Wladimir Kaminer ist ein großer Erzähler. Er schafft es, in zwei Stunden so viel zu erzählen, dass einem beim Herausgehen angenehm wattig der Kopf schwirrt und man unbedingt auch einen Onkel Wanja, schwäbische Nachbarn und einen Garten in der brandenburgischen Pampa haben will. Noch viel stärker ist Wunsch nach einer Russendisko, spätestens am nächsten Wochenende.
Kaminer begann damit zu erzählen, wie er als Repräsentant der deutschen Kultur und Literatur überall auf der Welt - von Rio bis Sankt Petersburg - auf Buchmessen eingeladen wird und Russendiskos ausrichten muss. So skurril wie das klingt, ging es dann weiter mit Texten aus seinen Büchern und unveröffentlichten Essays, immer wieder unterbrochen von ganz langen Erzählpassagen. Dabei passierte es schon mal, dass er den Text, den er gerade las, in dem Fall "Deutsche Männer" mehrmals unterbrach, um über irgendetwas relativ Abwegiges zu schwadronieren und dann wieder zu den deutschen Männern zurückzukehren, die wohl mit ihrer fehlgeleiteten bzw. fehlenden Paarungsinitiative nie eine Frau abbekommen würden.
Manchmal fragte ich mich, ob das tatsächlich sein reales Leben war, was er da erzählte und empfand ein bisschen Mitleid mit seinen pubertären Kindern, deren Leben er unweigerlich auch zu Literatur verarbeitete, sehr unterhaltsamer immerhin. Aber es ist im Endeffekt total egal, ob es Onkel Wanja, der auf jeder Fotografie seines Albums aus einem anderen Grund fehlt, tatsächlich gibt oder nicht - solange sich Kaminer literarisch an den Bahnsteig begibt, um ihn vom Zug aus Moskau abzuholen und mit ihm abenteuerlich durch Berlin zu stolpern.
Ich hatte natürlich wie fast alle Zuhörer auch den unmittelbaren Impuls, mir wenigstens drei seiner Bücher zu kaufen, denn das ganze war eine ganz wunderbare Werbeveranstaltung für seine Werke. Ich ließ es dennoch sein und begnügte mich mit Plakaten, für die ich noch einen schönen Platz finden muss. Und zwar nicht, weil ich die Bücher nicht verschlingen würde, sondern weil ich mir dachte, dass ich sie von ihm vorgelesen bekommen möchte, mit diesem absurden russischen Akzent, der immernoch unüberhörbar ist und die Texte erst authentisch und noch einmal ein paar Nummern witziger macht. Also werde ich mir das ein oder andere Hörbuch von Herrn Kaminer besorgen.
Hoch muss ich ihm auch anrechnen, dass seine Show sehr authentisch wirkte und er nicht den Eindruck machte, das gleiche einstudierte Programm bei jeder Lesung abzuspulen. Zudem präsentierte er eine feine Auswahl seines Schaffens - von frühen Texten bis hin zum neuesten Buch und noch unveröffentlichten Kurzgeschichten und kommentierte diese auf sehr unterhaltsame Weise. In jedem Fall weiterzuempfehlen!
Kaminer begann damit zu erzählen, wie er als Repräsentant der deutschen Kultur und Literatur überall auf der Welt - von Rio bis Sankt Petersburg - auf Buchmessen eingeladen wird und Russendiskos ausrichten muss. So skurril wie das klingt, ging es dann weiter mit Texten aus seinen Büchern und unveröffentlichten Essays, immer wieder unterbrochen von ganz langen Erzählpassagen. Dabei passierte es schon mal, dass er den Text, den er gerade las, in dem Fall "Deutsche Männer" mehrmals unterbrach, um über irgendetwas relativ Abwegiges zu schwadronieren und dann wieder zu den deutschen Männern zurückzukehren, die wohl mit ihrer fehlgeleiteten bzw. fehlenden Paarungsinitiative nie eine Frau abbekommen würden.
Manchmal fragte ich mich, ob das tatsächlich sein reales Leben war, was er da erzählte und empfand ein bisschen Mitleid mit seinen pubertären Kindern, deren Leben er unweigerlich auch zu Literatur verarbeitete, sehr unterhaltsamer immerhin. Aber es ist im Endeffekt total egal, ob es Onkel Wanja, der auf jeder Fotografie seines Albums aus einem anderen Grund fehlt, tatsächlich gibt oder nicht - solange sich Kaminer literarisch an den Bahnsteig begibt, um ihn vom Zug aus Moskau abzuholen und mit ihm abenteuerlich durch Berlin zu stolpern.
Ich hatte natürlich wie fast alle Zuhörer auch den unmittelbaren Impuls, mir wenigstens drei seiner Bücher zu kaufen, denn das ganze war eine ganz wunderbare Werbeveranstaltung für seine Werke. Ich ließ es dennoch sein und begnügte mich mit Plakaten, für die ich noch einen schönen Platz finden muss. Und zwar nicht, weil ich die Bücher nicht verschlingen würde, sondern weil ich mir dachte, dass ich sie von ihm vorgelesen bekommen möchte, mit diesem absurden russischen Akzent, der immernoch unüberhörbar ist und die Texte erst authentisch und noch einmal ein paar Nummern witziger macht. Also werde ich mir das ein oder andere Hörbuch von Herrn Kaminer besorgen.
Hoch muss ich ihm auch anrechnen, dass seine Show sehr authentisch wirkte und er nicht den Eindruck machte, das gleiche einstudierte Programm bei jeder Lesung abzuspulen. Zudem präsentierte er eine feine Auswahl seines Schaffens - von frühen Texten bis hin zum neuesten Buch und noch unveröffentlichten Kurzgeschichten und kommentierte diese auf sehr unterhaltsame Weise. In jedem Fall weiterzuempfehlen!
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