Ich dachte ja nie, dass ich einen Shopping-Haul-Blogeintrag machen würde, aber ich muss einfach mal teilen, was meine Ergebnisse eines Vormittages Rumwühlen sind. Ich war heute morgen auf den Märkten Aurora und Flavia hier in Timisoara und hatte eigentlich das Ziel mit einigen folgender Gegenstände wiederzukommen:
- Gabeln (die fehlen nämlich seltsamerweise im Besteckkasten meiner ansonsten ganz gut ausgestatten Wohnung)
- Gläser (ebenfalls, es sind nur Tassen da und das einzige vorhandene Glas bekomme ich partout nicht sauber)
- Pumps (für den gelungenen Büroauftritt, jetzt wo ich einen richtigen Job habe)
- Jeans oder Hose (meine einzige mitgebrachte Jeans ist mit einem lauten Ratsch eingerissen, als ich so neugierig war und auf einen Stuhl stieg um zu schauen, was noch so alles oben auf dem Schrank rumliegt)
- Schlafsack (wo auch immer meiner hinverschwunden ist, er bleibt verschwunden)
Ich bin mit der Vorstellung hingegangen, dass der Flohmarkt wohl ähnlich wie der in Cluj aussehen würde. Das heißt konkret - Stände mit Essen, eine Menge alter Leute, die ihre Habseligkeiten oder irgendwie erworbene Sachen auf Decken und wackligen Tischen ausbreiten, professionelle Händler, die Wohnungsauflösungen aus Deutschland, Fahrräder, Mopeds, Computer und Unterhaltungselektronik, Kleidung oder Schuhe anbieten.
Letzten Samstag habe ich mir schon schnell ein Fahrrad gekauft auf dem Flohmarkt. Es ist blau, ein Damenrad und heißt jetzt erstmal Isolde. Aber da ich recht spät dran war, habe ich das meiste verpasst und konnte mir kein so rechtes Bild vom Markt machen. Da ich letztes Mal nur auf dem Flavia-Markt war, bin ich diesmal zuerst auf den Aurora. Wie ich es von Cluj schon kannte, war ein kleines Eintrittsgeld fällig. 2 Lei zahlte ich, um so lange ich wollte zu stöbern. Der Aurora-Markt bietet fast ausschließlich Second-Hand-Kleidung und -Schuhe. Auf riesigen Tischen liegen und an Stangen und Ständen hängen die Klamotten. Manche sind teuerer und manche billiger, vieles ist Schrott, aber einiges ist noch ganz gut.

Ich suchte eine Sweatjacke, da meine alle zuhause bleiben mussten, weil sie schon etwas löchrig waren. Ich fand eine schöne, etwas dickere von einem bekannten schwedischem Modehaus in schwarz. Kostenpunkt 15 Lei (3,50 Euro). Die Schuhsuche war leider vergeblich, alles was mir gefiel, war entweder zu teuer für den Zustand oder zu durchgerockt. Dafür fand ich eine Jeans einer bekannten Marke mit französischem Namen für 5 Lei (1,10 Euro). Leider musste ich inzwischen, zuhause, feststellen, dass diese ein Loch im Schritt hat. Die Sachen kann man natürlich nicht anprobieren und es war mir klar, dass möglicherweise nicht alles passen würde, als ich bei einem Stand, wo es Hosen für 2 Lei (50 Cent) gab, zuschlug. Ich fand drei, zwei von den bereits genannten Marken, einmal Tweed, einmal Freizeithose, und eine schwarze no-name-Jeans. Davon passen zwei fast (einmal zu groß, aber noch ok, einmal minimal zu klein) und eine geht dann doch nicht so recht zu.
Nachdem ich noch ein paar Runden gedreht hatte, damit ich auch ja nichts übersehe, ging ich hinüber zum Flavia-Markt. Hier war der Eintritt drei Lei, dafür gab es praktischerweise drinnen einen Fahrradständer, so dass ich mich nicht mit diesem durch die Menge drängeln musste. Und für einen Lei (also 25 Cent) eine ziemlich saubere Toilette für Flohmarktverhältnisse. Ich stromerte ziemlich lange umher und erwarb schließlich, nachdem ich mir überall die Augen ausgeschaut hatte, 2 Gläser für je einen Lei (eins davon ist leider auf dem Heimweg zerbrochen) und vier Gabeln für drei Lei. Außerdem wühlte ich in einem Berg mit Schuhen, nachdem mir ein paar graue Stiefelletten ins Auge gesprungen waren. Besser gesagt war mir der rechte Schuh ins Auge gesprungen. Der linke verbarg sich weiter hartnäckig unter dem Schuhhaufen und wollte sich auch nicht zeigen, als mir das junge Romamädchen von vielleicht elf Jahren sehr engagiert beim Suchen half. Sie war die Marktschreierin und auch Verkäuferin, aber ihre Mutter assistierte und überwachte sie von einer bequemen Sitzgelegenheit neben dem Stand. Zum Vorschein kam aber haargenau der gleiche Schuh in schwarz, der leider minimal abgelaufener war, aber immer noch in einem Zustand, dass ich ihn für 10 Lei (3,50 Euro) getrost mitnahm. Beim Suchen haben sich noch ein paar süße graue Pumps gezeigt, beziehungsweise einer davon und als ich den zweiten nach einigen Minuten wühlen auch gefunden hatte, wollten auch diese von mir adoptiert werden.

Das Bummeln auf dem Flohmarkt war sehr entspannt. Ein paar junge männliche Roma versuchten zwar mit mir zu flirten, waren aber sehr unaufdringlich. Wenn mir etwas nicht gefiel oder der Preis nicht passte, ging ich einfach weiter, ohne dass jemand schrie oder schimpfte. Die Verkäufer waren alle gut gelaunt ("Machen wir zwei Lei?" - "Tut mir leid, Mama sagt nein."). Und Angst um meine Sachen hatte ich auch nicht. Ich war mit einem mittelgroßen Rucksack und einer Bauchtasche gekommen, so dass ich mein Geld immer schnell griffbereit und im Auge hatte. Mein Fahrrad ließ ich beim Aurora-Markt oft etwas abseits des Standes stehen, um zu wühlen, ohne, dass es mir jemand klauen wollte.
Die Märkte sind anders als der in Cluj, wo es zum Beispiel große Stände mit Armee-Ausstattung, von Trainingsjacken über lange Unterhosen bis zu Schlafsäcken gibt. Die Verkäufer in Timisoara sind meist Roma und auch die Stände mit Haushaltsauflösungsware sind geringer gesät. Gläser habe ich an zwei Ständen gesehen, mehr nicht, Gabeln ebenfalls. Die Bananenkisten voll mit Gläsern, Tellern, Tassen und Besteck fehlten fast vollständig. Aus einer davon hatte ich vor über einem Jahr in Cluj eine
Tasse vom Leipziger Weihnachtsmarkt geangelt.
Insgesamt habe ich 50 Lei ausgegeben, plus 5 Lei Eintritt und 1 Lei Toilettengebühr. Das sind 12,50 Euro für einen Rucksack voller nützlicher Dinge. Kann man mal wieder machen. Und wenn eine Hose nur 50 Cent kostet, ist es auch nicht schlimm, wenn die Hälfte nicht passt...
Für Klamotten gehe ich ansonsten lieber in die Secondhandläden. Oben ist noch ein Bild von meiner Beute eines Streifzugs in diesen. Für die Hose (ebenfalls von dem Hersteller mit dem französischen Namen und den roten Fähnchen an der Kleidung), zwei kleine Kissenhüllen und die Bluse habe ich 14 Lei bezahlt, für das grüne Kleid 10 Lei. Also reichlich 5 Euro insgesamt.
Ich finde es nicht schlimm, Sachen Secondhand zu kaufen. Ich finde es eher spannend, in den Läden zu schauen, weil ich so Sachen bekomme, die nicht irgendeinem seltsamen Modetrend folgen, den ich vielleicht gerade nicht mitmachen will. Natürlich finde ich auch den finanziellen Aspekt reizvoll, aber vor allem ist es auch der ökologische Aspekt, der mich dazu bringt, nicht alles neu zu kaufen. Wir wissen inzwischen alle, wie die Textilien, die wir bei den großen Modeketten kaufen, hergestellt werden. Das möchte ich nicht unnötig unterstützen (auch wenn ich darin nicht ganz konsequent bin). Solange die Sachen noch intakt sind, aber nur nicht mehr passen oder gefallen, sollte man sie in irgendeiner Form zur Weiterverwendung geben. Darüber habe ich ja schon mal gebloggt. Aber das ist nur die eine Seite. Durch Second-Hand-Kleidung glaube ich, meinen ökologischen Fußabdruck geringer zu halten. Und solange die Klamotten oder auch Dinge soweit zu reinigen sind, dass ich sie ohne Bedenken verwenden kann, habe ich kein Problem damit, etwas zu kaufen, was vorher auf einem staubigen rumänischen Flohmarkt in einer Bananenkiste lag.