schwarzen
Plastikvorhänge hob, sah ich meinen Schlafsack schon, die ungeduldig
werdende Stewardess aber nicht. Ich war froh, dass ich selber noch
Wasser dabei hatte, von ihr würde ich wohl auf der restlichen Fahrt
nichts mehr bekommen. Nach einer Weile und einigen Herumzerren, denn
der Schlafsack hatte sich wohl im Inneren des Gepäckröntgengeräts
verfangen, kam der Zollbeamte mit meinem Schlafsack. Nun aber husch
in den Bus. Sonst würde die Stewardess dem Busfahrer anweisen, uns
am Fahrbahnrand auszusetzen.
Der Rest der Reise war ruhig, wenn ich
auch nicht mehr wirklich schlief. Als die ersten Vorstädte von
Istanbul auftauchten war ich wach und neugierig. Wieder in dieser
Riesenstadt zu sein, die so fern von allem liegt, was man sich
vorstellen kann. Ich war bereits zwei Mal da und wieder würde es ein
vollkommen anderes Erlebnis sein. Das Istanbul zwar mein eigentliches
Ziel der Reise, der Grund meines Wegs entlang der Schwarzmeerküste
und meines Rückwegs über Belgrad war, aber dennoch eben nur ein
Zwischenziel zwischen Varna und Belgrad, passte dazu ganz gut.
Istanbul liegt dazwischen, zwischen den Welten, wenn mir die
Benutzung dieses Klischees erlaubt sein möge. Natürlich, die alte
Geschichte – der Balkan, wo Orient und Okzident aufeinanderprallen
und gewissermaßen Istanbul als Hauptstadt des Balkans. Ehemaliges
Zentrum der Orthodoxie, heute muslimisch, aber auch säkular. Eine
europäische moderne Gesellschaft, Säkularität und Konsum treffen
auf eine traditionelle islamische Gesellschaft mit traditionellen
Werten, Gelassenheit und Gastfreundschaft. Der Bospurus ist keine
Trennlinie, sondern ein Übergang und mit seinem Wasser schwappt ein
Hauch Ost nach West und umgekehrt. Die Stadt ist riesig, die
Stadtteile an sich schon so groß wie einzelne Städte, so
verschieden wie einzelne Städte, so bunt wie die Welt. Natürlich,
die Mengen an Touristen die durch die Straßen fluten, aber dann
läuft man wieder durch das Wohnviertel in Besiktas oder sitzt im
Frühstückscafé und sieht keine Backpacker, keine Kulturtouristen
und niemanden auf Cityhopping oder Shoppingtrip. Man kan verloren
gehen in dem Straßengewirr, man kann verloren gehen, in den Gassen
um den großen Basar, man kann verloren gehen, beim Herumlaufen auf
der asiatischen Seite, man kann sich vergessen, beim Blick auf das
Wasser. Und man kann sich finden. Kann sich sicher sein, dass man da
ist, wo man hin wollte. Das alles gerade richtig ist. Das Istanbul
der Ort ist, der gerade das Lebensgefühl am Besten ausdrückt. Diese
Stadt, die das rosarot-romantische Ziel aller hippiesken Hitchhiker
ist, aller lässiger, verträumter Rucksacktouristen verspricht viel
und hält das meiste. Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich
hinkomme. Auch ich hatte eine Istanbulidee im Kopf und ja – sie
wurde hundertprozentig erfüllt.
Meine Sitznachbarin hatte mich noch auf
ihrer Fahrkarte ein paar Stationen ins Stadtzentrum mitgenommen und
dann fuhr ich noch einmal ein paar Stationen mit einem anderen
wunderbaren Istanbuler mit. Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich
vollkommen uneigennützig Hilfe von wildfremden Menschen erhalte. Und
dann klingelte mein Telefon. Das Fräulein rief an. Sie wollte sich
in einer Stunde in Taksim mit mir treffen. Ich wusste ungefähr, wo
ich hin musste. Gerade war ich in der Nähe vom Bahnhof, und ganz da
in der Nähe war eine Fährstation. Ich musste nur einen Ort finden,
um Geld zu tauschen und mir eine Fahrkarte zu kaufen und ich wäre
schwuppdiwupp in Taksim. Doch im Bahnhof gab es kein Tauschbüro.
Weit und breit war keines zu sehen. Ich setzte mich kurz, blickte
aufs Wasser und überlegte. Vielleicht war es das morgendliche
Glitzern des Bosporuswassers, vielleicht war es der Übermut, am Ziel
der Träume zu sein, ich beschloss jedenfalls, zu laufen. Ich hatte
keine Karte und so lief ich vermutlich einen riesigen Umweg, aber
irgendwann war ich in Taksim und irgendwann fragte ich dann auch noch
jemanden, wo der Burger King war, wo ich mich mit dem Fräulein
treffen wollte. Ich war etwa eine Stunde gelaufen. Ich war
tatsächlich schweißgebadet, nicht nur metaphorisch. Ich war
erschöpft und doch immer noch glücklich, und da, da stand sie.
Jetzt war ich überglücklich. Dass das geklappt hatte, dass sie
tatsächlich vor mir stand, dass wir uns in Cluj getrennt und in
Istanbul wiedergefunden hatten, wobei für mich an einem Punkt in
Varna die Reise fast vorbei gewesen war, all das grenzte an ein
Wunder.
Mein Geldproblem war damit auch gelöst
und ich war gespannt auf alles, was da kommen mochte.
Wir gingen auf den großen Basar, ich
jagte vergebens nach den Flatterhosen, die ich das letzte Mal in
Istanbul erstanden hatte, jetzt waren eben „Haremshosen“ in.
Dafür fand ich die feinen gehämmerten Messingohrhänger wieder und
kaufte für meine Freundinnen gleich ein halbes Dutzend. Wir kauften
noch kleine Keramikschälchen, das war es dann aber auch. Ich machte
am letzten Tag vor meiner Abreise noch ein paar Einkäufe, zum
Beispiel diese winzigen Täschchen im Teppichlook, die gut für
Kleingeld und Perso beim Tanzengehen sind, und ein paar billige
Turnschuhe, die vermutlich kein Original der Marke sind, die drauf
steht.
Sonntag, 5. August 2012
Varna - Glück im Unglück
Ich nahm von Vama Veche also den Minibus nach Varna. Ich war die einzige, die in Vama Veche zustieg, aber es waren noch ein paar rumänische Touristen mit an Board, die allerdings bei den übichen Touristendestinationen entlang der Schwarzmeerküste abgesetzt werden wollten. Ich hatte keine Ahnung, wo ich hinwollte, eben nach Varna, am Besten erstmal an den Busbahnhof, dann konnte ich gleich schauen, wie ich weiter kommen würde. Der Fahrer hatte auch keine Ahnung, wo es lang ging und verfuhr sich erstmal in einem Industriegebiet. Als die Straßen schmaler und ausgestorbener wurden, bekam ich es ziemlich mit der Angst zu tun. Ich war die einzige, die im Bus verblieben war und hatte keine Ahnung, wo er mich hinbringen wollte. Schließlich fand er aber den Busbahnhof. Ich stieg aus und irrte ein bisschen umher, suchte nach einem Geldautomaten und einer Touristeninfo. Eine Zimmervermittlung gab es sogar, allerdings war niemand zu sehen weit und breit und so beschloss ich schließlich, in die Stadt zu fahren. Ich wartete auf den Bus, von dem ich dachte, er könnte ins Zentrum fahren. Nach ein paar Halten wurde es ziemlich voll und es entstand ein Gedränge. Als ich ausstieg, war mein Portemonnaie weg. Darin waren meine Bankkarten (Visa und EC), mein Personalausweis, mein Studentenausweis, meine Versichertenkarte und eben mein Geld gewesen, glücklicherweise nur ca. 30 Euro. Ich bekam etwas Panik und rief sofort bei den Sperrhotlines an, dann überlegte ich, wie es weitergehen sollte. Ich hatte 45 Euro in einer anderen Tasche, dazu noch meinen Reisepass. Istanbul stand also eigentlich nichts im Weg - nur wusste ich, dass das Fräulein erst in drei Tagen dort sein würde. Ich hatte also drei Tage zu überbrücken und musste noch irgendwie nach Istanbul kommen, und das Ganze eben mit 45 Euro. Ich steuerte als erstes die Touristeninfo an, vielleicht konnte man mir da eine extrem günstige Unterkunft vermitteln und mir verraten, wie ich am Besten nach Istanbul kommen würde. Einen Zwischenstopp in Burgas hielt ich aufgrund meiner finanziellen Lage inzwischen für unmöglich, aber der Rest würde schon irgendwie funktionieren, hoffte ich. Zur allergrößten Not musste ich eben auf die deutsche Botschaft in Sofia fahren, die sind ja für solche Notfälle da. Am Strand schlafen, das ging mir noch durch den Kopf, ich verwarf es aber recht schnell wieder - allein mit ziemlich viel Gepäck und als Frau keine so gute Idee.
In der Touristeninfo wurde mir mitgeteilt, dass Übernachtungen ab 15 Euro begannen und der Bus nach Istanbul 30 Euro kosten würde. Ich hatte also für zwei Übernachtungen und zwei Tage Essen nur noch 15 Euro zur Verfügung, wenn ich den Bus über Nacht nehmen würde. Ich musste schauen, ob vielleicht der Couchsurfer, mit dem ich schon vor ein paar Tagen in Kontakt gewesen war, der aber meine letzte Nachricht nicht beantwortet hatte, vielleicht doch inzwischen geschrieben hatte. Und tatsächlich, da war eine Nachricht. Ich konnte bei ihm schlafen und er hatte seine Handynummer dazu geschrieben. Eigentlich war ich einen Tag zu früh dran, das heißt, eigentlich wollte ich eine Nacht später erst bei ihm übernachten. Hätte ich Geld gehabt, hätte ich das auch getan, aber so rief ich ihn sofort an und erzählte ihm, dass ich ein kleines Problem hatte. Er war sehr unkompliziert, sagte mir, wo ich hinkommen sollte, und wir trafen uns in einem Cafe.
Gewitter über Kallmünz
Eine Mitstudentin und gute Freundin wohnt irgendwo in der Oberpfalz. Der Ort heißt Kallmünz und hat den seltsamen, nur in Bayern anzutreffenden Status eines Marktes. Von der Größe her ein kleines, niedliches Städtchen oder großes Dorf, für diese Verhältnisse war aber zum Brückenfest sehr viel los. Zu eben diesem Fest beschlossen wir nun, nach zwei Jahren gemeinsamen Studium, diese Freundin endlich mal in ihrem Heimatort zu besuchen und uns selbst ein Bild von dem mysteriösen Stück Oberpfalz zu machen, in das sie regelmäßig verschwand.
Das Brückenfest wird von einer Künstlergemeinschaft organisiert, den Namen hat es von der Steinernen Brücke, die in den mittelalterlichen Teil des Ortes, fast könnte man meinen zur Festung, führt. Es wird bloß alle paar Jahre veranstaltet und ist begleitet von zahlreichen Ausstellungen und Konzerten. Dafür, dass Kallmünz nämlich eigentlich recht winzig ist, gibt es eine enorme Galleriendichte. Wir stellten auch die These auf, dass es vermutlich mehr Naturheilpraxen als Familien im Ort gibt, aber Gallerien gibt es wohl auch mindestens so viele, wie Häuser im historischen Ortskern, denn fast in jedem Haus ist eben auch eine Gallerie. Natürlich hat auch unsere Freundin gemeinsam mit anderen Freunden eine Gallerie und zum Brückenfest organisierte sie die Ausstellung von Werken eines serbischen Künstlers in der Stadthalle. Die Gallerien waren zum Fest alle geöffnet, so dass man sich die schönen Häuser und so man etwas davon verstand - auch die schöne Kunst anschauen konnte. Für mich waren vor allem die Häuser interessant, die sich in die Felsen schmiegten, die winzigen Gassen und die schiefen Wände, die kleinen Brücken über die Vilsgasse, die Gärten und Schänken an der Naab. Kallmünz ist einfach wahnsinnig idyllisch, hier ein paar Bilder:
Das Brückenfest wird von einer Künstlergemeinschaft organisiert, den Namen hat es von der Steinernen Brücke, die in den mittelalterlichen Teil des Ortes, fast könnte man meinen zur Festung, führt. Es wird bloß alle paar Jahre veranstaltet und ist begleitet von zahlreichen Ausstellungen und Konzerten. Dafür, dass Kallmünz nämlich eigentlich recht winzig ist, gibt es eine enorme Galleriendichte. Wir stellten auch die These auf, dass es vermutlich mehr Naturheilpraxen als Familien im Ort gibt, aber Gallerien gibt es wohl auch mindestens so viele, wie Häuser im historischen Ortskern, denn fast in jedem Haus ist eben auch eine Gallerie. Natürlich hat auch unsere Freundin gemeinsam mit anderen Freunden eine Gallerie und zum Brückenfest organisierte sie die Ausstellung von Werken eines serbischen Künstlers in der Stadthalle. Die Gallerien waren zum Fest alle geöffnet, so dass man sich die schönen Häuser und so man etwas davon verstand - auch die schöne Kunst anschauen konnte. Für mich waren vor allem die Häuser interessant, die sich in die Felsen schmiegten, die winzigen Gassen und die schiefen Wände, die kleinen Brücken über die Vilsgasse, die Gärten und Schänken an der Naab. Kallmünz ist einfach wahnsinnig idyllisch, hier ein paar Bilder:
Wir schauten herum und holten uns an
den verschiedenen Ständen etwas zu essen, wie zum Beispiel am Stand
der Deutsch-Fanzösichen Freundschaft einen Zwiebelkuchen. Zum
Trinken organisierten wir uns noch ein Radler und schlenderten umher.
Die Musik auf den verschiedenen Bühnen war leider nicht so gut, zum
einen konnte man eine Schülerband hören, die die besten Hits
spielte, die Schülerbands eben meistens so spielen – also
Klassiker von den Stones und Beatles und ein paar aktuelle Hits, zum
anderen etwas, was wohl im Programm unter Jazz lief, was aber
ebenfalls nur sehr oberflächlich diesen Bereich abdeckte, nämlich
die bekanntesten Lieder, die von der Allgemeinheit mit Jazz verbunden
waren. Im Programm stand wohl noch etwas von einer Menge Spaß und
guter Laune, vielleicht auch Stimmungsmusik, aber die war wohl eher
an eine ältere Generation gerichtet und weckte in uns nur den Wunsch
zu fliehen.
Dafür bereicherte aber eine andere Band in der engen Vilsgasse das Fest mit ihrer Musik. Die Musiker waren kurz zuvor mit dem Fahrrad gekommen und spielten wohl, um sich etwas zu essen kaufen zu können. Aber das taten sie gut:
Von Kunst verstehe ich leider nicht zu
viel, ich bin aber immer beeindruckt, wenn sich Menschen offenkundig
über die Qualität und Stärken bestimmter Bilder fachmännisch
unterhalten können. Solchen Gesprächen konnte man viel lauschen,
wir schauten uns aber einfach die Gallerien an, die zum größten
Teil in kleinen denkmalgeschützten Häusern untergebracht waren.Und auf einmal stand ich dem Papst gegenüber. Zugegeben, ich war erschrocken.
Unsere Freundin wuselte die ganze Zeit herum, wir trafen sie und ihren Freund später wieder und sie kündigte uns ein Konzert der Band ihres Bruders an. Natürlich würden wir uns das anhören, schon allein, weil es nach der Beschreibung "psychedelischer Rock" wohl besser sein würde, als alles, was wir davor gehört hatten. Wir nahmen auf den Strohballen vor der Bühne Platz, bekamen es aber bald mit der Angst zu tun, weil die Funken aus den Schwedenfeuern angefacht durch den Sturm der aufkam, sehr nah an ebendiese Strohballen heranflogen. Der Himmel verdüsterte sich zusehends...
Die Athmosphäre war klasse, die Musik war gut, aber leider leider fing es nach sehr kurzer Zeit an, wie aus Kübeln zu gießen. Gemeinsam mit dem restlichen Publikum suchten wir Zuflucht unter den über die Bühne gespannten Sonnensegeln, die das Wasser weitgehend abhielten, aber leider war damit der Abend für uns gelaufen. Mehr oder weniger durchweicht wollten wir es nicht darauf ankommen lassen, uns eine deftige Erkältung zu holen und fuhren nach Hause.
Dennoch ein sehr gelungener Abend. Kallmünz ist ein wunderschönes Örtchen, das man dringend mal besuchen sollte. Ich will auf jeden Fall nochmal hin, um mir die Burgruine anzuschauen.
Dennoch ein sehr gelungener Abend. Kallmünz ist ein wunderschönes Örtchen, das man dringend mal besuchen sollte. Ich will auf jeden Fall nochmal hin, um mir die Burgruine anzuschauen.
Und hier noch etwas Werbung:
Mittwoch, 1. August 2012
Constanta und Vama Veche
The end has a start
Die erste Etappe meiner Südosteuropa-Reise war am 21. Juni Constanta, die Perle der rumänischen Schwarzmeerküste, wie ich es mir vorstellte. Im Abteil des Nachtzugs war ich am Morgen, genau genommen seit Bukarest, allein. Ich schaute aus dem Zugfenster und wurde so langsam nervös. Das erste Mal an der Schwarzmeerküste und zugleich der Beginn eines großen Abenteuers. Denn so fühlte ich mich tatsächlich: zwei abenteuerliche Wochen lagen vor mir. Es war aber auch das Ende meines Erasmusaufenthalts, ich hatte bereits Cluj hinter mir gelassen und bald würde ich auch Rumänien vorerst verlassen. Ein gelungener Ausstieg aus dem Auslandssemester, der nun beginnen sollte.
| Das Casino in Constanta |
In Mangalia dauerte es eine Weile, ehe ich mich orientiert hatte. Ich dachte schon, ich würde keinen Bus nach Vama Veche finden und deshalb eine Nacht bleiben - halb so schlimm, einen Strand und eine Pension gab es hier wohl auch, noch dazu ein archäologisches Museum. Aber schließlich saß ich an der richtigen Stelle auf dem Bordstein und wartete, und schließlich bog der richtige Bus um die Ecke. Ich fuhr bis Vama Veche, wo ich, mit meinem riesigen Trekkingrucksack hin und her wankend, aus dem Minibus stieg.
Ich ging sofort zum Strand und verbrachte eigentlich fast den ganzen restlichen Tag da. Irgendwann rief ich noch bei der Busgesellschaft an, die ein Schild an der Bushaltestelle hatte, auf dem Werbung für den Bus nach Varna um 9.00 morgens gemacht wurde. Ich reservierte einen Platz und verbrachte den Abend am Strand, beschallt von schlechter Musik an den Strandbars. Davor hatte ich einen riesigen griechischen Salat mit ganz viel weichem Balkankäse verspeist und einen viel zu starken Cocktail getrunken - ich war also eigentlich vorbereitet für eine lange Nacht.
Für mich ging es deshalb ziemlich schnell nach einer Nacht weiter, das hat gereicht. Als ich an der Haltestelle stand und auf den Bus nach Varna wartete, unterhielt ich mich noch mit einem besoffenen Kerl, der ergebnislos versuchte, in Richtung Bulgarien zu trampen, aber eigentlich in Richtung Constanta wollte (dass er sich besser an die andere Seite stellen sollte, glaubte er mir nicht). Dass so kurz vor der Grenze niemand anhielt, um einen saudreckigen Menschen, ohne Schuhe, Pass und Geld, dafür aber mit einer Menge Restalkohol im Blut, mitzunehmen, war ja klar. Ich bot ihm an, ihm 5 Lei für den Bus zu geben, das wollte er aber nicht. Als irgendwann mein Bus kam, enterte er diesen ebenfalls, wobei ich zu diesem Zeitpunkt dann schon eher den Gesichtsausdruck "nein, der gehört NICHT zu mir" versuchte, konnte dann aber vom Busfahrer überzeugt werden, dass es die falsche Richtung für ihn sei, weil wir nach Bulgarien fuhren. Wir erreichten die bulgarische Grenze nach kurzer Zeit. Hier würde ich nichts mehr vestehen, hier würde das Abenteuer erst anfangen, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte...
Sonntag, 29. Juli 2012
Es ist weiterhin heiß in Bukarest
Politik in Europas Südosten
| Piata Unirii, Bucuresti, 23.15 Ortszeit |
Im Stadtbild von Bukarest fallen überall Läden und Werbungen für Sportwetten auf. Scheinbar lassen viele Rumänen realtiv viel Geld in Wettbüros. Ob man auch auf das Referendum um die Absetzung Traian Basescus als Präsidenten Rumäniens wetten konnte, ist mir unbekannt. Aber es wird knapp und somit hätte sich das wohl für die Wettbüros gelohnt, denn für die Rumänen, mit denen ich so sprach, war das Ergebnis nicht vorhersehbar. Beziehungsweise wussten sie nicht so genau, welche Seite mit Manipulationen und Betrügereien mehr erreichen würde.
Pe scurt [in Kürze]: In Rumänien gab es einen politischen Wandel, nachdem eine Koaltionspartei die Seiten gewechselt hatte und sich mit der Opposition zusammenschloss. Die Regierung wurde ausgetauscht und Ponta wurde Premierminister. Dieser versuchte in relativ kurzer Zeit relativ viel Macht für seine Partei zu gewinnen, und tauschte auf allen wichtigen Posten die Beamten gegen Leute seiner Parteilinie aus. Der letzte Schritt war die Absetzung des Präsidenten. Die Absetzung ging durch das Parlament, damit sie rechtskräftig ist, müssen sich aber auch die Mehrheit der Rumänen in einem Referendum dafür aussprechen, dessen Mindestbeteiligung bei 50% der Wähler liegt. {Sueddeutsche.de: Link}
Im Straßenbild von Bukarest dominieren seit Beginn meines Aufenthaltes Plakate mit "Români, hai la referendum! Basescu, hai, la revedere!" [Rumänen, auf zum Referendum! Basescu, geh, auf Wiedersehen!] und ähnlichem, nur hier und da ist ein "NU stinge flacara democratiei!" [NICHT die Flamme der Demokratie auslöschen!] zu sehen. Die Absetzung ist nämlich, aufgrund Pontas Marsch durch die Institutionen, sehr umstritten und würde Rumänien, aus weltpolitischer Sicht, im Moment wohl eher schaden, da es somit an Glaubwürdigkeit und Kontinuität verliert.
Wie die Wähler nun entschieden haben, ist unklar. Höchst wahrscheinlich wird das Quorum nicht erreicht, weil bis 21 Uhr (die Wahllokale hatten aufgrund der Sommerferien von 7 bis 23 Uhr geöffnet) nur ca. 44% der Wähler zur Wahl gingen {Agerpress.ro: Link 2 - engl.}. Allerdings ist es auch gut möglich, dass noch Stimmen "gefunden" werden und das Quorum noch geschafft wird. Auf dem Universitätsplatz (der auch einer der Hauptschauplätze der Revolution im Dezember 1989 ist), skandierte eine kleine Menschenmenge "Jos Basescu!" [Nieder mit Basescu] und schwenkte rumänische Fahnen. Einige davon mit Loch in der Mitte. Ob die Demonstranten nur kommunistische Fahnen mit dem entsprechenden Emblem zu Hause hatten und dieses lieber ausschnitten, bevor sie das Haus verließen, ist fraglich, wahrscheinlicher ist, dass dies eine Anspielung auf die Revolution '89 sein sollte, als eben solche Fahnen geschwenkt wurden, damals wurde eben symbolhaft das kommunistisch Emblem aus der Mitte entfernt. Wenn das Quorum erreicht wurde, was viele zu glauben scheinen, wird Basescu ganz klar gehen müssen, soviel steht fest, denn die, die zur Wahl gingen, stimmten für seinen Rücktritt. Auf der Straße hörte ich Wortfetzen wie "e fraudat" [es ist gefälscht] und "eu personal am vazut cu ochii mei" [ich selbst habe es mit eigenen Augen gesehen]. Die Menschen in der Unterführung am Universitätsplatz versammelten sich in einem Café, um im Fernsehen die aktuellen Meldungen zu sehen, als ob Rumänien in der Europameisterschaft Fußball spielte. Die Jandarmerie ist um den Platz so präsent, als ob serbische Hooligans zu eben diesem Spiel unterwegs wären und es in der Uniturnhalle stattfände. Bis morgen früh wird man jedoch kaum etwas genaues wissen. {Hotnews.ro: Link 3 - rum.}Nach allem, was ich gehört habe, hoffe ich, dass Basescu vorerst bleiben kann, denn diese Kampagne, die hier gegen ihn gestartet wurde, scheint nicht mit rechten Dingen zuzugehen.
| Ich bin nicht die einzige, die neugierig auf das Ergebnis ist. |
Samstag, 28. Juli 2012
Bukarest bei 38°C
In Bukarest ist es verdammt heiß und auch wenn es dunkel wird - recht früh so gegen halb neun, glaube ich - bleibt es drückend heiß. So eine Stadt kühlt eben über Nacht nicht ab, das merkt man. Das hat aber auch etwas Gutes - kein lästiges Jäckchen-Mitschleppen zum Weggehen. Gestern wollte ich mit den anderen vom Sprachkurs tanzen gehen. Wir trafen uns um zehn an der Uni, warteten noch eine halbe Stunde auf Nachzügler und setzten uns im Centrul Vechi (Altes Stadtzentrum) in eine Bar, bzw. deren Freisitz zur Fußgängerzone. Es wurde mal wieder abenteuerliches Rumänisch gesprochen, was uns im Allgemeinen hier als Lingua Franca dient und es war echt witzig. Nach einem Ciuc Nefiltrat [ungefiltert], ging es weiter, das heißt, dazwischen warteten wir natürlich wieder ewig auf irgendjemanden, aber dann gingen wir noch in einen Club, wo Indie-Rock gespielt wurde. Ich war ewig nicht mehr zu solcher Musik tanzen, aber es war richtig richtig gut, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu viele Oldschool-Klassiker drunter gemischt wurden. Nach einem weiteren Bier und einem Wodka-Apfel machte ich mich gegen halb drei allein auf den Heimweg. Ich hatte keine Ahnung, wie die Nachtbusse fahren würden und wollte ohnehin laufen. Schon auf der Tanzfläche hatte ich die ganze Zeit ein breites Grinsen auf dem Gesicht gehabt. Ich hatte auch auf dem Nachhauseweg noch richt gute Laune. Ich dachte gerade darüber nach, was ich so in nächster Zeit in meinem Leben anstellen würde, da sah ich die alte, offensichtlich geistig verwirrte Frau, die ich am Tag schon zweimal gesehen hatte, auf dem Mauerabsatz vor einem Schaufenster liegen und schlafen. Es wird ihr nicht schaden, ich denke selbst gegen Morgen sinkt die Temperatur nicht unter 25°C, aber dieses Bild katapultierte mich zurück in die Realität. Müde lief ich weiter nach Hause, nicht völlig deprimiert, aber etwas nüchterner. Als ich fast stolperte, hörte ich einen Mann fragen, ob er mir helfen kann, aber ich trottete stumm weiter. Die Menschen, die mir entgegenkamen, kamen mir jetzt seltsamer vor.
Arme Menschen, Obdachlose und Roma gehören zum Straßenbild in Bukarest dazu, eigentlich auch in der ganzen Innenstadt. Irgendwie ist das auch gut, denn es erinnert einen, wo man ist und wie die Verhältnisse hier sind. Ich habe bereits zwei sehr junge nackte Romamädchen auf irgendwelchen dreckigen Treppenstufen gesehen, heute Mittag eine alte Frau, die auf dem Gehweg lag und aussah, als würde sie sehr bald sterben. Ich fühle mich ohnmächtig, wenn ich das sehe. Aber das ist eben hier die Realität und so traurig es ist: Es ist unmöglich, all diesen Menschen zu helfen.
In der brütenden Hite machte ich mich schließlich zurück auf den Weg ins Appartment, um meine Schätze wegzubringen und um ins Nationale Historische Museum zu starten. Das wird - wie in Cluj auch - natürlich gerade renoviert und die Sonderausstellungen mochte ich mir nicht anschauen. Kurzerhand beschloss ich dann, stattdessen das Nationale Bauernmuseum zu besuchen, von dem meine Rumänischdozentin immer so geschwärmt hat. Es hat sich tatsächlich gelohnt, das Museum ist sehr schön aufgearbeitet, aber ich war sehr schnell gelangweilt und finde diese ganze Betonung der nationalen bäuerlichen Kultur in Rumänien sowieso übertrieben. Ich bin sehr schnell durchgelaufen, habe es aber nicht bereut. Fotos durfte man im Übrigen keine machen. Es waren genausoviele Museumswärterinnen wie Besucher anwesend, die diese dann mit Argusaugen beobachtet und Fotos verhindert haben.
| Die Treppe im Foyer des Bauernmuseums |
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