Gemeinsam mit einem Kollegen brach ich
am Sonntagabend nach Suceava auf, da dort ab Montagabend ein
Radioworkshop einer anderen Entsandten aus der gleichen Organisation
wie ich stattfinden würde. Ich freute mich auf das Wiedersehen und
zudem auf den Workshop, da ich mir erhoffte, auch noch ein wenig
dabei zu lernen.
Die Fahrt nach Suceava dauert etwa 14
Stunden. Es gibt zwei Züge täglich, davon geht einer über Nacht.
Da man sich zwar die Landschaft anschauen kann, aber das 14 Stunden
lang auch nicht unbedingt immer interessant ist, entschieden der
Kollege und ich uns für den Nachtzug. Zwei Tage vor Abfahrt wiesen
wir ihn in der Redaktion noch darauf hin, dass es ja auch Liegewagen
gäbe und man so die Nacht viel entspannter zubringen könnte. Er
machte sich daraufhin auf, um noch die Reservierung zu kaufen.
Wir trafen uns kurz vor Zugabfahrt –
er beladen mit Rollkoffer, Umhängetasche und einer weiteren Tasche,
ich mit eher kleinem Rucksack und Umhängetasche, nur um noch mal die
für mich eher unübliche Gepäckverteilung zu rekonstruieren – und
machten uns auf, unserer jeweiligen Plätze zu suchen. Da diese so
kurzfristig gekauft waren, waren sie an unterschiedlichen Enden des
Abteils, aber ich setzte mich erst zu ihm ins Abteil, um zu
quatschen, später kam er noch zu mir mir ins Abteil.
Die Stadt ist die Stefan der Große
Stadt Rumäniens. Überall stolpert man über Denkmäler an ihn oder
solche, die so aussehen, aber für seinen Sohn und späteren
Thronfolger Petru Rares sind.
Wir schauten uns auch noch kurz das
Kloster an, aber als sich in der Klosterkirche vor irgendeiner
Reliquie die Gläubigen vor dem Pastor knieten, um gesegnet zu
werden, wurde es uns ein wenig zu bunt und wir gingen wieder. Wir
tranken noch eine Limo, respektive Pepsi auf einer Terasa und gingen
dann zum Deutschen Kulturzentrum, wo der Kennenlernabend stattfinden
würde. Sieben Jugendliche hatten sich eingefunden, um mit uns fünf
Tage lang einen Radioworkshop zu machen. Bei ein paar Gebäckstücken
näherten wir uns an.
| Busfenster!? |
Die Radiobeiträge der Schüler
überraschten mich. Die Zweifel vom Anfang, ob man mit Schülern, die
Deutsch nur als zweite Fremdsprache lernten, einen deutschen
Radiobeitrag zusammenbauen konnte, zerstreuten sich. Alle Beiträge
waren gut und vor allem sehr interessant, aus verschiedenen
Bausteinen aufgebaut und einige waren ganz schön lang geworden. Nach
der Abschlusspräsentation machte ich mich mit dem Kollegen wieder
auf den Weg zum Bahnhof, wo wir den Nachtzug erwischen wollten. In
einem vollen Abteil neben einer einzelnen Frau und einer dreiköpfigen
Familie richteten wir uns in den oberen Liegen ein und schliefen
ziemlich lange. Kurz vor zehn hielt ich es dann aber doch nicht mehr
im Bett aus und begab mich in ein leeres Abteil, wo ich noch ein
wenig las. Die vorbeiziehende Landschaft mit kleinen Dörfern,
Pferdewagen und bekopftuchten Omas passte perfekt zu der Athmosphäre
der bosnischen Stadt Wischegrad aus dem Buch.
Wer Stefans Mutter war, konnten wir im
Endeffekt dann doch nicht so ganz klären, wir fanden nur heraus,
dass der Gute wohl ein Bastard war. Ebenso übrigens Petru Rares,
sein Sohn, der ihm irgendwann auf den Thron folgte und vermutlich ein
Nichtsnutz war, da unter ihm die Festung der Stadt, die sein Vater
noch so tapfer verteidigt hatte, eingenommen wurde.
Leider hat die Zeit nicht für einen Ausflug in die Bukowina gereicht. Das wäre sicher schön gewesen, aber so muss erstmal ein musikalischer Ersatz herhalten...
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