Dienstag, 18. September 2012

Cluj nach Wien - sonnig bis regnerisch

Die vierte Etappe der Rumänien-Reise


In Cluj übernachtete ich bei einer Freundin, die mit mir Erasmus gemacht hatte und noch den Schlüssel zu ihrer alten Wohnung besaß. Dort schliefen wir also und der Plan war, früh aufzustehen und zeitig an der Ausfallstraße Richtung Oradea zu stehen, um loszutrampen. Wir waren zu dritt und wussten, dass das ein wenig schwierig werden würde, aber wir wollten es versuchen. Schließlich schafften wir es irgendwie um 8.15 Uhr in der Nähe einer riesigen Mall zu stehen und hielten Schild und Daumen raus. Jemand hielt an und wir wurden bis Huedin mitgenommen. Der Mann war Ungarn, ich unterhielt mich zunächst auf Rumänisch mit ihm, dann aber musste die Freundin, bei der wir übernachtet hatten, das Gespräch übernehmen. Sie war Wienerin und sprach gut Ungarisch, denn ihr Vater war Ungar. Der Mann erzählte ihr unter anderem, dass Deutsche nicht mochte. Wir fühlten uns gleich besser, als wir das erfuhren... In Huedin ließ er uns raus und wir versuchten es weiter. Ziemlich schnell hielt ein Lieferwagen an, der aber nur Platz für zwei hatte, also blieb ich zurück. Schnell hielt ein weiterer Lieferwagen an, der unterwegs ein paar Sachen ablieferte und mich schließlich bis ins Zentrum von Oradea brachte. Von dort nahm ich nach einem Telefonat mit den anderen die Straßenbahn – in Ermangelung eines Fahrkartenkiosks fuhr ich schwarz – um an der Endhaltestelle meine Kollegen zu treffen. Die Linie endete leider eine Haltestelle zu früh und ich musste noch ein paar Minuten laufen, aber dann waren wir wiedervereint. Wir standen nur kurz an der Straße Richtung ungarischer Grenze, da hielt ein altes Wohnmobil. Sie hätten eigentlich nicht viel Platz, meinte das ungarische Pärchen, aber nachdem ein paar Sachen zur Seite geräumt waren, konnten wir uns auf der Bank hinten niederlassen – ohne Anschnallgurte und ohne alles. Eigentlich sehr bequem, dennoch ein wenig eingequetscht und deshalb schliefen mir irgendwann die Füße ein und meine Beine schmerzten. Aber das war kein Problem, wir kamen immerhin bis Budapest in einem Zug. Außerdem waren es super interessante Menschen, sie hatten einen Biohof in Westungarn. Die Frau, die fließend Deutsch sprach, erzählte uns von Permakulturen und biodynamischen Anbau und von ihrem Leben im Winter in Höhlen auf La Gomera. Es machte Lust, auch mal ohne Geld und total unabhängig von allem zu leben, es war wirklich eine Quelle der Inspiration, was Leben noch so alles bedeuten kann. In der Stadtmitte wurden wir herausgelassen, suchten noch eine Weile nach der Autobahnauffahrt und fuhren mit der Straßenbahn ein Stück. Es war kein guter Platz zum Trampen. Unterwegs hatte sich sich das Wetter deutlich geändert - von zunächst noch strahlend blauem Himmel in Rumänien über Nieselregen eine Stunde vor Budapest zu beharrlichem Dauerregen in Budapest. Jetzt standen wir also im Regen und warteten. Schließlich hatte unser Freund als erstes Glück – zwei Deutsche wollten ihn bis kurz vor Wien mitnehmen, aber sie hatten eben nur Platz für eine Person. Die Österreicherin und ich blieben stehen und warteten. Unsere Schilder, auf denen Wien / Bécs (der ungarische Name für Wien) oder A und zum Schluss Györ stand, durchweichten immer mehr und auch wir waren triefend nass. Nach bestimmt eineinhalb Stunden gaben wir auf. Wir wollten den Zug nehmen. Wir überlegten noch, dass wir vielleicht mal unseren Freund kontaktieren sollten, als die Wienerin feststellte, dass sein Handy in seiner Jackentasche war – und die Jacke hatte sie sich geliehen, da er ja im trockenen Auto saß und wir noch ein Weilchen im Regen stehen mussten. Wir überlegten, wie wir ihn kontaktieren könnten und kamen darauf, dass wir ihm eine Email schreiben sollten. Wir kauften ein Ticket nach Wien, gingen kurz ins McDonalds am Keleti-Bahnhof, da es dort kostenloses W-Lan gab und stiegen in den Zug. Meiner Freundin fiel noch ein, dass wir ihm vielleicht die Handynummer schicken sollten und sie rief ihren Bruder an, damit der das über Facebook tat. Und tatsächlich, irgendwann klingelte das Telefon und er rief an. Er war ihn Wien, er würde zum Bahnhof kommen. Wir gingen dann gleich zu unserer Freundin nach Hause und schliefen zu dritt in ihrem Bett. Für mich gab es keine Stadttour in Wien, denn am nächsten Morgen wollten wir aufbrechen, um das restliche Stück nach Regensburg zu schaffen.

Mittwoch, 12. September 2012

Angekommen in Cluj

Die dritte Etappe der Rumänien-Reise

Ich bin gestern Nacht mit dem Nachtzug aus Bukarest nach Cluj gefahren. Im Archiv hatte ich schon alles durch und war wenig motiviert, noch viel mehr zu machen - nach sechs Stunden mit rumänischen Texten im kommunistischen Stil war ich einfach zu fertig, um noch irgendwas aufzunehmen. Ich hatte alle bestellten Akten durchgearbeitet und machte Feierabend. Doch was nun? Ich hatte ja einen weiteren Tag fürs Archiv eingeplant und nun war schon fertig, konnte also eigentlich auch nach Cluj fahren, einen Tag eher als gedacht. Dort noch meinen Sprach-Tandem-Partner treffen und ein wenig Rumänisch und Deutsch schwätzen, und natürlich die zwei Erasmus-Studenten, die gerade ebenfalls in der Stadt waren.
Ich hatte noch zwei Stunden, bis der Zug abfahren würde und so beschloss ich, zum Bahnhof zu laufen. Ich hielt noch einmal für ein paar Fotos an und schaute in eine Buchhandlung, dann war ich am Bahnhof und kaufte ein Ticket. Der Zug hatte bereits eine Stunde vor Ankunft eine angezeigte Verspätung von 10min, das weitete sich scheibchenweise bis 50min aus, als er schließlich einfuhr. Ich stand vor der großen Anzeigetafel und wartete, dass das Gleis angezeigt würde und las Anna Gavalda (ich berichtete...). Neben mir hätte Elvis vorbeilaufen können, ich war total gebannt von dem Buch. Und schaute immer mal erschrocken auf, ob auch niemand diesen abwesenden Zustand nutzte und mich beklaute, ich war ja immer noch in Bukarest und nach dem Vorfall in Varna auch etwas vorsichtiger.

Sonnenaufgang in Transilvanien - kurz vor Ankunft des Zuges in Cluj

Ich kam morgens um halb sieben in Cluj an und lief erstmal durch die Stadt. Ich genoss das Schlendern durch die Straßen. Ich liebe den Moment, wenn die Stadt erwacht und genau diesen Moment erlebte ich mal wieder.




Als ich bei meiner Erasmus-Mitstudentin und Freundin vor der Tür stand und sie anrief, um mich hereinzulassen, freuten wir uns beide sehr über das Wiedersehen. Sie hatte erst abends mit mir gerechnet. Schön, wieder in Cluj zu sein!

Montag, 10. September 2012

Vom Allgäu nach Bukarest

Die zweite Etappe der Rumänien-Reise


Ich habe in meinem eigentlich recht schönem Hotelzimmer keinen guten Schlaf gefunden, ich bin ja vor Reisen immer etwas aufgeregt, und noch dazu zu wenig. Es hat aber dann alles geklappt, ich bin früh halb sechs durch die düstere Stadt getappt und war zu früh am Busbahnhof, bin dann zum Flughafen gefahren und war wiedermal viel zu früh da. Eineinhalb Stunden, das ist eigentlich schon ziemlich wenig für meine Verhältnisse, die ich immer extra Zeit einrechne, „falls unterwegs was schief geht“.

Der Flieger über Traumlandschaften und Wattewölkchen, dazu noch die tiefstehende Sonne – Perfektion aus einem 20-mal-30-cm-Guckloch. Dazu Anna Gavalda, die ich mit „Alles Glück kommt nie“ lieben gelernt habe. Jetzt lese ich „Zusammen ist man weniger allein“ und ärgere mich, dass es nicht viel mehr Bücher von ihr gibt. Den Band mit Erzählungen habe ich auch schon durch. Ich versuche mich immer zu stoppen und das Buch immer mal wieder wegzulegen, denn wenn ich es weiter in dem Tempo verschlinge, habe ich es heute Abend durch. Und das wäre schade. Ich möchte es noch herauszögern.



In Bukarest angekommen habe ich erst einmal meinen für teuer Geld bei Wizzair erstandenen Shuttle-Bus in die Stadt verpasst, weil ich an der falschen Stelle stand und habe dann nach einer Ewigkeit warten doch den normalen Linienbus genommen. Dann das Hostel gesucht und gefunden – liegt in einer netten Gegend voll von ehemals schönen Villen und Einfamilienhäusern, die nun zum großen Teil sehr heruntergekommen sind oder gerade super protzig wieder herausgeputzt werden. Ich muss morgen mal das Haus mit den goldenen griechischen Säulen fotografieren. 

Kaum war ich im Hostel bin ich ins Archiv gesprintet und saß eineinhalb Stunden vor einem Mikrofichelesegerät – ganz schön anstrengend. Leider auch nicht ganz das Erhoffte dabei, dennoch immer wieder spannend. Geschichte ist schon irgendwie das richtige für mich. Ich war ein bisschen genervt von den handgeschriebenen Notizen auf schlecht lesbaren Mikroaufnahmen und einem verdreckten Anzeigegerät. Ich hatte gerade eine Akte vor mir, die ein Informant der Staatssicherheit über das rumänische Exil geschrieben hat. An den Rand war handschriftlich folgendes gekritzelt:

Adrese și nume găsim și în materiale publice 
– Așteptam informații secrete!

Adresse und Name finden wir auch in öffentlichen Materialen
 – Wir erwarten Geheiminformationen!

Witzig, dass man das einem Geheimdienstinformanten erst erklären muss...

Sonntag, 9. September 2012

Sonntag, strahlend blauer Himmel, im Allgäu

Die erste Etappe der Rumänien-Tour


Ich habe einen Wizzairflug gebucht nach Rumänien, weil Bahn zu teuer, zu kompliziert und zu langwierig war und die Lufthansa bei kurzfristigen Flügen immer ziemlich viel Geld will. Der Flug jetzt ist ein Schnäppchen - der Haken an der Sache - ich fliege vom Allgäu-Airport. Und der ist, auch wenn er bei manchen Billigfliegern als München-West bezeichnet wird, leider sehr sehr weit weg von München (so wie "Frankfurt"-Hahn und Frankfurt). Also habe ich mich entschieden, einen Tag eher hinzufahren, ein Hotelzimmer zu buchen und dann von Memmingen aus zum Flughafen zu starten. Da gibt es einen Bus, das ganze dauert angeblich eine Viertelstunde. Ist immer noch weit billiger als Lufthansa.
Deswegen bin ich heute nach kurzem Aufenthalt in meiner Regensburger Wohnung zum Bahnhof geradelt, einen Rucksack mit meinem Reisegepäck auf dem Rücken und bin nach Memmingen gefahren, 3 Stunden und 14 Minuten von Regensburg aus. Da habe ich mich, als ich am Bahnhof ankam, zunächst geärgert, so früh aufgebrochen zu sein, denn ich habe natürlich auch die Hälfte vergessen, und die Stadt machte zunächst keinen guten Eindruck. Dann hat es sich aber doch gelohnt - ein hübsches Städtchen mit ganz vielen ganz alten Gebäuden. Ich hatte sogar mal wieder Lust, ein bisschen zu fotografieren. Die erste Etappe ist also geschafft. Morgen muss ich dann sehr früh raus und 6.08 den Flughafenzubringer erwischen, 8.00 Uhr geht dann mein Flug und gegen Mittag bin ich in Bukarest.

Hier ein paar Bilder:

Kein Wölkchen und ein Wahnsinnsblau

Eine Nervenkeksbäckerei!?

Der Kirchturm der evangelischen Kirche in Memmingen

Ein Stadtheiliger

Eine Figur in der evangelischen Kirche

Freitag, 7. September 2012

Plans, replanned.

Vier Ziele in vier Wochen, mein Leben bleibt rasant. Aber die Zeit, bevor ich am Schreibtisch sitze und jeden Tag höchstwertvolle Gedanken in die Tastatur hacke, will genutzt sein. Deswegen geht es nochmal los, bevor es ernst wird.

 1. Bukarest und zurück 

In drei Tagen sitze ich wieder im Flieger nach Bukarest, diesmal ist er klein und pink und Abflug ist am Allgäu-Airport. Das ist schon abenteurlich genug (ich war noch nie im Allgäu *zwinker* ), aber es kommt noch besser. Wenn alles klappt, treffe ich einen Erasmus-Kollegen und zurück geht es per Autostop. Das war lange geplant, hat erst nicht geklappt und ist nun spruchreif. Ich freue mich wahnsinnig darauf!

 2. Brno und eine kleine Tour de Tchèquie

 Eine liebe Freundin und Mitstudentin aus Regensburg muss ihr Auslandssemester in Brno antreten. Das ist eine wunderbare Gelegenheit, dieses Land einmal komplett zu durchqueren und sie hinzubringen, wo sie hinmuss. Vielleicht klappt es ja, auf dem Rückweg noch eine andere Freundin vom Seminar in Prag abbzuholen und ins Auto zu packen. Wäre doch großartig, nicht?

Das musste leider ausfallen, aber Tschechien bleibt ja in der Nähe... vielleicht später mal. 

 3. Rumänien in Freiburg

Eine Rumänische Bibliothek gibt es in Deutschland und die befindet sich ausgerechnet am Südwestzipfel. Und wird von älteren Rumänen geführt und hat drei Stunden pro Tag auf. Einen guten Grund hinzufahren gibt es dennoch - ich brauche Quellen für meine Masterarbeit. Also, auf nach Freiburg, soll ja sehr schön sein.

 4. Belgrad und Sarajevo

Abgesehen davon, dass ich mich wie irre auf meinen vierten Aufenthalt in Belgrad freue, sehr hoffe, meinen Couchsurfer wiederzutreffen, und einen Blick von Kalemegdan auf Donau und Sava werfen zu können, habe ich das erste Mal die Gelegenheit nach Sarajevo zu fahren. Ich bin sehr neugierig...


Eine ganz schön enge Planung, vielleicht wird das ein oder andere am Ende nicht klappen, aber im Großen und Ganzen sollte es doch funktionieren. Ein ereignisreicher Herbst liegt vor mir, denn im Oktober muss ich ja auch noch die Masterarbeit anmelden.

Montag, 20. August 2012

In Zagreb einmal um die eigene Achse drehen

Die letzte Station, der letzte Zug nach Hause

Mein Belgrader Gastgeber brachte mich zum Bahnhof, wo wir ein Weilchen hatten, um Abschied zu nehmen. Seltsame Situation, wie wir da so standen und uns anschauten. Der Zugbegleiter, bei dem ich noch den Aufschlag für das Nachtzugticket kaufen musste, war wohl offensichtlich betrunken, wie mich mein Belgrader Freund hinwies und ich sollte vorsichtig sein, was ich bezahlte.
Irgendwann rollte der Zug aus Belgrad heraus, ich trank ein warmes Bier, das ich beim Zugbegleiter noch gekauft hatte und saß auf meiner Liege. Es war ziemlich warm und ich schlief praktisch nicht in dieser Nacht. Nach all den missglückten bzw. nichterfolgten Wecken durch Schaffner, war ich misstrauisch. Ich war allein im Abteil und hätte das eigentlich nutzen können. Naja, das tat ich auch, indem ich eben mehrmals aufstand und aus dem Fenster schaute. Kann man ja auch nicht, mit weiteren fünf Personen und Gepäck und Liegen überall. Folgendes beobachtete ich, keine Ahnung, ob wir da schon in Kroatien oder noch Serbien waren:



Irgendwann furchtbar früh kamen wir in Zagreb am Bahnhof an. Keine Wechselstube offen und ich war ja ohne Geldkarten unterwegs seit Varna. Also latschte ich in die Stadt, mitsamt meinen zwanzig Kilo auf dem Rücken. Irgendwann kam ich an einem schicken Vier-Sterne-Hotel vorbei. Ich stank bestimmt, ich war müde und verschwitzt, aber es war mir egal. Ehe ich weitere siebenhundert Meter oder wie weit es noch war, ins Zentrum lief, wollte ich es versuchen. Sie tauschten mir ausnahmsweise mein Geld, zehn Euro wollte ich ja nur. Ich drehte um, schloss meine Sachen in einem Bahnhofsschließfach ein und kaufte mir etwas beim Bäcker. Dann erneut in die Stadt und jetzt genoss ich es. Eine Stadt, die gerade erwacht, hat immer etwas magisches, finde ich. Noch kein Verkehr, alles noch in einem morgendlichen Licht, noch kurz vor der Hektik des Berufsverkehrs, keine Touristen und das Tagesgeschäft der Anwohner beginnt. Ich lief kreuz und quer umher und genoss es. Ich war ganz schön kaputt vom Schlafmangel und bald auch vom Umherirren und so setzte ich mich denn auch erstmal auf eine Treppe und las. Dann ging es weiter, auch in die Touristinfo.








Was war das wichtigste, was ich in Zagreb tat? Hm, vielleicht drei Dinge:

Der Mirogoj-Friedhof, beeindruckend, heiß, bedrückend (weil gerade auch eine Beerdigung stattfand und ich mit meiner blöden Kamera Tudmans Grab suchte), wunderschön die Arkadengänge.







Ein Second-Hand-Plattenladen, wo der Verkäufer sich bemühte, mir etwas kroatische Musik herauszusuchen, die ich kaufen würde. Leider nichts, was mich vom Hocker gehauen hat dabei, aber dafür ein wahnsinnig netter Inhaber, wie gesagt, sehr bemüht. Der Laden hieß Dobar Zvuk und ist in einem Hof in der Preradoviceva 24 versteckt.

Das Museum der zerbrochenen Beziehungen, wo Artefakte auseinandergegangener Liebender ausgestellt werden. Aufmunternd? Nun ja, nicht wirklich, auch wenn das eine oder andere Ausstellungsstück ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubert. Das Ende einer Reise mit zerbrochenen Beziehungen zu verbinden, warum denn eigentlich nicht?











Das Schild des Museum ist links unten im Bild zu sehen. 




Zwischendurch kaufte ich mir ein Eis in einem Supermarkt und musste dafür siebzig Kunar bezahlen. Ungefähr, genau weiß ich es nicht mehr. Jedenfalls mischte sich unter die Zehner auch ein serbischer Dinar-Schein und ich wurde von der Verkäuferin nur angeblafft: "Euro nehmen wir nicht!". Das war mein amüsantestes Zagreb-Erlebnis.

Irgendwann nahm ich dann den Zug nach Deutschland. Schlief ziemlich schnell, schlief durch, bekam die Zusteigenden nicht mit, schlief bis München. Der Alex-Zug nach Regensburg, den ich wohl auch schlafwandelnd finden würde, vorher eine Stärkung bei Yormas, irgendwie alles bereits sehr "zuhause". Und dann abends meine Mädels, ein paar großartige Kurzfilme, Bier und immer noch ganz viel Müdigkeit. Aber wieder dahoam, wieder in den vertrauten vier Wänden, wieder auf der eigenen Matratze.

Und der Beste der Kurzfilme brachte mich wieder ein Stück nach Rumänien. Und am Ende waren sowohl der Protagonist als auch ich da, wo wir in dem Moment hingehörten:



Trailer "Hunde wie wir" from simon on Vimeo.



Einen schöneren Abschluss für eine großartige Reise kann es kaum geben. Alle Stationen zum Nachlesen gibt es, wenn man rechts unter Lables oder hier auf Balkantrip klickt.

Samstag, 18. August 2012

Nach Belgrad über verschlungene Pfade

Ich brach schweren Herzens aus Istanbul wieder auf, allerdings auch mit dem Ziel, in Belgrad meinen Lieblingscouchsurfer zu treffen, demzufolge freute ich mich auch auf meine nächste Station. Am Bahnhof erfuhr ich, dass es den von bahn.de angezeigten Direktzug nach Belgrad nicht gab. Existierte einfach nicht. Nun gut, also auf einen Anschluss in Sofia warten. Allerdings gab es streng genommen auch keinen Zug nach Sofia. Es gab einen Bus bis zur bulgarischen Grenze und von dort einen Zug nach Sofia. Ich kaufte mir einen Balkan-Flexi-Pass (5 Tage quer durch die Türkei, Griechenland, Rumänien, Serbien, Kroatien, Mazedonien und Montenegro für 50 Euro!) und einen Aufschlag für den Nachtzug, was ich später noch ein wenig bereute. Als der Bus für eine Pause hielt, quatschte ich einen jungen Tschechen mit einem T-Shirt von einem Klagenfurther Ruderwettbewerb an – ich dachte, er wäre Österreicher und ich könnte Deutsch mit ihm reden, ich war nämlich ziemlich müde und da fand ich das einfacher. Er stellte sich also als Tscheche heraus und verriet mir bereits, dass es keinen Anschlusszug in Sofia geben würde. Was ich ihm natürlich zunächst nicht glaubte. Schließlich meinte bahn.de... Aber lassen wir das.

Der Bus hielt schließlich nachts um zwei am Grenzbahnhof, wir stiegen aus und schnappten unser Gepäck und kampierten auf dem Bahnsteig. Denn Der Zug würde erst nach vier Uhr eintreffen. Das ist auch der Grund, warum ich es bereute, mit der Nachtzugkarte. Andererseits, so habe ich wenigstens ein paar Stunden geschlafen. Ich spielte mit dem Tschechen Dame, ich glaube, er schlug mich mehrmals und hing todmüde herum. Noch dazu war es nicht besonders warm, nachts um drei im Niemandsland zwischen der Türkei und Bulgarien und alle waren eigentlich recht leicht bekleidet. Mir ging alles auf die Nerven und so war ich froh, als der Zug einfuhr. Mit mir im Abteil ein paar britische Mädels, die sehr aufgeregt waren – ihre erste Nachtzugreise. Ich war weniger aufgeregt, sondern einfach nur müde und schlief durch. Bis der Schaffner irgendwann hielt und meinte: „Sofia!“. Ich versuchte die allgemeine Panik etwas zu dämpfen, in dem ich darauf hin wies, dass man immer eine halbe Stunde vor Zugeinfahrt geweckt würde. Wurden wir aber nicht. Zum Zeitpunkt, als der Schaffner an die Abteiltür klopfte, standen wir im Hauptbahnhof Sofia. Und er wollte uns nun möglichst schnell aus dem Zug haben. Ich raffte alles zusammen und traf in der Bahnhofshalle wieder den Tschechen und seinen ebenfalls tschechischen Freund. Sie hatten bereits ausgecheckt, dass es keinen Zug nach Belgrad gab, wo sie auch hinwollten. 

Ich hatte bereits in der Nacht mit dem Tschechen beschlossen, gemeinsam durch Sofia zu streifen, wenn dem so wäre, und so taten wir das dann auch. Wir gingen Richtung Innenstadt und hielten unterwegs am Thermalbad, wo wir am Brunnen ein wenig unseren Durst stillten. Das Thermalbad selbst war natürlich geschlossen, aber bei der Hitze kam auch niemand ernsthaft auf die Idee, sich in warmes Heilwasser zu legen. 

Die nächste Station war die Kathedrale, die mich beeindruckte. Eigentlich bin ich es ja leid, immer in irgendwelche Kirchen reinzugehen, die ja doch irgendwie alle gleich aussehen mit geringen Abstufungen und irgendwie zu versuchen, sich anständig zu benehmen, obwohl mir das Ganze rein gar nichts bedeutet. Ich fragte mich also mal wieder, ob ich nicht viel zu leicht bekleidet sei (in Rumänien gäbe es mit freien Schultern und ohne Kopfbedeckung zum Teil schon Ärger mit dem Priester), ging dann aber doch rein, schaute zur Decke und war beeindruckt. Ich machte die letzte Aufnahme, die meine Kamera noch hergab von dem Gemälde in der Kuppel, das einen rauschebärtigen, erleuchteten Gott zeigt, der die Arme weit ausbreitet. Es gefiel mir. Auch wenn ich wie gesagt, keinen Bezug zum Christentum und zu Gott habe, sprach es mich an in dem Moment.

Danach noch zum Stadion, vorbei an einer Art riesigem kommunistischen Paradeplatz mit entsprechenden Denkmal - "Monument der Sovjetischen Armee", wo gerade eine Art – aufgrund der Hitze sehr schlecht besuchte – Rave stattfand. Aus den Boxen schallte ironischerweise in ohrenbetäubender Lautstärke „We are the people – We got the power“. Aha. Zusammen mit den Helden des antifaschistischen Widerstands, die auf dem Denkmal dargestellt waren, gab das einen entzückenden Gesamteindruck.


(Bildquellen: http://bg.wikipedia.org/wiki/%D0%A4%D0%B0%D0%B9%D0%BB:Soviet_army_monument_in_Sofia_%28Bulgaria%29.JPG und http://en.wikipedia.org/wiki/File:Monument_to_the_Soviet_Army,_bas-relief_at_the_column_foot._3.JPG)

Nach einem ausgedehnten Spaziergang bei gefühlten 45°C im Schatten (tatsächlich wohl etwa zehn Grad weniger), begaben wir uns noch auf den Markt und deckten uns mit Obst und Keksen für die Weiterreise ein. Irgendwann ging ich dann noch allein in die Moschee und die zentrale Markthalle. Meine Kamera streikte übrigens in Sofia, der Akku wahr leer und der Ersatzakku in dem Rucksack, den ich bei der Gepäckabgabge im Bahnhof gelassen hatte. Aber soviel war auch nicht zu dokumentieren in Sofia – es war heiß und relativ menschenleer, es war ja auch Sonntag, so weit ich mich erinnere. 


Irgendwann hockten die zwei Tschechen und ich wieder am Bahnhof und wir warteten eigentlich nur noch auf unseren Zug. Ich hatte wieder einen Liegewaagen gebucht, die Männer gönnten sich diesen Luxus nicht. Ich teilte mein Abteil mit einer Japanerin, im Abteil nebenan war eine Belgraderin, mit der ich mich auch kurz unterhielt. Sie kaufte mir in Belgrad schließlich noch eine Fahrkarte für die Straßenbahn (die ich aber auch noch vergaß zu entwerten) und ließ mich von ihrem Handy aus meinen Couchsurfer anrufen. Es war früh um sechs, eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass der Zug früh um vier in Belgrad ankommen würde und das meinem Gastgeber auch so geschrieben per SMS. Er war jedoch sehr verwirrt, als er ans Telefon ging. Er sagte mir, welche Straßenbahn ich nehmen musste und wollte mich an der Haltestelle abholen. Dort stand er dann auch und wir gingen zu ihm, wo wir erst einmal noch ein paar Stunden schliefen.
Die Zeit bei ihm war sehr ruhig, der Ausklang der Reise, wenn man so will. Ich habe im Rückblick das Gefühl, ich wäre die ganze Zeit über sehr stumm gewesen und ich war auch einfach nur fertig nach Zügen über Zügen und immer wieder neuen Orten, Menschen, Reisebekanntschaften. Immer wieder muss man nett sein, etwas von sich erzählen, interessiert wirken und freundlich lächeln. Natürlich sollte man das immer, aber auf Reisen mit diesen Reiseabschnittsbekanntschaften ist es anstrengend, immer wieder seine Geschichte vorzutragen, immer wieder nett zu sein, wenn man doch eigentlich denkt: „Diese verdammten Interailer, fünfzehn Städte zwischen Istanbul und Barcelona in zwei Wochen... Die nerven!“ Und im Endeffekt war ich auch nur mit einer Art Interail-Ticket unterwegs und nur, weil ich bestimmt schon über zehn Nächte in Schlafwaagen verbracht hatte, war ich auch nicht besser als die Leute auf Abifahrt.
Jedenfalls freute ich mich, ein bekanntes Gesicht zu sehen, wieder bei dieser wunderbaren Familie aufgenommen zu werden, wo ich mich einfach nur fallen lassen konnte. Es war immer noch unerträglich heiß und so taten wir nicht viel, außer schlafen, quatschen, drinnen rumhängen. Abends gingen wir etwas trinken und vor meiner Weiterreise gingen wir noch zum See baden.
Leider blieb ich nur zwei Tage. Ich wollte noch einen Zwischenstopp in Zagreb machen, ehe ich komplett nach Hause fuhr. Von dort hatte ich ein weiteres Nachtzugticket nach München. Und das ist dann auch die letzte Geschichte dieser Reise. 

Das einzige Bild, dass ich von Belgrad geschossen habe - der abfahrende Zug, im Hintergrund rechts noch ein bisschen Novi Beograd. Wer Bilder will, schaut sich hier die vom letzten Mal Belgrad an: http://lost-in-cluj.blogspot.de/2012/05/balkan-roadtrip-deluxe.html oder hier von einer Exkursion 2011: http://lost-my-name.blogspot.de/2011/06/belgrad-mai-2011_01.html und http://lost-my-name.blogspot.de/2011/06/belgrad-mai-2011.html.