Montag, 2. September 2013

Guten Morgen und herzlich willkommen bei Radio Temeswar!

So hätte sie in etwa ausfallen können, meine Begrüßung. Leider war der Anfang aber ganz schön verkorkst. Ich stand eine geschlagene Stunde herum und wartete auf die restliche Redaktion. An meinem ersten Arbeitstag. Aber von Anfang an...

Die Busfahrt nach Timisoara war eigentlich viel angenehmer als erwartet. Der Kulturschock nach dem Ankommen war nicht spürbar, da ich schon vorm Einsteigen das Gefühl hatte, in Rumänien zu sein. Vorm Dresdner Bahnhof saßen Zigeunende (so die politisch korrektere Bezeichnung, die jemand, den ich hiermit grüßen will, in den Raum geworfen hat) auf dem Bordstein und der Busfahrer sprach nur Rumänisch. Im Bus war es heiß und es roch irgendwie unangenehm, in der letzten Sitzreihe pennte ausgestreckt ein Rumäne, wobei sich sein Statusbauch hob und senkte. Ich schnappte mir den vorletzten Zweiersitz und okkupierte ihn. Irgendwie hatte ich angenommen, dass wir von Dresden aus durchfahren würden, aber bei einer kleinen Stadtrundfahrt durch Prag wurde schnell klar, dass wir wohl auch halten würden. Ich hatte den Eindruck, wir fuhren auch ein wenig im Kreis, aber das war nicht so schlimm, den die Burg war schön angestrahlt und ich genoss den Ausblick. In Prag standen wir noch Ewigkeiten herum, dann stiegen noch zuemlich viele Menschen zu. Auch in Brno kamen noch ein paar, aber ich hatte durch geschicktes Verteilen meiner Habseligkeiten meine zwei Plätze behauptet. Im Hinblick auf den Typen in der letzten Reihe, der die Dreistigkeit hatte, seine fünf Plätze zu verteidigen, fühlte ich mich auch durchaus im Recht. In Rumänien angekommen fuhren wir auch in Arad noch ein paar Mal im Kreis, waren aber trotzdem eine Stunde zu früh in Timisoara.


Kaum bin ich aus dem Bus gestiegen, rief mich auch schon mein Vermieter an, wo ich sei. Ich sagte ihm ebendas, ich wäre gerade aus dem Bus gestiegen. Er bot sogar an, mich abzuholen und mir mit dem Gepäck zu helfen, aber im Anbetracht der vielen Taxis die rumstanden, lehnte ich ab. Die zwei Euro, die es maximal kosten würde, hatte ich schon auch noch. Ein Fehler. Zuerst musste ich dem Taxifahrer auf der Karte zeigen, wo ich hinwollte, weil er die neuen Straßennamen nicht kannte - keine Ahnung, wann die Namen geändert wurden waren. Nach dem Krieg? Nach der Revolution? Nach der letzten Kommunalwahl? Jedenfalls hatte er keine Ahnung, wo die Henri-Coanda-Straße war. Erschwerend kam die Aussprache dieses Stücks Timisoara hinzu. Das erste Mal, als ich den Straßennamen hörte, verstand ich auch nur "Anricanda". Wo auch immer das ist. Das Witzigste kam aber eigentlich noch. Der Fahrer konnte mir, aber das war ja schon fast zu erwarten gewesen, auf meine 50 Lei (eta 11 Euro) nicht herausgeben, da ich nur 7 (etwa 1,70 Euro) Lei zu bezahlen hatte. Nach ewigem hin und her, bat er mich, doch im kleinen Lebensmittelgeschäft an der Ecke zu wechseln. Die Dame bedeutete mir, das könne sie nicht, wobei wie sie das sagte, auch irgendwie sehr danach klang, als wolle sie einfach nicht - tja, dort werde ich wohl jetzt nicht mehr einkaufen, Pech gehabt - aber ich könne ja in der Wechselstube fragen. Die zum Samstagvormittag allerdings zu hatte. Und auch aussah, als hätte sie schon länger nicht mehr aufgehabt. Jedenfalls gab ich dem Taxifahrer am Ende fünf Euro und er gab mir knapp zwei Euro in Lei raus, so dass er einfach mal ein fettes Trinkgeld von 100% einstrich. Und das, obwohl Trinkgelder normalerweise von Taxifahrern hier nicht erwartet werden, da die eh meistens den Preis runden.


Endlich in der Wohnung angekommen, regelten wir schnell alles, was noch zu regeln ist, wobei ich nur die Hälfte verstehe. Immerhin, Internet ist noch einen halben Monat bezahlt und um sämtliche Rechnungen zu bezahlen, muss ich nur zu irgendwelchen Banken und Büros gehen, von Onlinebanking hat der gemeine Rumäne scheinbar noch nie was gehört. Als der Vermieter mir den Schlüssel in die Hand gedrückt hat und verschwunden ist, schiebe ich erstmal alle Vorhänge zur Seite und ziehe alle Rollos hoch und jetzt wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich - die Wohnung ist total verdreckt. Am Wochenende bin ich nur mit Einkaufen und Putzen beschäftigt. Immerhin, gleich am ersten Tag kaufe ich mir auch ein Fahrrad auf dem Flohmark (und lasse mich etwas übers Ohr hauen), aber es erleichtert mir das Einkaufen ungemein. Die Stadt ist super zum Radfahren, keine Berge, keine Verkehrsregeln.


In der zweiten Nacht macht das uralte Schlafsofa, auf dem ich nächtige, endgültig die Krätsche. Ich habe das Gefühl, in einem Loch zwischen harten Eisenfedern zu schlafen. Schnell wird klar - ich brauche ein Bett. Nur ohne Ikea weit und breit gibt es echt einfachere Aufgaben. Für die nächsten Tage habe ich mir vorgenommen, Leute abzuklappern, die gebrauchte Möbel aus Deutschland importieren. Das ist mal wieder echt ironisch, aber was soll ich machen, ich will nicht für das eine Jahr hunderte von Euro für ein Bett und eine Matratze ausgeben.

Nachdem ich aus der Kuhle gekrochen bin, beim Duschen feststellen musste, dass auch das warme Wasser nicht so einwandfrei funktioniert, begab ich mich auf Arbeit. Ich hatte schon am Sonntag kurz in der Redaktion vorbeigeschaut, aber meine neuen Kollegen knapp verpasst. Der Pförtner meinte, um acht, halb neun, vielleicht auch neun, wäre am Montagmorgen sicher jemand da. Ich radelte also etwa halb neun los und war zehn Minuten später da. Und wartete eine geschlagene Stunde ehe irgendjemand anders auftauchte. Dann wurde die Wochenplanung durchgesprochen und ich erhielt eine erste Aufgabe. Später hörte ich noch beim Einlesen der Nachrichten zu und ging mit auf eine Pressekonferenz.

Mein erster Eindruck - alles nicht so einfach und mal schauen, wie es sich weiter entwickelt. Die Wohnung war sicher nicht die beste Wahl, aber ich will jetzt erstmal hierbleiben, wenn die Probleme weitergehen, muss ich mich aber nach was neuem umsehen. Von der Arbeit kann ich noch nicht viel sagen, ich hoffe, dass ich schnell eingebunden werde und auch eingelernt werde, was bis jetzt noch nicht so der Fall war, aber heute hatte auch keiner so recht Zeit für mich, nach diesem seltsamen Start.


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