Sonntag, 14. Juli 2013

Geisteswissenschaftler, die Tomaten pflanzen

Dieser Text ist schon vor ein paar Monaten entstanden und jetzt hole ich ihn mal aus der Schublade. Ich versuche mal wieder etwas Neues in meinen Blog zu bringen und tagge es mit dem Anglizismus "Essays". Plural, weil in den Schubladen meines Geistes noch ein paar auf ihre Veröffentlichung warten. 

 
Das man als Geisteswissenschaftler keine Zukunft hat, als Taxifahrer oder Hartz-4-Empfänger endet, sind altbekannte Klischees. Deswegen macht sich Angst breit, auch unter der sogenannten Elite. Und so kommt es zu skurrilen Szenen...

Treffen sich zwei Historiker. Er hat vor kurzer Zeit seine Doktorarbeit beendet und verteidigt, sie gerade ihre Masterarbeit abgegeben. Die Verteidigung steht noch aus und sie hat etwas Angst davor, da sie nicht einschätzen kann, was ihre Arbeit wert ist. Aber prinzipiell steht beiden eine glänzende Zukunft offen, da sie sicher nicht zu den Schlechtesten ihres Fachs zählen und innovative Forschungsfragen untersucht haben in ihren Abschlussarbeiten. Was wollen sie also machen aus ihrem Leben? Sie unterhalten sich bei einigen Bieren.

Sie erzählt von dem Haus, welches sie geerbt hat, dem Dschungel, der sich daran anschließt und mal ein Nutzgarten war. Sie hat den Traum, diesen dieses Jahr herzurichten und Tomaten zu pflanzen. Kürbisse anzubauen, Erdbeeren zu pflücken und daraus Marmelade zu kochen, ein großes offenes Haus für Freunde zu haben, in dem jeder zu jeder Zeit willkommen ist. Natürlich hätte sie auch gern einen guten Job sagt sie. Aber sie möchte eine gutbezahlte Stelle oder wenigstens eine erfüllende Beschäftigung. Und wenn sie diese im Moment nicht findet, will sie sich auf jeden Fall erst einmal um Haus und Garten kümmern. Aussteigen im Kleinen, wenn auch vorerst nur für kurze Zeit.

Er erzählt ebenfalls von einem geerbten Grundstück, in seinem Heimatland. Von einem geplanten Gewächshaus. Von einer Reise, die er machen will, von einem Haus auf einer griechischen Insel, wenn er sich irgendwann zur Ruhe setzt.

Die beiden trennt ein Doktortitel, ein paar Jahre Altersunterschied und über tausend Kilometer Entfernung der Geburtsorte. Auch wenn sie sich ähnlich scheinen im ersten Moment, sie sind es nicht. Was sie eint, ist ihre akademische Ausbildung und ihre Gedankenspielereien mit einem Job an der Uni, wo man vielleicht nicht so viel Geld bekommt, aber der dafür ihren Erwartungen entspricht. Aber wenn es alles nicht so klappt, dann doch lieber Aussteigen aus dem Hamsterrad. Dann doch lieber Balkantour oder Tomaten pflanzen. Die beiden sind nicht die Einzigen. Auch wenn wohl die Mehrheit der Absolventen von einem möglichst gutbezahlten Job träumt und einem geregelten Arbeitsleben nachgehen will, sind da überall welche, die eigentlich lieber einen Ökobauernhof hochziehen würden. Oder eine Rucksackreise machen und so schnell nicht zurückkommen, vielleicht nie. Dabei sind sie auf den ersten Blick ganz normale Studenten, keine die immer „etwas Soziales“ machen wollten, dann den Großteil ihrer Studienzeit in der linken Hochschulgruppe verbracht haben und zwischendurch schon einmal eine längere Zeit von der Bildfläche verschwunden sind, weil sie sich ausprobieren, neu orientieren oder regenerieren mussten.

Jetzt könnte man anfangen und die Weltflucht der jungen Akademiker mit dem Zustand der Sozialsysteme, der Zukunftsängste unserer Zeit und natürlich der sich stetig verschlechternden Arbeitsbedingungen im Mittelbau der Universitäten begründen. Stichworte: Befristete Arbeitsverträge, Bologna-Bachelor-Bulumielernen, Dauerpraktika, halbe, viertel und stundenweise Stellen, Ausbeutung überall. Aber trifft es das wirklich?

Die Lifestylemagazine, die Gartenarbeit als hip, Biobauern als Helden, Veganer als Weltretter und Auszeiten als Grundlage eines nachhaltigen Lebens anpreisen, boomen. Noch ein veganer Blog, noch ein DIY-Tutorial, noch ein Mädchen, dass nach Rumänien gehen will, um sich den Bergbauern anzuschließen und mit ihnen Schnaps und Käse zu teilen. Diese jungen Akademiker, die eigentlich so reflektiert und aufgeschlossen sind, sind diskursgeschädigt. Es ist kein schlechter Diskurs, der Nachhaltigkeit als den einzig richtigen Weg anpreist, denn es ist wohl der einzig mögliche, wenn die Menschen noch eine Weile auf diesem Planeten leben wollen. Aber ein altes Sprichwort sagt: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Wenn das Geschichtsstudium den beiden halbwegs zugesagt hat, sollten sie vielleicht etwas tun, wofür sie ihre akademische Ausbildung benötigen können. Vielleicht retten sie damit dann nicht die Welt, aber sie können ja nebenbei weiter im Biomarkt einkaufen, Fahrrad fahren und Tomaten pflanzen.

Samstag, 6. Juli 2013

Vom Umherwieseln...

(Ja, der Titel ist bewusst vom Auslandsblog eines Freundes gemopst.)

Da sitz ich also wieder. Die Meute ist abgereist, nach einem epischen Frühstück, hat mich mit einem vollen Bauch, ein paar Essensresten und einem wohligen Gefühl zurückgelaseen. Und es fühlt sich so gut an, so richtig, hier zu sein, im Garten zu sitzen und Bowle zu trinken (Punch-P. hat uns wieder mit etwas besonders Leckerem versorgt), frisch gebackenes Brot zum Feta-Dip zu mümpeln und leckeren veganen Nudelsalat in Riesenportionen auf den Teller zu laden. Später ums Feuer zu sitzen und zu quatschen, irgendwann die lieben Menschen wieder auf alle verfügbaren Schlafgelegenheiten zu verteilen und am Morgen in einem vollen Haus aufzuwachen.

Es haben sich fantastisch schöne Rituale etabliert mit diesen Besuchen. Doch diesmal hat das Gefühl, dass das alles bald erstmal vorbei sein wird, meine Laune etwas getrübt. Ich freue mich auf Rumänien, überhaupt keine Frage, aber gerade habe ich hier so gut meinen Platz gefunden, dass ich ihn nur ungern verlasse. Andererseits - und das macht meine Gefühlslage etwas ambivalent - ist es eine Flucht nach vorn. Wie auch am Anfang überfordert mich das Haus und meine Lebenssituation immernoch in mancherlei Hinsicht und ich bin froh, das erstmal verlassen zu können,

Meine Erlebnisse beim Arzt oder der Besuch eines Mitglieds des Sportvereins zeigen, dass ich auch hier nicht so richtig hingehöre, auch wenn ich es sicher könnte, wenn ich mir ein bisschen mehr Mühe geben würde - meine Brötchen beim Bäckerauto, welches hier zweimal die Woche hält, holen würde und die Lokalzeitung abonnieren, oder eben für den Sportverein spenden.
Der Typ vom Sportverein kam gestern, ein Mann mittleren Alters in Poloshirt und Shorts, mit einem Aktenordner unterm Arm. Ein geschwätziger Typ, nicht unsympathisch, ein bisschen "flirty", so dass man sich vorstellen kann, wie er die Menschen so umgarnt, dass sie spenden. Nachdem er weg war, hatte ich das Gefühl, der Nachbarschaftsverein könnte ihn geschickt haben, um herauszufinden, wer da jetzt eigentlich in dem Haus wohnt, und was hier vorgeht.

Es klingelt, ich eile zur Tür.
Guten Tag, er wolle nicht stören, nein, sich nur zum Kaffee einladen. Das wäre ein Scherz gewesen.
Ob ich im Gemeindeblatt gelesen hätte, dass sie für den Sportverein sammeln. Nein? Hier sei nochmal der Artikel. Aber den Herrn Fuchs (Name geändert) kenne ich doch vielleicht? Ich bin noch nicht lange hier. Achso.
Man sammle für die Nachwuchsförderung. Er wisse ja nicht, wie das sei mit Kindern im Haus. Nein. Fast hätte er gesagt, was nicht ist, kann ja noch werden, hehe. Tapferes Lächeln. Das Sammeln funktioniere so, man bekomme Prämienpunkte für abgeschlossene Zeitschriftenabonnements und dann gäbe es einen Satz Trikots für die Kindermannschaft. Es tut mir leid, ich bin nicht mehr lange hier. Er gibt sich zufrieden und geht wieder.
Irgendwie hat mir die Absurdität dieses Gesprächs vor Augen geführt, dass ich es wohl nie so richtig schaffen werde, mich hier zu integrieren, immer zwischen Ankunft und Aufbruch schwebend. Das Dorfleben und die ländlichen Geflogenheiten sind mir suspekt, vielleicht hat mich das Stadtleben - und dabei lebte ich ja nie in einer Metropole - verdorben, vielleicht habe ich tatsächlich eine Wessi-Mentalität angenommen, vielleicht rede ich tatsächlich seltsam, nämlich nicht hochdeutsch, sondern irgendwie gestelzt und verwende seltsame Begriffe. Bei einem kurzen Gespräch mit den Nachbarn bekomme ich mit, dass wir in komplett unterschiedlichen Welten leben. Für sie bedeutet ein offenes Hoftor eine immense Gefahr, meine größte Sorge ist, wie ich an gute Biolebensmittel komme. Ich liebe es, Marmelade zu machen und Brot zu backen und warum eigentlich nicht eine Ziege in den Garten stellen? Aber dieses romantische Bild vom Landleben deckt sich nicht mit dem realen Leben hier, wo die Leute eben einmal die Woche zum Großeinkauf mit dem Auto zum Supermarkt fahren und ihre Wägen voll mit industriell produzierten Billig-Lebensmitteln laden.

Vielleicht ist es also doch nicht mein Platz hier, obwohl ich es unsäglich genieße, die Gastgeberin mit großem Garten zu sein. Aber egal, wie die Entscheidung ausfällt: Zunächst ist sie vertagt um mindestens ein Jahr.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Der Landarzt, Folge 2

Am Montag druckten wir bereits den ersten Teil dieser beliebten Serie ab, hier nun exklusiv die Fortsetzung:

Halb acht schloss ich mein Fahrrad vor der Praxis ab und begab mich zum altbekannten Empfangsschalter. Die Frau aus meinem Heimatdorf war heute mit der Verwaltung der Patienten beschäftigt, wodurch ich gleich mit Vornamen angesprochen und mit dem Hinweis "Geh rein!", ins Wartezimmer verwiesen wurde. Vor mir diesmal drei Menschen, alle eher jüngeren Alters. Ich hatte mir vorsorglich Lesestoff mitgebracht, damit ich mich nicht noch mit irgendeinem Opi ums Provinzwurschtblatt streiten muss, dass den Anspruch erhebt, übers Tagesgeschehen zu informieren.

Ein Patient nach dem anderen ging rein und war ebensoschnell wieder draußen, also war ich kurz nach acht schon dran. Der freundliche Arzt erinnerte sich vage, um was es ging und zeigte mir meine Werte. Ich hatte aber noch ein anderes Anliegen. Ich hatte meinen Impfpass mitgebracht. Ich reichte das Büchlein, schön in knallrotes Leder geschlagen und mit dem Zirkel-und-Hammer-Emblem des Staates, in dem ich geboren wurde, versehen, zum Arzt, der sich erstmal in all den Immunisierungen, Wiegeergebnissen meines ersten Lebensjahres und Kinderkrankheiten zurechtfinden musste. Schließlich diskutierten wir über eine Auffrischung meiens Hepatitis-B-Schutzes. Aus einem unbestimmten Grund, wollte ich irgendwie nicht, aber er überredete mich schließlich mit der Annahme, dass in Rumänien, wo ich das nächste Jahr arbeiten würde, die hygienischen Bedingungen in den Krankenhäusern fraglich sein könnten. Ich zweifelte immernoch, stimmte aber schließlich dem Antikörpertest zu. Bevor ich ging, meinte der Arzt noch: "Rumänien, da gibt es doch auch Vampire?" Er erwartete, dass ich lachte, aber ich bekam nur ein gequältes Lächeln zu stande. Er setzte einen drauf: "Die beißen doch auch, dass ist ja auch gefährlich für die Übertragung [von Hepatitis]! Die putzen sich bestimmt nicht jedesmal die Zähne!"

Er musste sehr über seinen eigenen Witz schmunzeln, ich lächelte tapfer und trat sehr schnell, meinen sozialistischen Impfpass und die Versichertenkarte zusammenraffend, den Rückweg an. Dabei vergaß ich aber den Parcours des Schwesternzimmers, in dem man sich nicht nur aufgrund der Anordnung des Schreibtisches, die ein unauffälliges Durchschlängeln quasi unmöglich macht, etwas länger aufhalten muss, sondern auch, weil man das hier eben so macht. Da muss man noch etwas Tratsch mit den Schwestern austauschen, die wahrscheinlich fast sterben vor Neugier, zu erfahren, warum ich da bin und warum ich überhaupt zurzeit hier zu leben scheine. Ich hoffe, der Arzt befriedigte diese Neugier teilweise, ich machte mich nämlich, schnellstmöglich davon und duckte den Kopf, als ich noch mal am Fensterchen am Empfangsschalter vorbei musste.

Bei einer Triologie wird jede der Folgen immer ein stückweit schlechter (Herr der Ringe bildet hier eine Ausnahme), deswegen hoffen wir mal, dass meine Antikörper zahlreich sind und sich bereitwillig messen lassen, so dass mir ein dritter Besuch in der Dorfarztpraxis vorerst erspart bleibt.

Montag, 1. Juli 2013

Der Landarzt

Heute morgen hatte ich das Vergnügen, zum ersten Mal beim Arzt hier auf dem Dorf vorbeizuschauen. Mein Anliegen: meine Eisenwerte checken lassen. Munter und mit einem breiten Lächeln reichte ich zwanzig vor acht meine Versichertenkarte durch die winzige Öffnung im Glas am Empfang, die stark an osteuropäische Bahnhofsschalter erinnerte - nicht ganz zu Unrecht, wie sich herausstellte. Als ich meinen Wunsch äußerte, mir solle Blut abgenommen werden, wurde ich gleich zurechtgewiesen, dass ich da ja wohl zum Arzt ins Sprechzimmer müsse und ich solle mich doch setzen.

Gesagt getan. Im Wartezimmer, das noch genauso aussieht wie in meiner Kindheit, als eine andere, altersschwache und vermutlich halb-blinde Ärztin in der Praxis residierte, über die diverse Gruselgeschichten kursierten, in diesem Wartezimmer also saßen bereits vier Menschen. Der neue Arzt war schon viele Jahre in der Praxis, ich konnte mich aber nicht erinnern, ob ich jemals bei ihm war - ich glaube nicht. Ich nahm an, dass es recht zügig gehen würde - vier Patienten waren doch schnell abgehandelt? Ein Plakat informierte mich, dass sich die Haus- und Fachärzte um ihre Patienten kümmern und sich Zeit nehmen. Das hätte mir schon zu Denken geben sollen, aber ich habe es noch nicht einmal kapiert, als der kleine Zeiger die neun schon längst überschritten hatte. Nach zwei Stunden war mein Moment gekommen - ich sprintete in das Arztzimmer, vorbei am Parcours des Schwesternzimmers, der immer schon den gleichen kniffligen Aufbau mit dem Schreibtisch als Stopper zwischen Wartezimmertür und Behandlungszimmertür hatte, und nahm beim Arzt Platz. Sagt man eigentlich überall zu den Helferinnen der Ärzte Schwestern? Bei einem meiner Ärzte in Regensburg würde ich wohl das Wort Arzthelferin wählen, aber hier auf dem Dorf sind es eben Schwestern.

Was mir fehlt, natürlich. Aber bevor wir noch so richtig mit der Anamnese starten konnten, fragte der Arzt erstmal, wo ich herkomme. Ich erklärte, aus dem Nachbardorf. Daraufhin er in einer unübertrefflichen Direktheit: "Sie sprechen wie ein Wessi." Immerhin hat er mich trotz meines Sprachfehlers, der darin bestand, mich auf Hochdeutsch auszudrücken, weiterbehandelt. Schließlich wurde ich ins Nebenzimmer geschickt, das gleiche, in dem ich als Kind meine Impfungen bekam, und die Schwester mit dem Namen, der irgendwo zwischen Tupper-Dose und Ikea-Regal liegt, kam hinterher. Und duzte mich. Denn sie arbeitete schon immer in der Praxis und kannte mich ja. Und da ist es einfach mal egal, ob ich jetzt mindestens 11 Jahre älter bin als bei meinem letzten Besuch in der Praxis. Sie schaute sich meine Venen an, machte noch nicht mal einen Versuch dran herumzupieksen und rief den Arzt. Wieder wartete ich ein ganzes Weilchen, bis er endlich kam, meine Armbeugen ebenfalls betastete, und dann endlich am Handgelenk Blut abnahm.

Ich freue mich schon sehr darauf, am Mittwoch die Ergebnisse zu holen, bei Herrm Doktor Ossi und Schwester Ikea-Regal.

Samstag, 29. Juni 2013

Auf zu neuen Abenteuern! Timisoara ab September 2013

Die Freude ist groß, ich habe einen Jobangebot. Ich habe noch nicht mal ein Abschlusszeugnis in der Hand, aber eine potenzielle Arbeitsstelle. Was heißt potenziell - eigentlich habe ich mich längst dafür entschieden. 

Also mal wieder auf nach Rumänien. An sich weder überraschend, noch neu, aber für mich doch etwas Unbekanntes: Nicht Bukarest, nicht Siebenbürgen, der Banat wird diesmal unsicher gemacht, genauer gesagt die Hauptstadt der Region Timisoara. Es ist die zweitgrößte Stadt in Rumänien und ich war bisher einen halben Tag da und zwar nur auf der Zwischenreise zwischen meinen Sehnsuchtsorten Cluj und Belgrad. Aber sie ist groß, sie hat eine große Uni, ein schmuckes Stadtzentrum und sicher eine Menge zu entdecken.

Da war ich mit den Erasmus-Jungs unterwegs in Timisoara.
Ich bin immer noch etwas platt, nicht nur von meiner Fahrt zum Bewerbungsgespräch am Freitag - ich war fast 24 Stunden wach, da ich um drei Uhr aufgestanden bin, um um halb fünf im Zug zu sitzen und um zwei nach einem kurzen Besuch im Ilses Erika in Leipzig in Connewitz in das Bett meiner lieben Gastgeberin gesunken bin - sondern auch, weil ich, wenn ich überfordert bin, oft in eine Art Schockstarre verfalle. Die gilt es zu überwinden, denn ich habe eine Menge zu organisieren in den nächsten Wochen. Und eigentlich will ich ja auch noch drei Wochen nach Belgrad für einen Sprachkurs. Ayayayayay.

Temeschwarer - Die Geschichte geht noch weiter...


Dennoch, die Vorfreude überwiegt. Ich habe den Job, den ich wollte. Was mit Projektarbeit, was in einer internationalen Organisation, was in Südosteuropa und auch noch etwas Spannendes und Anspruchsvolles - wobei ich bisher nicht so genau weiß, was genau meine Aufgaben sein werden.
Ich stelle mich jedenfalls der Herausforderung und freue mich, bald wieder auf dem Balkan rumzugurken - und natürlich hier davon zu berichten!






 

Montag, 24. Juni 2013

Linktipps: Platz da! - Textilien los werden

Ich habe in den letzten zwei Tagen eine Unmenge Müll produziert. Die Sachen, die meine Freunde zusammengetragen haben, lassen sich nicht wiederverwerten oder nur zu einem ganz kleinen Bruchteil, weil sie meist alt und gammelig sind. Aber wenn ich sonst ausmiste, versuche ich es auch manchmal über ebay, aber das ist zeitraubend und nervig. Es gibt aber inzwischen auch Möglichkeiten, Textilien übers Internet loszuwerden, und die möchte ich hier mal vorstellen.

textil-ankauf.com
Wenn ich den alten Kleiderschrank meiner Oma ausmiste, ist da ganz viel dabei, was kein Mensch mehr trägt. Natürlich könnte ich es auch in die Kleiderspende geben und das wäre wohl sehr viel edler von mir (und manche Sachen gebe ich auch immer noch in die Kleiderspende), aber hier kriegt man immerhin noch ein wenig Geld dafür, was gerade, wenn man ein großes Haus zu entrümpeln und renovieren hat, nicht zu verachten ist.
Das Ganze funktioniert allerdings nur bei großen Mengen - es sollten schon so mindesten 40-50 Kleidungsstücke sein - denn angekauft wird nach einem Punkte- und Gewichtssystem. Ab 13kg ist der Versand kostenlos, ab 100 Punkten wird angekauft. Dabei ist eine Bluse z.B. nur einen Punkt wert, aber ein Damenkleid acht Punkte. Eine weitere Schwierigkeit besteht dann darin, einen Karton zu finden, der groß genug ist. Ich hatte immer ungefähr ein 100-150 Punkte und habe dafür zwischen 9 und 13 Euro bekommen - also nicht sooo viel. Eine positive Sache ist noch, dass die Klamotten angeblich nur in Europa angeboten werden, so dass einheimische Märkte in Entwicklungsländern nicht zerstört werden. Ich bin gespannt, wann ich dem ersten Kleidungsstück in einem Second-Hand-Laden in Rumänien wiederbegegne.

kleiderkreisel.de
Sachen, die noch in Mode sind oder Hipstern gefallen könnten, biete ich auf Kleiderkreisel an. Ist zwar auch etwas aufwendiger und manchmal ein wenig nervig, weil es hauptsächlich ums Tauschen geht und dann Tauschanfragen von Mädels mit Kleidergröße 34 oder einer Auswahl an Lipgloss und Nagellack in ihrem Katalog kommen, aber manchmal funkioniert es doch.

www.tierhilfe-hoffnung.com
 Decken udn Bettwäsche schicke ich an die Sammelstelle der Tierhilfe, die es dann an ein riesiges Tierheim in Rumänien weiterleitet. Ich habe zwar erst ein Paket gemacht, bekomme aber regelmäßig die Vereinszeitschrift und muss mich zusammenreißen, keinen Wuffel zu adoptieren.
Eine Liste, was benötigt wird, findet sich hier: Liste als pdf.



Eine gute Möglichkeit ist wie gesagt auch die Kleiderspende, gerade bei kleineren Mengen. Wer dem Kleidercontainersystem nicht traut, kann im Übrigen auch direkt bei den Kleiderkammern spenden, die von Obdachlosenorganisatioen, der Diakonie, Caritas oder dem Roten Kreuz betrieben werden.

Das globale Müllproblem vor meiner Haustür

Ich bin ja ein ganz schöner Öko. Ich trenne fein säuberlich meinen Müll, werfe alle biologisch abbaubaren Abfälle auf den Kompost, bringe brav meine Elektrogeräte zum Wertstoffhof und versuche eigentlich, lieber wiederzuverwenden als wegzuwerfen. Seit gestern ist kein Platz mehr in meiner Garage, weil diese wirklich bis auf den letzten Kubikmeter mit Müll gefüllt ist. Schrott, Spermüll, Lumpen - sogar alte geteerte Dachpappe und 10 volle Packungen Spee findet sich in der aufgeschichteten Masse. Fünf ganz wunderbare Menschen haben einen Abstellraum, zwei Schränke und zwei Schuppen entrümpelt, während ich hin und her sprang und versuchte, sie daran zu hindern, komplett alles wegzuwerfen und mal hier und da mit anpackte.


Ich bin immer noch irgendwie - ich weiß, das klingt kitschig - ergriffen von soviel Hilfsbereitschaft und Aktionismus. Ich kann Euch nicht genug danken. Übrigens geht an jeden Helfer (bzw. Helferhaushalt) noch eins von denen:



Ich lese gerade soviel über Nachhaltigkeit, Müllvermeidung, Ökologie, dass es mich schmerzt, jetzt einen Container bestellen zu müssen und alles wegzuwerfen. Vielleicht finde ich noch Abnehmer für einzelne Dinge, wie den Gasherd, den Gasgrill oder die Uraltradios. Und dann habe ich ja auch hier getrennt, so dass die alten Elektrogerät wieder zerlegt werden können und Metall, Glas und Plastik recycled.
Aber dennoch ist es ein gutes Gefühl, wieder treten zu können und Platz zu haben, um den Grill, die Fahrradtaschen oder andere Dinge, die man nicht täglich braucht, lagern zu können. Außerdem ist es ein Anfang und ich gehe nun viel motivierter an die anderen Aufgaben. Und um meine Umweltbilanz etwas aufzubessern, stelle ich gleich mal eine neue Linksammlung zusammen, die sich um das Thema Recycling dreht.