Über Eine Woche ist schon vorbei - Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Erst recht, nachdem ich ein richtig gutes Wochenende hatte und noch habe, auch wenn Sonntag jetzt Rumgammeltag ist. Aber mal der Reihe nach...
Nach den anfänglich festgestellten Mängeln und einer Menge Einsatz von Putzmittel und Muskelkraft, sieht es inzwischen akzeptaber aus. Ich habe inzwischen raus, dass der Waschmaschinenabfluss, den ich in die Toilette hängen muss, das Bad nicht flutet, wenn ich die Waschmaschine etwas vorziehe. Ich habe mir ein kleines Tischchen als Schreibtisch vom Balkon geholt und die klebrigen Böden gewischt. Ich hätte noch gern einen Staubsauger, weil Teppiche ohne Staubsauger einfach bäh sind. Außerdem brauche ich früher oder später eine Matratze oder ein Bett, auch wenn ich inzwischen ganz ok darauf schlafe, aber ich merke, wie es meinem Rücken schadet.
Warmes Wasser gibt es scheinbar nur abends, was doof ist, wenn man morgens noch Haare waschen muss, und in der Küche gar nicht. Das Wasser trinke ich nur als Tee, also abgekocht, weil ich ihm nicht traue. Andererseits traue ich dem Trinkwasserbrunnen - Fantana publica - eine Straße weiter und hole mir dort mein Wasser. Besser als immer Mineralwasser kaufen. Damit kommen wir auch schon zur Gegend...
In der Richtung, in die ich jogge, ist auch ein richtig schönes Viertel, Fabric, die Fabrikstadt. Dort befindet sich auch die Bierbrauerei von Timisoarana, aber das ist nicht der Grund, warum ich das Viertel mag. Den Mittelpunkt bildet der Piata Traian, wo es eine Menge Ramschläden gibt, was praktisch für mich ist, weil ich letzte Woche die ganze Zeit auf der Jagd nach Waschbeckenstöpseln, Abflusssieben und Ähnlichem war. Obwohl es ein relativ heruntergekommenes Viertel ist, finde ich es echt gemütlich, gerade auch, weil es sehr lebendig ist. Es hat irgendwie mehr vom Charme alter Zeiten bewahrt als das Stadtzentrum, obwohl das ja architektonisch auch sehr an die österreich-ungarische Zeit erinnert.
Heute Abend geht es erstmal nach Suceava, in den Nordosten von Rumänien. Eine 14-stündige Zugfahrt steht mir bevor und dann sechs Tage Radioworkshop. Ich soll organisieren helfen, hoffe aber auch, dass ich ein bisschen mitmachen kann, weil ich ja auch noch viel zu lernen habe.
Die Stadt an sich ist einfach großartig. Ich kann mir gut vorstellen, hier ein Jahr zu leben. Ich liebe die Märkte, die Architektur, die Athmosphäre. Es ist so schön grün und wenn es Nacht ist, sieht man auch nicht, wie dreckig dieser Kanal, die Bega, ist, der langsam vor sich hin gammelt und dabei eine Fließgeschwindigkeit eines schlafenden Mulis hat. Das ganze Wochenende ist Bega-Bulevard-Festival, das heißt an einem Abschnitt des Flusses ist eine Bühne aufgebaut und verschiedene Stände, es gibt Spiel, Spaß, Musik und gute Laune. Ich habe eine Mitarbeiterin vom Deutschen Kulturzentrum wiedergetroffen, die ich schon beim Projekt kennengelernt habe und habe auch weitere Kontakte geknüpft. Am Freitag habe ich mich mit ein zwei Couchsurfern und noch zwei Freunden von ihnen getroffen und bin dann noch mit einer davon, einer spanischen Couchsurferin zum Festival gegangen. Wir saßen am Kanal und hörten uns das Pianokonzert an, was auf der anderen Seite des Kanals auf einer Bühne stattfand und sahen uns die Feuershow an, die das ganze begleitete. Es war ein echt stimmungsvoller Abend. Tags darauf, also gestern, bin ich wieder zum Festival, um mich mit einer deutschen Praktikantin vom Deutschen Kulturzentrum zu treffen und mit ihr Ideen für eine Ausstellung zu sammeln. Dabei habe ich noch zwei deutsche Freiwillige kennengelernt, die jetzt für ein Jahr in der Stadt in verschiedenen Sozialinstitutionen arbeiten. Am Abend habe ich mich dann noch mal mit dem rumänischen Couchsurfer getroffen, ein Ureinwohner der Stadt und nach einem Einstiegsbier waren wir noch am Piata Unirii und haben eine dreadlockige Freundin von ihm mit ihrem Hund getroffen und sind mit Freunden von ihm später noch in einen alternativen Club feiern gegangen. Dabei habe ich dann auch noch den Urheber des folgenden Videokanals auf Youtube wiedergesehen, der schon tags zuvor beim Bier dabei war. Hier also "Teile eine Cola mit einem Zigeuner". Vorsicht, sehr politisch inkorrekt. [Ich will damit keinerlei Diskriminierung oder diskriminierendes Verhalten oder Stereotypen und Vorutreile unterstützen. Ich will lediglich das Video eines lokalen Komikers zeigen.]
Wohnung
Warmes Wasser gibt es scheinbar nur abends, was doof ist, wenn man morgens noch Haare waschen muss, und in der Küche gar nicht. Das Wasser trinke ich nur als Tee, also abgekocht, weil ich ihm nicht traue. Andererseits traue ich dem Trinkwasserbrunnen - Fantana publica - eine Straße weiter und hole mir dort mein Wasser. Besser als immer Mineralwasser kaufen. Damit kommen wir auch schon zur Gegend...
Nachbarschaft
Das Haus an sich ist ziemlich ruhig, ich habe noch nicht viel von den Nachbarn gehört, nur einmal leise einen Fernseher. Die Riesenkreuzung vorm Haus ist halt schon ganz schön laut, aber die Fenster sind gut, wenn ich das nicht hören will. Ich bin tatsächlich mitten im Zentrum, aber auf der anderen Seite ist auch eine eher ruhige Gegend mit der Medizinfakultät und Wohngebieten. Dort gibt es auch den Trinkwasserbrunnen und ganz wichtig zur Mülltrennung: den Glascontainer. Ich habe auch schon eine Pizzeria entdeckt und einen Non-Stop-Lebensmittelladen. Einen Supermarkt gibt es auch in der anderen Richtung. Außerdem ist der Park der Kinder ganz um die Ecke und überhaupt relativ viel grün. Eine potenzielle Joggingstrecke habe ich auch schon ausgemacht, auch wenn ich mir fast die Beine gebrochen habe bei der ersten Nutzung, weil einfach mal Gehwegplatten einen halben Meter hoch vor mir aufragen, die wohl vom letzten Erdbeben in diese Position gebracht worden sind. Ich habe wirklich keine Ahnung.Fabric
| Bildquelle: www.banaterra.eu |
Märkte
Lebendig geht es auch auf dem angrenzenden Markt "Badea Cârțan" zu. Sämtliches saisonale und regionale Gemüse, was man sich vorstellen kann, wird dort angeboten. Zurzeit sind das vor allem Berge von Tomaten, Weintrauben, Pflaumen, Pfirsichen und Melonen. Ich habe vor den überreifen und schon einige Wochen in der Sonne angehäufelten Melonen genauso wenig Angst wie vom Trinkwasserbrunnenwasser und habe mir eine kleine mitgenommen, die ich dann über ein paar Tage genüsslich verspeiste. Außerdem habe ich die Flohmärkte ausgecheckt, einen Bericht davon gibt es da ja schon.Arbeit
Warum bin ich eigentlich hier? Ach ja... Anfangs war mir nicht ganz klar, was meine Rolle und Position sein würde und ob ich bloß eine billige Hilfskraft bin, inzwischen wird aber klar, dass man mir durchaus eigene Projekte anvertrauen will. Es geht so langsam los, ich werde eingebunden und verstehe mich auch super mit meinen Kollegen. Ich lasse mir erstmal viel erzählen, wie es läuft und höre aufmerksam zu, damit ich meine Projektideen an die Möglichkeiten vor Ort anpassen kann. Ich freu mich auf jeden Fall drauf und bin gespannt, was da kommt.Heute Abend geht es erstmal nach Suceava, in den Nordosten von Rumänien. Eine 14-stündige Zugfahrt steht mir bevor und dann sechs Tage Radioworkshop. Ich soll organisieren helfen, hoffe aber auch, dass ich ein bisschen mitmachen kann, weil ich ja auch noch viel zu lernen habe.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen