Samstag, 7. September 2013

Meine Beute vom rumänsichen Flohmarkt

Ich dachte ja nie, dass ich einen Shopping-Haul-Blogeintrag machen würde, aber ich muss einfach mal teilen, was meine Ergebnisse eines Vormittages Rumwühlen sind. Ich war heute morgen auf den Märkten Aurora und Flavia hier in Timisoara und hatte eigentlich das Ziel mit einigen folgender Gegenstände wiederzukommen:
  • Gabeln (die fehlen nämlich seltsamerweise im Besteckkasten meiner ansonsten ganz gut ausgestatten Wohnung)
  • Gläser (ebenfalls, es sind nur Tassen da und das einzige vorhandene Glas bekomme ich partout nicht sauber)
  • Pumps (für den gelungenen Büroauftritt, jetzt wo ich einen richtigen Job habe)
  • Jeans oder Hose (meine einzige mitgebrachte Jeans ist mit einem lauten Ratsch eingerissen, als ich so neugierig war und auf einen Stuhl stieg um zu schauen, was noch so alles oben auf dem Schrank rumliegt)
  • Schlafsack (wo auch immer meiner hinverschwunden ist, er bleibt verschwunden)

Ich bin mit der Vorstellung hingegangen, dass der Flohmarkt wohl ähnlich wie der in Cluj aussehen würde. Das heißt konkret - Stände mit Essen, eine Menge alter Leute, die ihre Habseligkeiten oder irgendwie erworbene Sachen auf Decken und wackligen Tischen ausbreiten, professionelle Händler, die Wohnungsauflösungen aus Deutschland, Fahrräder, Mopeds, Computer und Unterhaltungselektronik, Kleidung oder Schuhe anbieten.
Letzten Samstag habe ich mir schon schnell ein Fahrrad gekauft auf dem Flohmarkt. Es ist blau, ein Damenrad und heißt jetzt erstmal Isolde. Aber da ich recht spät dran war, habe ich das meiste verpasst und konnte mir kein so rechtes Bild vom Markt machen. Da ich letztes Mal nur auf dem Flavia-Markt war, bin ich diesmal zuerst auf den Aurora. Wie ich es von Cluj schon kannte, war ein kleines Eintrittsgeld fällig. 2 Lei zahlte ich, um so lange ich wollte zu stöbern. Der Aurora-Markt bietet fast ausschließlich Second-Hand-Kleidung und -Schuhe. Auf riesigen Tischen liegen und an Stangen und Ständen hängen die Klamotten. Manche sind teuerer und manche billiger, vieles ist Schrott, aber einiges ist noch ganz gut.



Ich suchte eine Sweatjacke, da meine alle zuhause bleiben mussten, weil sie schon etwas löchrig waren. Ich fand eine schöne, etwas dickere von einem bekannten schwedischem Modehaus in schwarz. Kostenpunkt 15 Lei (3,50 Euro). Die Schuhsuche war leider vergeblich, alles was mir gefiel, war entweder zu teuer für den Zustand oder zu durchgerockt. Dafür fand ich eine Jeans einer bekannten Marke mit französischem Namen für 5 Lei (1,10 Euro). Leider musste ich inzwischen, zuhause, feststellen, dass diese ein Loch im Schritt hat. Die Sachen kann man natürlich nicht anprobieren und es war mir klar, dass möglicherweise nicht alles passen würde, als ich bei einem Stand, wo es Hosen für 2 Lei (50 Cent) gab, zuschlug. Ich fand drei, zwei von den bereits genannten Marken, einmal Tweed, einmal Freizeithose, und eine schwarze no-name-Jeans. Davon passen zwei fast (einmal zu groß, aber noch ok, einmal minimal zu klein) und eine geht dann doch nicht so recht zu. 
Nachdem ich noch ein paar Runden gedreht hatte, damit ich auch ja nichts übersehe, ging ich hinüber zum Flavia-Markt. Hier war der Eintritt drei Lei, dafür gab es praktischerweise drinnen einen Fahrradständer, so dass ich mich nicht mit diesem durch die Menge drängeln musste. Und für einen Lei (also 25 Cent) eine ziemlich saubere Toilette für Flohmarktverhältnisse. Ich stromerte ziemlich lange umher und erwarb schließlich, nachdem ich mir überall die Augen ausgeschaut hatte, 2 Gläser für je einen Lei (eins davon ist leider auf dem Heimweg zerbrochen) und vier Gabeln für drei Lei. Außerdem wühlte ich in einem Berg mit Schuhen, nachdem mir ein paar graue Stiefelletten ins Auge gesprungen waren. Besser gesagt war mir der rechte Schuh ins Auge gesprungen. Der linke verbarg sich weiter hartnäckig unter dem Schuhhaufen und wollte sich auch nicht zeigen, als mir das junge Romamädchen von vielleicht elf Jahren sehr engagiert beim Suchen half. Sie war die Marktschreierin und auch Verkäuferin, aber ihre Mutter assistierte und überwachte sie von einer bequemen Sitzgelegenheit neben dem Stand. Zum Vorschein kam aber haargenau der gleiche Schuh in schwarz, der leider minimal abgelaufener war, aber immer noch in einem Zustand, dass ich ihn für 10 Lei (3,50 Euro) getrost mitnahm. Beim Suchen haben sich noch ein paar süße graue Pumps gezeigt, beziehungsweise einer davon und als ich den zweiten nach einigen Minuten wühlen auch gefunden hatte, wollten auch diese von mir adoptiert werden.


Das Bummeln auf dem Flohmarkt war sehr entspannt. Ein paar junge männliche Roma versuchten zwar mit mir zu flirten, waren aber sehr unaufdringlich. Wenn mir etwas nicht gefiel oder der Preis nicht passte, ging ich einfach weiter, ohne dass jemand schrie oder schimpfte. Die Verkäufer waren alle gut gelaunt ("Machen wir zwei Lei?" - "Tut mir leid, Mama sagt nein."). Und Angst um meine Sachen hatte ich auch nicht. Ich war mit einem mittelgroßen Rucksack und einer Bauchtasche gekommen, so dass ich mein Geld immer schnell griffbereit und im Auge hatte. Mein Fahrrad ließ ich beim Aurora-Markt oft etwas abseits des Standes stehen, um zu wühlen, ohne, dass es mir jemand klauen wollte.
Die Märkte sind anders als der in Cluj, wo es zum Beispiel große Stände mit Armee-Ausstattung, von Trainingsjacken über lange Unterhosen bis zu Schlafsäcken gibt. Die Verkäufer in Timisoara sind meist Roma und auch die Stände mit Haushaltsauflösungsware sind geringer gesät. Gläser habe ich an zwei Ständen gesehen, mehr nicht, Gabeln ebenfalls. Die Bananenkisten voll mit Gläsern, Tellern, Tassen und Besteck fehlten fast vollständig. Aus einer davon hatte ich vor über einem Jahr in Cluj eine Tasse vom Leipziger Weihnachtsmarkt geangelt.

Insgesamt habe ich  50 Lei ausgegeben, plus 5 Lei Eintritt und 1 Lei Toilettengebühr. Das sind 12,50 Euro für einen Rucksack voller nützlicher Dinge. Kann man mal wieder machen. Und wenn eine Hose nur 50 Cent kostet, ist es auch nicht schlimm, wenn die Hälfte nicht passt...



Für Klamotten gehe ich ansonsten lieber in die Secondhandläden. Oben ist noch ein Bild von meiner Beute eines Streifzugs in diesen. Für die Hose (ebenfalls von dem Hersteller mit dem französischen Namen und den roten Fähnchen an der Kleidung), zwei kleine Kissenhüllen und die Bluse habe ich 14 Lei bezahlt, für das grüne Kleid 10 Lei. Also reichlich 5 Euro insgesamt.
Ich finde es nicht schlimm, Sachen Secondhand zu kaufen. Ich finde es eher spannend, in den Läden zu schauen, weil ich so Sachen bekomme, die nicht irgendeinem seltsamen Modetrend folgen, den ich vielleicht gerade nicht mitmachen will. Natürlich finde ich auch den finanziellen Aspekt reizvoll, aber vor allem ist es auch der ökologische Aspekt, der mich dazu bringt, nicht alles neu zu kaufen. Wir wissen inzwischen alle, wie die Textilien, die wir bei den großen Modeketten kaufen, hergestellt werden. Das möchte ich nicht unnötig unterstützen (auch wenn ich darin nicht ganz konsequent bin). Solange die Sachen noch intakt sind, aber nur nicht mehr passen oder gefallen, sollte man sie in irgendeiner Form zur Weiterverwendung geben. Darüber habe ich ja schon mal gebloggt. Aber das ist nur die eine Seite. Durch Second-Hand-Kleidung glaube ich, meinen ökologischen Fußabdruck geringer zu halten. Und solange die Klamotten oder auch Dinge soweit zu reinigen sind, dass ich sie ohne Bedenken verwenden kann, habe ich kein Problem damit, etwas zu kaufen, was vorher auf einem staubigen rumänischen Flohmarkt in einer Bananenkiste lag.

Montag, 2. September 2013

Guten Morgen und herzlich willkommen bei Radio Temeswar!

So hätte sie in etwa ausfallen können, meine Begrüßung. Leider war der Anfang aber ganz schön verkorkst. Ich stand eine geschlagene Stunde herum und wartete auf die restliche Redaktion. An meinem ersten Arbeitstag. Aber von Anfang an...

Die Busfahrt nach Timisoara war eigentlich viel angenehmer als erwartet. Der Kulturschock nach dem Ankommen war nicht spürbar, da ich schon vorm Einsteigen das Gefühl hatte, in Rumänien zu sein. Vorm Dresdner Bahnhof saßen Zigeunende (so die politisch korrektere Bezeichnung, die jemand, den ich hiermit grüßen will, in den Raum geworfen hat) auf dem Bordstein und der Busfahrer sprach nur Rumänisch. Im Bus war es heiß und es roch irgendwie unangenehm, in der letzten Sitzreihe pennte ausgestreckt ein Rumäne, wobei sich sein Statusbauch hob und senkte. Ich schnappte mir den vorletzten Zweiersitz und okkupierte ihn. Irgendwie hatte ich angenommen, dass wir von Dresden aus durchfahren würden, aber bei einer kleinen Stadtrundfahrt durch Prag wurde schnell klar, dass wir wohl auch halten würden. Ich hatte den Eindruck, wir fuhren auch ein wenig im Kreis, aber das war nicht so schlimm, den die Burg war schön angestrahlt und ich genoss den Ausblick. In Prag standen wir noch Ewigkeiten herum, dann stiegen noch zuemlich viele Menschen zu. Auch in Brno kamen noch ein paar, aber ich hatte durch geschicktes Verteilen meiner Habseligkeiten meine zwei Plätze behauptet. Im Hinblick auf den Typen in der letzten Reihe, der die Dreistigkeit hatte, seine fünf Plätze zu verteidigen, fühlte ich mich auch durchaus im Recht. In Rumänien angekommen fuhren wir auch in Arad noch ein paar Mal im Kreis, waren aber trotzdem eine Stunde zu früh in Timisoara.


Kaum bin ich aus dem Bus gestiegen, rief mich auch schon mein Vermieter an, wo ich sei. Ich sagte ihm ebendas, ich wäre gerade aus dem Bus gestiegen. Er bot sogar an, mich abzuholen und mir mit dem Gepäck zu helfen, aber im Anbetracht der vielen Taxis die rumstanden, lehnte ich ab. Die zwei Euro, die es maximal kosten würde, hatte ich schon auch noch. Ein Fehler. Zuerst musste ich dem Taxifahrer auf der Karte zeigen, wo ich hinwollte, weil er die neuen Straßennamen nicht kannte - keine Ahnung, wann die Namen geändert wurden waren. Nach dem Krieg? Nach der Revolution? Nach der letzten Kommunalwahl? Jedenfalls hatte er keine Ahnung, wo die Henri-Coanda-Straße war. Erschwerend kam die Aussprache dieses Stücks Timisoara hinzu. Das erste Mal, als ich den Straßennamen hörte, verstand ich auch nur "Anricanda". Wo auch immer das ist. Das Witzigste kam aber eigentlich noch. Der Fahrer konnte mir, aber das war ja schon fast zu erwarten gewesen, auf meine 50 Lei (eta 11 Euro) nicht herausgeben, da ich nur 7 (etwa 1,70 Euro) Lei zu bezahlen hatte. Nach ewigem hin und her, bat er mich, doch im kleinen Lebensmittelgeschäft an der Ecke zu wechseln. Die Dame bedeutete mir, das könne sie nicht, wobei wie sie das sagte, auch irgendwie sehr danach klang, als wolle sie einfach nicht - tja, dort werde ich wohl jetzt nicht mehr einkaufen, Pech gehabt - aber ich könne ja in der Wechselstube fragen. Die zum Samstagvormittag allerdings zu hatte. Und auch aussah, als hätte sie schon länger nicht mehr aufgehabt. Jedenfalls gab ich dem Taxifahrer am Ende fünf Euro und er gab mir knapp zwei Euro in Lei raus, so dass er einfach mal ein fettes Trinkgeld von 100% einstrich. Und das, obwohl Trinkgelder normalerweise von Taxifahrern hier nicht erwartet werden, da die eh meistens den Preis runden.


Endlich in der Wohnung angekommen, regelten wir schnell alles, was noch zu regeln ist, wobei ich nur die Hälfte verstehe. Immerhin, Internet ist noch einen halben Monat bezahlt und um sämtliche Rechnungen zu bezahlen, muss ich nur zu irgendwelchen Banken und Büros gehen, von Onlinebanking hat der gemeine Rumäne scheinbar noch nie was gehört. Als der Vermieter mir den Schlüssel in die Hand gedrückt hat und verschwunden ist, schiebe ich erstmal alle Vorhänge zur Seite und ziehe alle Rollos hoch und jetzt wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich - die Wohnung ist total verdreckt. Am Wochenende bin ich nur mit Einkaufen und Putzen beschäftigt. Immerhin, gleich am ersten Tag kaufe ich mir auch ein Fahrrad auf dem Flohmark (und lasse mich etwas übers Ohr hauen), aber es erleichtert mir das Einkaufen ungemein. Die Stadt ist super zum Radfahren, keine Berge, keine Verkehrsregeln.


In der zweiten Nacht macht das uralte Schlafsofa, auf dem ich nächtige, endgültig die Krätsche. Ich habe das Gefühl, in einem Loch zwischen harten Eisenfedern zu schlafen. Schnell wird klar - ich brauche ein Bett. Nur ohne Ikea weit und breit gibt es echt einfachere Aufgaben. Für die nächsten Tage habe ich mir vorgenommen, Leute abzuklappern, die gebrauchte Möbel aus Deutschland importieren. Das ist mal wieder echt ironisch, aber was soll ich machen, ich will nicht für das eine Jahr hunderte von Euro für ein Bett und eine Matratze ausgeben.

Nachdem ich aus der Kuhle gekrochen bin, beim Duschen feststellen musste, dass auch das warme Wasser nicht so einwandfrei funktioniert, begab ich mich auf Arbeit. Ich hatte schon am Sonntag kurz in der Redaktion vorbeigeschaut, aber meine neuen Kollegen knapp verpasst. Der Pförtner meinte, um acht, halb neun, vielleicht auch neun, wäre am Montagmorgen sicher jemand da. Ich radelte also etwa halb neun los und war zehn Minuten später da. Und wartete eine geschlagene Stunde ehe irgendjemand anders auftauchte. Dann wurde die Wochenplanung durchgesprochen und ich erhielt eine erste Aufgabe. Später hörte ich noch beim Einlesen der Nachrichten zu und ging mit auf eine Pressekonferenz.

Mein erster Eindruck - alles nicht so einfach und mal schauen, wie es sich weiter entwickelt. Die Wohnung war sicher nicht die beste Wahl, aber ich will jetzt erstmal hierbleiben, wenn die Probleme weitergehen, muss ich mich aber nach was neuem umsehen. Von der Arbeit kann ich noch nicht viel sagen, ich hoffe, dass ich schnell eingebunden werde und auch eingelernt werde, was bis jetzt noch nicht so der Fall war, aber heute hatte auch keiner so recht Zeit für mich, nach diesem seltsamen Start.


Donnerstag, 22. August 2013

Timisoara, wir könnten Freunde werden...

Ich habe drei arbeitssame Wochen in Timisoara verbracht, war dabei viel auf Achse und hatte deshalb wenig Zeit zum Stadt erkunden und Bloggen. Das will ich jetzt nachholen.



Das Projekt, dass ich mit drei anderen Deutschen und fünf rumänischen Schülern des deutschen Gymnasiums in Timisoara durchgeführt habe, lief sehr gut. Meine Kollegen waren super nett und haben mich unheimlich freundlich aufgenommen, obwohl ich als letzte zum Team stieß und sie schon jahrelang befreundet sind. Ich denke, dass wir uns noch ganz oft sehen werden und das Projekt geht ja auch noch ein bisschen weiter. Die Schüler waren unglaublich wissbegierig, motiviert und engagiert. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit ihnen zu arbeiten. Auch wenn ich zum Teil hart an der Belastungsgrenze war, hat es sich voll gelohnt.


Die Projektwoche haben wir mit einer Abschlusspräsentation beendet, bei der wir einen in drei Tagen aus zehn Stunden Material zusammengebastelten Kurzfilm gezeigt haben. Als Veranstaltungsort haben wir die Teestube über einer Buchhandlung  genutzt, die Platz für ewa 30 bis 40 Leute bot. Wir waren skeptisch, was die Besucherzahl anging, aber ebensoviel ergaben unsere Schätzungen. Wir und unsere Teilnehmer hatten im Freundes- und Bekanntenkreis die Werbetrommel gerührt und so war schließlich alles bis auf den letzten Platz besetzt und einige wenige mussten sogar stehen. Die Gästeschar war bunt gemischt aus Wissenschaftlern von der Uni, Nonnen vom Hospiz, in denen meine Kollegen Freiwilligendienst gemacht hatten, Freunde, Geschwister und Eltern der Teilnehmer und Vertreter unserer Partnerorganisationen des Projektes. Ein voller Erfolg also, auch wenn bei der Präsentation noch einiges schief ging, was sicher nicht zuletzt unserem Schlafmangel in den letzten Tagen geschuldet war.



Für mich war die Zeit in Timisoara ja auch als Vorbereitung auf meinen längeren Aufenthalt ab September gedacht. Ich wollte die Stadt kennenlernen und Wohnung suchen, Tipps für schöne Cafés und Kneipen erhalten und ein bisschen Athmosphäre schnuppern. Im Endeffekt wurde aus den meisten dieser Vorhaben nichts. Einen groben Überblick über die Stadt habe ich jetzt, ein paar Sandwichläden habe ich auch kennengelernt, aber ansonsten blieb wenig Zeit zum Erkunden. Die Wohnung suchte ich mir überstürzt in den letzten drei Tagen meines Aufenthalts - bloß gut, dass so etwas in Rumänien funktioniert. Meine Kollegen und den Sender habe ich auch kurz besucht, aber zum wirklichen Kennenlernen war auch keine Zeit. Ich bin also weiter gespannt, wie alles wird, wenn ich erst dort lebe. 

8. Stock, 2 ZKB :)


Dienstag, 13. August 2013

Cluj, ein Super-Kurz-Urlaub

28 Stunden in Cluj, dafür 12 Stunden Zugfahrt in Kauf genommen und trotzdem: Es war richtig gut. Cluj wird immer schöner, an allen Ecken entsteht etwas Neues. Alles wird schicker, beim Biergarten in der Nähe vom Hasdeu-Studentenkomplex wird man jetzt von einer Bedienung platziert.



Mein Sprachtandem-Rumäne und ich, wir sind übereingekommen, das Cluj keine touristisch interessante Stadt ist, denn was gibt es schon zu sehen? Den Piata Unirii mit dem ungarischen König und der Kirche, die Gässchen um das Geburtshaus des ungarischen Königs, das Boulevard Richtung orthodoxe Kirche und die Zwillingshäuser am Piata Unirii. Cluj ist nicht herausragend schön.
Aber, und das war die unvermeidliche Schlussfolgerung, es wächst einem ans Herz, wenn man da wohnt.

Zwei Tage Biergarten, entspannen, Schlaf nachholen, Eis essen - Danke, Cluj!

Freitag, 9. August 2013

Timisoara hier und jetzt

Nur eine kurze Meldung: Ich kann mir durchaus vorstellen, hier einige Zeit zu leben.


Was habe ich gemacht? Ganz viel gefilmt. Den jüdischen Friedhof besucht. Die Synagoge in der Innenstadt besucht. Zwei Zeitzeugeninterviews gemacht. Bis spätnachts Programm vorbereitet. Workshops geführt. In einem Dacia aus den frühen 1970er migefahren. Eis gegessen. Sandwiches gegessen. Noch viel mehr gegessen. Schwimmen gegangen. Auf dem Stadtfest vergeblich nach einem Langos-Stand gesucht. Milkshakes gesucht und Projekttage evaluiert. Limonaden getrunken. Wenig geschlafen. Im Archiv gewesen. Leuchten in den Augen gesehen. Mit Historikern gesprochen. Eine großartige Woche gehabt.

Und wieder einer dieser Momente, wo ich fühle, wie ich gerade am richtigen Platz bin. Trotz 41°C, dreckigen Füßen und klebriger Kleidung. 

Mittwoch, 31. Juli 2013

Timisoara, angekommen...

Nach einer über 24 Stunden dauernden Odyssee über Budapest inklusive biblischem Unwetter am Dresdner Hauptbahnhof bei gleichzeitiger Suche nach dem falsch angekündigten Schienenersatzverkehr bin ich nun da, in der Stadt, die für das nächste Jahr meine Homebase wird. Und es fühlt sich richtig gut an und ist wunderschön hier. Meine Projektkollegen bei dem Jugend-Geschichte-Film-Projekt, bei dem ich erst seit einigen Wochen dazugestoßen bin, sind richtig klasse und die Stadt ist so schön grün und zu Fuß erkundbar. An schönen Cafés scheint es auch nicht zu mangeln und es sind swohl die Vorzüge des transilvanisch-ungarisch-angehauchten Fastfoods (Langos und Kürtöszkolacs) als auch des balkanischen Fettgebäcks (Burek und andere Formen gefüllter Teigtaschen) vertreten. Und natürlich riesige Obst- und Gemüsemärkte. Ich werde es hier mögen, denke ich.



Heute war ich schon das erste Mal im Sender und fürs Projekt im Archiv. Im Archiv fühl ich mich immernoch sehr wohl - mein Studium war in der Hinsicht echt das Richtige - und im Sender werde ich mich auch reinfitzen, denn die netten Kollegen, mit denen ich mich gleich duze, werden mir sicher den Einstieg leicht machen.

Jetzt heißt es aber, um zwölf Uhr nachts, dann doch langsam "Noapta buna", auch wenn ich vor dem Schlafen noch ein wenig Projektvorbereitung eingeplant habe. Aber nach einem halben Radler und einer halben Pizza auf einer Dachterrasse eines Klosters, dass eher an ein Jugendbegegnungsheim erinnert, bin ich gestärkt und bereit, noch kurz zu arbeiten.

Sonntag, 21. Juli 2013

Erste Ernte


Oh, dieser Garten! Ich werde ihn vermissen! Ich liebe meine Gladiolen, die ich mit Eifer jedes Jahr stecke und wieder ausbuddele. Und dieses Jahr gibt es erstmals eigenen Bio-Zucchini - ungespritzt und ohne Chemie. Wie schon bei meiner Großmutter immer, werden es riesige Keulen und nicht diese Winz-Zucchini wie man sie aus der Gemüseabteilung im Supermarkt gewohnt ist. Seit einer Woche gibt es deswegen auch jeden Tag Zucchini: Mit Reis, in Tomatensauce, mit Tofu, Linsen oder Curry-Sahnesauce, und schon zweimal, weil so lecker, als Suppe.