Donnerstag, 24. Januar 2013

Wladimir Kaminer - eine literarische Reise mit vielen Abstechern

Wladimir Kaminer ist ein großer Erzähler. Er schafft es, in zwei Stunden so viel zu erzählen, dass einem beim Herausgehen angenehm wattig der Kopf schwirrt und man unbedingt auch einen Onkel Wanja, schwäbische Nachbarn und einen Garten in der brandenburgischen Pampa haben will. Noch viel stärker ist Wunsch nach einer Russendisko, spätestens am nächsten Wochenende.

Kaminer begann damit zu erzählen, wie er als Repräsentant der deutschen Kultur und Literatur überall auf der Welt - von Rio bis Sankt Petersburg - auf Buchmessen eingeladen wird und Russendiskos ausrichten muss. So skurril wie das klingt, ging es dann weiter mit Texten aus seinen Büchern und unveröffentlichten Essays, immer wieder unterbrochen von ganz langen Erzählpassagen. Dabei passierte es schon mal, dass er den Text, den er gerade las, in dem Fall "Deutsche Männer" mehrmals unterbrach, um über irgendetwas relativ Abwegiges zu schwadronieren und dann wieder zu den deutschen Männern zurückzukehren, die wohl mit ihrer fehlgeleiteten bzw. fehlenden Paarungsinitiative nie eine Frau abbekommen würden.

Manchmal fragte ich mich, ob das tatsächlich sein reales Leben war, was er da erzählte und empfand ein bisschen Mitleid mit seinen pubertären Kindern, deren Leben er unweigerlich auch zu Literatur verarbeitete, sehr unterhaltsamer immerhin. Aber es ist im Endeffekt total egal, ob es Onkel Wanja, der auf jeder Fotografie seines Albums aus einem anderen Grund fehlt, tatsächlich gibt oder nicht - solange sich Kaminer literarisch an den Bahnsteig begibt, um ihn vom Zug aus Moskau abzuholen und mit ihm abenteuerlich durch Berlin zu stolpern.

Ich hatte natürlich wie fast alle Zuhörer auch den unmittelbaren Impuls, mir wenigstens drei seiner Bücher zu kaufen, denn das ganze war eine ganz wunderbare Werbeveranstaltung für seine Werke. Ich ließ es dennoch sein und begnügte mich mit Plakaten, für die ich noch einen schönen Platz finden muss. Und zwar nicht, weil ich die Bücher nicht verschlingen würde, sondern weil ich mir dachte, dass ich sie von ihm vorgelesen bekommen möchte, mit diesem absurden russischen Akzent, der immernoch unüberhörbar ist und die Texte erst authentisch und noch einmal ein paar Nummern witziger macht. Also werde ich mir das ein oder andere Hörbuch von Herrn Kaminer besorgen.

Hoch muss ich ihm auch anrechnen, dass seine Show sehr authentisch wirkte und er nicht den Eindruck machte, das gleiche einstudierte Programm bei jeder Lesung abzuspulen. Zudem präsentierte er eine feine Auswahl seines Schaffens - von frühen Texten bis hin zum neuesten Buch und noch unveröffentlichten Kurzgeschichten und kommentierte diese auf sehr unterhaltsame Weise. In jedem Fall weiterzuempfehlen!

Dienstag, 1. Januar 2013

Ein gutes altes Jahr, ein gutes neues Jahr

Das letzte Jahr war durchwachsen, es gab einige harte Momente, aber insgesamt war es ein großartiges Jahr. Ich bin viel herumgekommen, dass ich die Möglichkeit dazu hatte war eine glückliche Fügung. Ich habe ganz viel gelernt dieses Jahr und bin soweit vorangekommen. Ich weiß immer noch nicht genau, was ich will, aber das ist nicht mehr so schlimm. Das Wichtigste war wohl die Erkenntnis, dass es alles irgendwie klappt. Ich habe viele neue Ideen und Impulse bekommen und neue Sachen ausprobiert, die ich unter anderem Umständen vielleicht nicht gemacht hätte. Ich habe Freundschaften geschlossen und intensiviert, eine Menge Menschen kennen und schätzen gelernt, die wohl zu den Besten auf dieser Welt gehören. Meine Leidenschaft für Musik ist wieder aufgekeimt und obwohl ich immer noch ganz schön beschränkt bin in meinem Geschmack, habe ich mich doch auch auf neue Sachen eingelassen. Ich war wieder viel bei Konzerten, ich habe wild und selbstvergessen getanzt. Ich bin meine Abschlussarbeit angegangen und wie auch immer es am Ende wird, ich weiß, dass ich es schaffen kann, wenn ich es einfach anpacke.


Hier eine schnelle Jahreszusammenfassung in Bildern...








Dienstag, 25. Dezember 2012

Palim palim...

Es gab Weihnachtsgeschenke. Juchhu. Und ich habe so etwas unvorstellbar kitschiges bekommen, dass ich selber noch nicht weiß, ob ich es einfach nur furchtbar hässlich oder eigentlich ganz witzig finden soll. Wenigstens war niemand, der mich kennt, so dreist, mir so etwas unglaublich unpassendes zu schenken. Nein, das Geschenk kommt von der landwirtschaftlichen Genossenschaft, an die ich ein Stück Wiese verpachtet habe. Ja, ein Stück Wiese, denn ich habe selber kein Schafe, Kühe, Pferde, die ich drauf stellen könnte und irgendjemand muss da ja ab und zu Gras mähen. Das ganze bringt mir jedes Jahr ein paar Euro ein, nicht der Rede wert, aber was die Genossenschaftler, bzw. der Vorstand jedes Jahr noch an Naturalien drauf legt, dafür lohnt es sich schon fast wieder. Ich bekomme jedes Jahr eine Einladung zum Hoffest beim Milchviehbetrieb und dazu Verzehrgutscheine über 20 Euro. Ich glaube, nächstes Jahr gehe ich mal hin und trink ein paar Bier. Mag jemand mitkommen?
Und jedes Jahr zu Weihnachten schicken die mir eben auch ein Paket. Stolle, Baumkuchen, Lebkuchen. Das beste Jahr war das mit der Dresdner Weihnachtsstolle in der edlen Geschenkdose. Habe ich weiterverschenkt, bereue ich auch nicht, denn es ging an einen sehr lieben Menschen. Und nun das. Immerhin war es mit Nürnberger Lebkuchen-Spezialitäten gefüllt. Dennoch, ich fass es immer noch nicht. Seht selbst!


Montag, 24. Dezember 2012

24. Dezember, ca. 10.30 Uhr

Irgendwo in einem großen Supermarkt in einer sächsischen Kleinstadt bei den letzten Weihnachtseinkäufen

 
"Da wurde gerade ein Kennzeichen durchgesagt, was hast du für ein Kennzeichen? Irgendwas mit Y?" 
 
"Ja. AY, irgendwas." 
 
"Dann solltest du vielleicht mal zur Information, dein Auto brennt wahrscheinlich." 
 
[Lachen. Blick auf die langen Schlangen an allen zehn geöffneten Kassen, die um die letzte Regalreihe des Supermarkts herumreichen.]
 
"Ich komm da jetzt eh nicht durch, da muss es wohl ausbrennen."
 
"Sag einfach, du musst durch, du hast noch Wurst im Auto."

"Das wäre dann wohl jetzt Thrüringer Rostbratuwurst."
 
Ich weiß, ich weiß, nacherzählt nur halb so lustig. Aber mit ein bisschen Kopfkino geht es trotzdem...
 
 



Montag, 3. Dezember 2012

Blendende Aussichten

Im Moment schreibe ich meine Masterarbeit. Deswegen gibt es hier auch so wenig zu erzählen - zumindest keine großen Reisen. Meine Reiseroute, fast täglich: Über die Donau, den Berg hoch, Bibliothek, Mensa, Bibliothek, irgendwann zurück. Manchmal variiere ich ein wenig und bin noch ein-zwei Stündchen in der Südostbibliothek im Stadtzentrum, manchmal habe ich noch Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Sprachkurs. Der Kurs wird von einem Bosniaken unterrichtet, der ein kroatisches Lehrbuch verwendet und immer wieder Sachen einwirft wie: "Aber im Serbischen würde man "voz" statt "vlak" sagen."
Im Februar gebe ich meine Masterarbeit ab. Und im März, so ist der Plan, lerne ich dann intensiv Serbisch, drei Wochen in Belgrad. Es ist wunderbar, etwas für danach zu haben. Auch wenn es nur ein Sprachkurs ist. Und ich freu mich schon jetzt, genau drei Monate davor, wie wahnsinnig auf Belgrad.

Montag, 5. November 2012

Berlin - ein Wochenende mit Freunden




Vor wenigen Wochen hatte ich beschlossen, nach Berlin zu fahren, um mich dort mit Freunden zu treffen und ein Theaterstück des Zürcher Hora-Theaters anzuschauen, wo eine der Freunde mal gearbeitet hat. Ich fuhr Donnerstag los und Sonntag zurück und es war schon ein wenig anstrengend, 14 Stunden zu reisen für zwei Tage Aufenthalt in Berlin. Dennoch hat es sich voll gelohnt, ich habe das Fräulein, meine Rumänien- und Istanbul-Gefährtin wiedergetroffen und natürlich viel Zeit mit meinen Freunden verbracht.

Als ich am Donnerstag spät abends in der Jugendherberge ankam, war ich zunächst allein in dem spärlich eingerichteten Dreierzimmer, in der Nacht trödelten dann aber noch meine zwei Zimmergenossinnen ein und da wir uns eine Weile nicht gesehen hatten, quatschten wir erst einmal bis um zwei. Am nächsten Morgen gingen wir gemeinsam frühstücken und das Frühstück übertraf unsere Erwartungen, die in dieser Umgebung, die doch stark an ein Schullandheim erinnerte, nicht hoch waren. Wir zerstreuten uns und für mich ging es zu einem zweiten, türkischen Frühstück nach Neuköln, wo ich das Fräulein traf. Wir tauschten uns darüber aus, was in unseren Leben so passiert war, seit wir uns das letzte Mal, in Istanbul, gesehen hatten. Dazu passte natürlich Simit und Schwarztee ausgezeichnet. Das Fräulein zeigte mir noch das alte Tempelhofer Flughafengelände, das heute eine große gemeinschaftlich genutzte Erholungsfläche ist (auf dem Bild sieht man Gleitschirme, ein Gartenprojekt und natürlich den Fernsehturm), und ihre Wohnung. Nachmittags lief ich durch Neuköln zum Maybachufer. Auf dem Markt, der dort stattfindet tauchte ich in die Gerüche ein, die von den Ständen herüberwehten – reife Ananas, orientalische Gewürze, Räucherstäbchen... Am Ende des Marktes saßen ein paar junge Menschen und machten Musik. Der Markt war gedrängt voll mit einer Mischung aus Anwohnern und Touristen, der Stadtteil war so lebendig, wie ich es selbst von Regensburg kaum kenne. Die Menschen wirkten nicht so gehetzt, wie Großstädter eben oft scheinen, und die Atmosphäre war sehr angenehm.

Danach stoppte ich noch einmal kurz im Hostel, bevor ich meine Freunde traf, mit denen ich zum Theater gehen wollte. Hora ist die einzige professionelle Theatergruppe, die aus Behinderten besteht und das Stück, welches wir sahen, trug einfach den Titel „Disabled Theater“. Ich verstand es nicht sofort als Stück und ich fand es auch nicht besonders gut, aber bei unserer späteren Diskussion in einer Kneipe verstand ich es ein bisschen besser und mir erschlossen sich noch ein paar Sachen. Es beginnt damit, dass die Schauspieler einzeln auf die Bühne kommen und eine Minute im Rampenlicht stehen bleiben. Danach beantworten sie, wieder einer nach dem anderen, nacheinander die Fragen nach Name, Alter und Beruf sowie ihrer Behinderung. Schließlich folgen sieben von den Behinderten selbst erarbeitete Choreographien zu von ihnen selbst gewählten Liedern, eine Freedbackrunde zum Stück und die restlichen vier Choreographien von den Schauspielern, die in der ersten Runde nicht getanzt hatten. Meine größte Kritik an dem Stück ist eigentlich, dass ich finde, dass die Behinderung der Schauspieler zu sehr thematisiert wird und sie vorgeführt werden. Man ist als Zuschauer (und das wäre man sicher auch bei jedem anderen Stück mit Behinderten Schauspielern) in der Rolle des Voyeurs, der sich eben anschaut, was „diese Menschen“ auf der Bühne machen. Das Interesse liegt weniger im Stück, als darin, wie es umgesetzt wird. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass man sich durch den Aufbau des Stückes auch bewusst wird, dass man ein Voyeur ist und möglicherweise ist gerade das eines der Ziele, dass man sich eben nicht ganz wohl fühlt bei dieser (so einer der Behinderten) „Freak-Show“. 

Am Samstag verbrachte ich Stunden mit Kater im Deutschen Historischen Museum, nachdem wir es geschafft hatten, eine gemeinsame Entscheidung zu treffen, welches Museum es werden sollte. Das Museum ist sehr zu empfehlen, es ist sehr gut aufbereitet und man kann locker einen Tag darin verbringen. Die Sonderausstellung zur DDR war aber leider sehr unkritisch, undifferenziert und wenig reflektiert. Einzig mit dem kostenlosen Audioguide erhielt man auch ein paar kritische O-Töne, die über die üblichen Poster zur Rechtfertigung der innerdeutschen Grenzsicherung hinausgingen. 


Später machte ich mich auf dem Weg zum Haus der Kulturen der Welt, wo das Festiwalla stattfand. Das Fräulein hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Leider war ich zu spät dran für die palästinensischen Kurzfilme, aber ich konnte mir zwei Theaterstücke anschauen. Bei „From Tahrir wirh Love“, in dem es laut Programmheft um die Rezeption des arabischen Frühlings unter Berliner Jugendlichen mit Migrationshintergrund ging, war mein großes Glück, dass das Fräulein und ihre Mitbewohnerin mir einen Platz reserviert hatten und wie die Löwinnen mit kämpften, dass ich da rein kam. Ich war sehr froh darüber, denn es lohnte sich sehr. Ich würde aber eher sagen, es ging um die Probleme von jugendlichen mit Migrationshintergrund und ihren Willen zur Revolte. Das Stück, von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf die Bühne gebracht, war großartig. Es war jung, wild, kreativ, links, berlinerisch. War es migrantisch? Eigentlich nicht – natürlich zeigte es Probleme, die eben Jugendliche mit Migrationhintergrund haben, aber im Endeffekt ging es um Sachen, die die Gesellschaft als ganze betrafen.

Eigentlich war fest geplant, abends noch wegzugehen und das Nachtleben der Hauptstadt etwas unsicher zu machen, aber das schafften wir dann im Endeffekt nicht. Ich traf die anderen wieder in einem Restaurant, wo sie gerade ihr Nachtmahl nahmen und wir hingen alle ganz schön am Tisch, so dass wir beschlossen, dass der Spaziergang nach Hause das letzte sein würde, was wir an dem Tag tun würden. Am nächsten Morgen frühstückten wir noch einmal gemeinsam, ehe wir wieder in unsere jeweiligen Heimatrichtungen aufbrachen.

Alles in allem ein anstrengendes Wochenende mit wenig Schlaf, aber einer Menge schöner Momente mit lieben Menschen. Und Berlin, da kann man auch mal wieder hin...