Samstag, 14. April 2012

Frohe Ostern! Paște fericit!

Die Kirchenglocken läuten zur Ostermesse, es ist kurz nach Mitternacht. Man geht in die orthodoxe Kirche und lauscht der Liturgie, dann geht man noch drei Runden um die Kirche. Die Messe dauert ewig, es ist nicht besonders warm, zudem fröstelt man vor Müdigkeit, es ist ja mitten in der Nacht. Aber der Morgen dann: Das Fasten wird gebrochen. Es wird wieder Fleisch gegessen, es gibt einen Schnaps, vielleicht auch zwei oder drei und der Frühstückstisch ist überladen. Der Beginn des Osterfestes.

Ich weiß, dass es zu spät ist für Protestanten und Katholiken, dennoch möchte ich diesen ruhigen Moment nutzen, um allen frohe Ostern zu wünschen.

Freitag, 13. April 2012

Ich pflanze einen Baum.

Mein Blog hat eine Eiche gepflanzt.

Enjoy the silence




In Cluj ist es gerade extrem ruhig, die Studenten haben zu einem großen Teil die Stadt verlassen und die Geschäfte sind zum Teil geschlossen. Es ist orthodoxer Karfreitag.
Schon gestern war meine Vorlesung ausgefallen und um Viertel vor drei wurde ich aus der Zentralbibliothek geworfen. Überall waren Studenten mit Taschen und Koffer und Rucksäcken unterwegs. Und abends war kaum etwas los in den Kneipen. Meine Zimmergenossin fuhr bereits früh um sieben zum Flughafen, um nach Hause zu fliegen, ich schlief noch ein bisschen, und ging erst gegen Mittag raus. Der Campus war erstaunlich ruhig. Der kleine Lebensmittelladen meines Vertrauens hatte sogar geschlossen und der ist sonst immer bis Mitternacht offen. Auch in der Stadt war es leerer und weniger hektisch als sonst, irgendwie hatte ich sogar den Eindruck, es wäre leiser. Ich ließ mich ein wenig durch die Gassen treiben ohne ein spezielles Ziel und machte ein paar Fotos. Hier ein paar Eindrücke...





(Herr Nico Claus betreibt in Cluj ein Geschäft, wo man Stoffe kaufen kann.)

Stencil, gesehen in Cluj, April 2012

Lehne die Grundannahmen der Gesellschaft ab, inbesondere die der Wichtigkeit des materiellen Besitzes. 


Mittwoch, 4. April 2012

Intermezzo mit Frau Fröschle

Ich bin vor über einer Woche überraschend nach Deutschland gereist. Es hat sich furchtbar angefühlt - herausgerissen, fehl am Platz, orientierungslos. Das bringt natürlich auch immer ein Flug mit sich - innerhalb von zwei Stunden ist man in einer anderen Welt. Auch wenn ich Rumänien immer gar nicht als so anders wahrnehme, ist es trotzdem jedes Mal ein kleiner Kulturschock.

 Nach anfänglicher Ratlosigkeit habe ich genau das gemacht, was mich nach über 1000 zurückgelegten Kilometern wieder ein bisschen zurückgeholt hat, zurück in die Urheimat, zurück nach Deutschland, zurück in die Realität. Ich habe mich auf mein quietschgrünes Fahrrad, Frau Fröschle, gesetzt und bin zum Dorfsupermarkt in ein paar Kilometer Entfernung geradelt. Solange das Wetter einigermaßen erträglich war, habe ich das Fahrrad genommen statt des Autos und mir Frühlingswind um die Nase wehen lassen. Ich bin den Feldweg vorbei am alten Truppenübungsplatz der Sowjets entlang gejoggt und ich habe den Garten vom gröbsten Unkraut befreit. Ich habe die Gladiolenzwiebeln gesteckt, mal schauen, was daraus wird. Ich habe zugeschaut, wie ein kleines Schaf mit der Flasche gefüttert wird. Ich habe in der Wanne gelegen und großartige Musik gehört. Es gab so viele gute Momente in nur einer Woche, obwohl ich mich am Anfang innerlich so gewehrt habe, dort zu sein, wo ich eben war.

Am Schönsten war es aber, meine Freunde zu treffen. Verknäuelt auf der Couch zu liegen, schick essen zu gehen und natürlich die Rocky Horror Show in der Oper Leipzig zu sehen. Und die Regensburger Mädels in unserer Stammkneipe zu treffen. Überhaupt, durch Regensburg zu schlendern, in den Lieblingsbuchhandlung zu stöbern, beim Lieblingsbäcker Frühstück zu kaufen, am Regen entlang zu laufen oder an die Uni zu radeln. Das alles bei wunderschönstem Wetter, das tut so gut. Das alles ist zu Hause: In der sächsischen Prärie, in Leipzig vor der Oper, in der Südvorstadt und in Connewitz, in Regensburg in der muggeligen Wohnung und  auf der Steinernen Brücke und sogar irgendwie an der Uni. Und als ich heute Nacht in Cluj angekommen bin, am Piata Unirii vorbeigefahren bin und später meine Reisetasche in den vierten Stock des Wohnheims hochgeschleppt habe - es hat sich angefühlt, wie nach Hause kommen. Und ich freue mich, wieder in Rumänien zu sein und wieder in Cluj zu sein. Ich will noch mehr rumänische Gelassenheit aufsaugen und mir einen großen Vorrat davon anlegen. Ich denke, ich werde sie noch gut brauchen können. 

Samstag, 24. März 2012

Ich und Domnul Popescu

Wir waren heute wieder auf dem Flohmarkt. Ich habe mir für 100 Lei ein Fahrrad gekauft. Und zwar nicht irgendeins, sondern Domnul Popescu, wie ich es auf dem Rückweg getauft habe. Herr Popescu ist silberfarbig und ein altes Rennrad, fährt sich etwas wackelig und wurde seit Jahren nicht geölt. Ein Teil der Gangschaltung funktioniert noch, die vordere Bremse auch. Vielleicht ist es lebensmüde, in Cluj Rad zu fahren, aber andererseits macht es so viel Spaß.
 

Donnerstag, 22. März 2012

Clujer Nachtleben

Ich liebe all die Cafés, Kneipen und Bars hier, es gibt so viele davon und jede ist auf ihre Weise toll. Am Liebsten mag ich, glaube ich, das Insomnia (auch wegen der warmen Brownies mit Vanilleeis), aber das Shto ist zum Beispiel auch sehr nett, oder das Highlife, oder das Bulgakov oder oder oder...

Wie ihr seht, ist gerade noch genug Platz für alle, die ich gern hier hätte. Ganz besonders für jemanden, mit dem ich gestern schon gern Bier oder Wein getrunken hätte - es fühlt sich fast an, als hätte ich es auch getan.